Motorsport
Viele Schmuckstücke am Start
Gründe dafür sind die hervorragende Streckenführung durch eine landschaftlich reizvolle Gegend und die interessanten Aufgaben auf der Strecke. Zu bewältigen waren 120 Kilometer durch die Nordpfalz und Teile der Westpfalz. Geeignet war die Route für alle Typen von Zweirädern, von der Straßenmaschine über Enduro-Motorräder bis hin zu Sportmodellen. Entsprechend breitgefächert war dann auch das Teilnehmerfeld, das sich am Clubheim am Waldsportplatz in Kerzenheim auf den Weg machte.
Es war schon am frühen Morgen eine Augenweide beim Blick auf das Veranstaltungsgelände des Ausrichters. Säuberlich aufgereiht standen die Schmuckstücke mit zwei und drei Räder und je näher es zum Nennungsschluss ging, desto interessanter wurden die Fahrzeuge. Der erste Blick fiel auf die Standard, die im württembergischen Ludwigsburg von der Firma Gutbrod gebaut wurde. Stolz ist Besitzer Steffen Urschel aus Welchweiler bei Kusel auf das Kennzeichen IIIA 1268, das noch heute am Zweirad installiert ist. „Es war das erste Kennzeichen des 1932 gebauten Motorrades, das vom Polizeipräsidium Stuttgart vergeben wurde“, erzählt der 58-jährige Berufskraftfahrer. Über Bekannte ist er zu diesem Schmuckstück gelangt, das mit einem Einzylinder-Motor mit 500 Kubikzentimeter Hubraum ausgerüstet ist, der 24 Pferdestärken leistet. „Raus aus dem Alltag und sich mit der Technik in der Natur bewegen“, das sei der Grund seiner Teilnahme. Im Ziel war es für den Westpfälzer mit seiner Standard vom Typ BS 500 Rang zwei.
In diesem Sport gibt es keine Altersbegrenzung. Mit 85 Jahren ging Volker Conrad aus Kaiserslautern mit seiner Hoffmann-Vespa an den Start. Die vier Pferdestärken aus dem 125-Kubikzentimeter-Hubraum-Motor brachten ihn über die Strecke bis ins Ziel. Gebaut wurde dieses Modell in Bielefeld und von dem Motorenfachmann nach dem Auffinden auf dem Schrottplatz wieder in einen fahrbaren Zustand versetzt. Seit 1994 ist er nun mit diesem Zweirad bei solchen Veranstaltungen unterwegs, „ganz einfach, weil es mir viel Spaß macht und ich noch mithalten kann“. Die Platzierung war ihm nach der Zielankunft egal.
Anders bei Rolf Beppler aus Appenhofen. Der ist nur ein Jahr jünger und noch immer voller Ehrgeiz. Er lenkte das an diesem Tag älteste Zweirad, eine Rudge Whiteworth aus dem Jahre 1924. „Der 350 Kubikzentimeter-Motor leistet 18 Pferdestärken und hat einen Vierverteilerkopf“, erzählt der Fachmann aus der Südpfalz. Als „Brocken“ hat er das Zweirad erworben und wieder zu einem fahrbaren Untersatz gezaubert. „Nicht alle Teile waren zu beschaffen. Deshalb musste ich diese in Kleinarbeit anfertigen. Dann habe ich mir sie zum 50. Geburtstag selbst geschenkt“, erzählt er lachend weiter. Am Start war kein Geringerer als der 23-fache Pfalzmeister im Enduro-Sport und 19-malige Teilnehmer an internationalen Six Days. Sein Einsatzwille war so hoch, dass er seine Klasse mit deutlichem Vorsprung gewann. Viele Blicke gingen recht schnell auf die BMW R 75, ein Gespann, das in einer Stückzahl von 18.000 für die Wehrmacht gebaut wurde. An den Start gebracht haben es Hermann Matula (76 Jahre) und Raimund Link (74), die aus Schlüchtern kommen. Der Motor mit 750 Kubikzentimeter leistet 26 Pferdestärken. Das Motorrad hat eine Geländeübersetzung und der Beiwagen einen eigenen Antrieb und das Gespann selbst ist mit einem Rückwärtsgang ausgestattet. Während des Weltkrieges ist das 1941 gebaute Fahrzeug in Russland verblieben, wo es der Fahrer entdeckte. „Das Gespann war restlos kaputt und der Rahmen verzogen“, berichtet der Besitzer. In vielen Stunden hat er es restauriert und wieder einsetzbar gemacht.
Für den 32-jährigen Jonas Manz aus Gönnheim gibt es nichts Schöneres, als unter gleichgesinnten Touren durch herrliche Landschaften zu unternehmen. Die Donnersberg-Klassik ist da die richtige Einladung für ihn. Gestartet ist der Ingenieur für Fahrzeugbau mit einer DKW KS 200 mit acht Pferdestärken aus 200 Kubikzentimeter. „Das ist meine erste Ausfahrt mit diesem Zweirad“, berichtet er. Über ein Inserat hätte er es gefunden und es in seinen ursprünglichen Zustand versetzt. „Geschraubt habe ich schon als Kind, sowohl am Motorroller als auch an der Kettensäge“, verrät der Zweiradfan. Sichtlich wohl in diesem auserlesenen Feld fühlte sich Sascha Leiner, ein 44-jähriger Elsässer, der die Pfalz liebt. Mit einer Peugeot P 105 nahm er die Herausforderung an und erzählte vor dem Start die Besonderheiten seines Motorrades. Das 1928 gebaute Fahrzeug hat keinen Fußraster zum Schalten, sondern einen langen Schalthebel, der fast bis zum Lenker reicht. „Hier kann ich nur fahren, wenn ich Urlaub habe“, verrät der Gastfahrer. „Es handelt sich um eine Samstagsveranstaltung und an diesen Tagen muss ich als Postbote Sendungen zustellen“.