Kirchheim Urkomische Modenschau

Pauline, alias Bauer Paul (Henning Bölter), führt das Modell „Landfrau“ vor, die Jurorinnen Klementine (Elfriede Lang), Gerda (A
Pauline, alias Bauer Paul (Henning Bölter), führt das Modell »Landfrau« vor, die Jurorinnen Klementine (Elfriede Lang), Gerda (Angelika Chelius-Kolb) und Sophia (Kerstin Dietz) und Moderator Otto (Yannik Dietz) betrachten das Outfit kritisch.

In der Kolb’schen Scheune in Kirchheim werden dieser Tage ordentlich die Lachmuskeln massiert: Die Eckbach-Krischer zeigen den ans Pfälzische angepassten Schwank „Modeschau im Ochsestall“ von Jonas Jetten. Bei der gelungenen Eröffnung der Theatersaison am Donnerstagabend blieb im Publikum kein Auge trocken.

Bauer Paul (Henning Bölter) ist verzweifelt. Er kann die Kreditraten für seinen Hof nicht mehr bezahlen. Es kommt kein Geld herein und der Zuchtbulle Bruno tut auch nicht das, was er soll. Keinesfalls will Paul zulassen, dass seine Frau Mathilde (Yvonne Becker) bei Globus arbeitet. Auch möchte er seine Bilder nicht verkaufen, die er als Hobbymaler anfertigt. Da hat sein Freund Franz (Erkki Lander) nach dem Studium der RHEINPFALZ eine Idee: Dort steht, dass die Agentur Moppel eine Location für eine Modenschau sucht. „Stell denen doch deinen Hof gegen Miete zur Verfügung“, rät Franz, woraufhin Paul ihn zunächst auslacht – mit köstlicher Mimik und gekonnten schweinischen Grunzgeräuschen. Zum Schreien komisch!

Bauer Paul, Protagonist der Komödie „Modeschau im Ochsestall“ von Jonas Jetten, ist Bölters Glanzrolle. Fantastisch, wie der Laienschauspieler die Figur in der schlabbrigen blauen Latzhose darstellt. Dümmlich-naiv, gutmütig und tierlieb, teilweise wie ein Kind trotzig oder stotternd und heulend. Die Charakterstudie ist äußerst unterhaltsam. Keine Sekunde ist es langweilig, wenn er auf der Bühne agiert.

Schon 23 Jahre lang verlobt

Lustig ist auch eine Unterhaltung, bei der Gerda (Angelika Chelius-Kolb) ihrer Freundin Wilma (Birgit Eckel), Gattin von Franz, anvertraut, dass sie schon 23 Jahre lang verlobt und selbstverständlich noch Jungfrau ist. Getobt hat das Publikum beim Dialog zwischen Mathilde und Gerda. Die beiden Frauen sprechen über einen Homosexuellen – wobei die eine den Zuchtbullen Bruno meint, der sich nur fürs eigene Geschlecht interessiert, und die andere einen Mann. Es braucht nicht viel Fantasie, um aus dieser Konstellation eine extrem erheiternde Szene zu machen. Weil Schwule ja stets rosafarbene Kleidungsstücke anhaben und der Kunsthändler Dr. Braun, der ausgerechnet Bruno mit Vornamen heißt, rosa Socken trägt, werden natürlich – wie sollte es anders sein – lustige und falsche Schlussfolgerungen gezogen.

Auch witzig: Im Zentrum der Kulisse steht ein Plumpsklo-Häuschen mit Zeitung als Toilettenpapier. Immer wieder verschwindet jemand darin. Der Running Gag: Andere mit einem dringenden Bedürfnis schauen durch das Herzchen in der Tür und ernten entsprechende Reaktionen. Auf dem stillen Örtchen gelangt einem so manches Geheimnis zu Ohren. Vor allem Klementine (Elfriede Lang), die nebenan wohnt, nutzt das hölzerne Kabäuschen, um ihre Mitmenschen zu belauschen und dann das Gehörte im Dorf umherzutratschen. Als Klementine mitbekommt, dass Paul Briefe gefunden hat, wonach er eine Halbschwester haben soll, ist sie überzeugt, dass sie diese Person ist. Denn schließlich hätten sich ihre Mutter und Pauls Vater „sehr gut gekannt“. Mit demselben Argument sind auch die anderen Nachbarinnen Gerda und Sophia (Kerstin Dietz) überzeugt, die unbekannte Halbschwester zu sein. Ein Gentest soll am Ende Klarheit bringen.

Virtueller Laufsteg auf dem Hof

Unabhängig von dem Resultat der Analyse wird das Trio später als Jury bei der Modenschau verpflichtet. Dabei stecken die Damen einheitlich in gepunkteten Pettycoats mit passenden rot-weißen Oberteilen und putzigen Federbüscheln im Haar. Moderator Otto (Yannik Dietz) lässt drei Grazien in verschiedenem Outfit über den virtuellen Laufsteg im Hof marschieren. Mit „eleganter“ Gestik führen sie die „Mode“ vor. Pauline (alias Paul) stapft in Gummistiefeln und mit Mistgabel als Modell „Landfrau“ über die Bühne. Ein breitkrempiger Hut und ein ungebügeltes Hemd umschmeicheln Franziskas (alias Franz) Rundungen. In einem Kostüm steckt Brunhilde (alias Bruno), die aus ihrer Handtasche überdimensionierte Utensilien hervorkramt wie etwa eine Riesennagelfeile. Die Jurorinnen sind sich bei der Bewertung nie einig, aber das Ergebnis ist für alle Models gleich.

Die noch offenen Fragen, etwa ob der Bauer wieder aus seiner Finanzkrise herauskommt oder wer Pauls Halbschwester ist, werden ganz am Schluss geklärt. Doch die Antworten sollen hier nicht verraten werden, damit noch etwas Spannung für die Zuschauer der folgenden, sämtlich ausverkauften Vorstellungen bleibt.

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