Grünstadt „Unsere Musik ist auch Therapie“
«Neustadt». „Swing und Groove sind keine musikalischen Errungenschaften der Gegenwart, die sind bei uns schon immer da gewesen“, sagt Ernst Hutter über die Musik der Egerländer Musikanten, deren Leitung er 1999 nach dem Tod des Gründers Ernst Mosch übernahm. Und zum Beweis packt er am Ende des Interviews, das Andrea Dölle mit ihm in einem Café in Waldsee führte, seine mitgebrachte Marching Bone, eine Variante der Posaune, aus und gibt zum Vergnügen der Zufallsgäste ein kleines, sehr virtuoses Ständchen. Das Orchester ist morgen im Saalbau zu erleben.
Es ist einfach sehr gute Blasmusik mit Kollegen, die zu den Besten ihres Fachs zählen. Ich mag alle Stilrichtungen der Blasmusik, aber bei den Egerländern, da steckt eben mein Herzblut drin. Diese Musik kenne und liebe ich seit meiner Kindheit. Und meine Arbeit mit den Egerländern lässt mir mittlerweile ja auch nicht mehr viel Zeit für andere Ensembles. Derzeit spiele ich daneben nur noch bei der SWR-Bigband als Posaunist. Wie sind Sie zur Egerländer-Blasmusik gekommen? Mein Vater war ein sehr guter und ambitionierter Hobbyblasmusiker im Allgäu, wo ich aufgewachsen bin. So habe ich schon als ganz kleines Kind diese Musik gehört. Später studierte ich an der Musikhochschule in Stuttgart, Schwerpunkt Posaune. Da kam ich dann mit Erwin Lehn in Berührung, der damals nicht nur das Südfunk-Tanzorchester leitete, sondern auch die Bigband der Musikhochschule. Außerdem war er Honorarprofessor an der Hochschule. Können Sie sich meine Begeisterung als junger Mensch vorstellen, mit all den legendären Größen der Blasmusik zusammen spielen zu können, die ich bisher nur von Radio und Schallplatte kannte? Und über Erwin Lehn, den ich als meinen Mentor bezeichnen würde, kam ich auch zu Ernst Mosch, dem Gründer und damaligen Leiter der Egerländer Musikanten. Vom Swing zu den Egerländern, ist das nicht ein ziemlich großer Schritt? Gar nicht. Die Musik der Egerländer swingt. Was vielleicht nicht so bekannt ist: Ernst Mosch war selbst ein ausgezeichneter Musiker des Swing. Infolge der Vertreibung der Sudetendeutschen nach dem Zweiten Weltkrieg floh er 1945 in den Westen und verdiente dort sein Geld mit Jazzmusik in den amerikanischen Clubs. Über verschiedene Zwischenstationen kam er 1951 als Soloposaunist zu Erwin Lehn, und 1956 gründete er dann die Egerländer Musikanten. Aber was genau macht denn nun die Egerländer Blasmusik aus? Eigentlich ist das Tanzmusik. Schon im 19. Jahrhundert spielten kleine Bläser-Ensembles in den Gastwirtschaften des Egerlands an den Samstagabenden zum Tanz auf. Die Art der Musik hat sich im Prinzip nicht geändert, es sind immer noch zum größten Teil Polka und Walzer. Das Verdienst Ernst Moschs ist es vor allem, dass er diese Musik mit großer Professionalität für ein großes Orchester arrangiert, weiter entwickelt und in die Konzerthäuser gebracht hat. Im Augenblick erfährt der Begriff „Heimat“ eine neue Konjunktur. Was verbindet Ihre Musik mit diesem Begriff? Ich würde sagen: Wir vermitteln mit unserer Musik ein heimeliges Gefühl. Das hat gar nicht unmittelbar mit der geografischen Herkunft zu tun. Ich habe von oben ja einen guten Überblick über die Zuhörer. Es ist schön, zu sehen, wie spätestens nach dem zweiten Stück die Leute mitgehen, anfangen, sich im Takt zu bewegen, sich in der Musik zu Hause zu fühlen. Am allerschönsten ist es für mich, wenn ältere Paare sich bei der Hand nehmen und anstrahlen. Das sehe ich öfter. Ich glaube, dass wir mit unserer Musik sogar ein bisschen Therapeut sein dürfen. Und natürlich strahlt diese Wirkung auch wieder auf uns als Musiker zurück und inspiriert uns beim Spielen. Nun direkt zu den Egerländer Musikanten. Wer sind sie? Auf der Bühne sind 19 Blasmusiker. Ich selber spiele das Tenorhorn. Wir können aber auf einen Pool von mehr als 30 hochprofessionellen und bekannten Musikanten zurückgreifen, so dass keine Probleme entstehen, wenn mal jemand ausfällt. Wie machen Sie das mit den Proben? Zweimal im Jahr treffen wir uns zu ausgiebigen Proben, außerdem, wenn etwas Besonderes ansteht. Außerdem, wie gesagt, das sind alles Vollprofis, die schon lange miteinander spielen. Auch die Tourneen sind gut genutzte Gelegenheiten, sich immer weiter zu perfektionieren. Wir spielen übrigens auch unsere Tonträger-Aufnahmen wie Live-Auftritte ein. Das traut sich nicht jeder. Seit 2003 leiten Sie allein die Egerländer Musikanten, nachdem Sie sich vorher vier Jahre lang die Verantwortung mit Toni Scholl geteilt hatten. Was hat sich bei Ihnen geändert? Ich stehe nun als Instrumentalist und Leiter vor dem Orchester, komponiere und arrangiere auch selbst. Die Solisten-Auftritte mit eigenen Kompositionen sind sicher mittlerweile eine Art Markenzeichen geworden. Und was erwartet die Zuhörer konkret beim Konzert am Freitag? Viel Bewährtes, viele Evergreens, die unsere Zuhörer lieben, aber dazu auch einiges, das neu ist. Ich bin sehr gespannt auf die Reaktionen. Termin „Ernst Hutter & Die Egerländer Musikanten – Das Original“ gastieren am Freitag, 13. April, um 20 Uhr auf ihrer „Das Feuer brennt weiter“-Tournee im Neustadter Saalbau. Karten (43-52 Euro) an allen bekannten Vorverkaufsstellen, unter 01806-700733 und www.reservix.de.