Grünstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Unsere Heimat von oben: „Kääschem an de Eck“?!

Führung der Bahngleise, Kirche, Rathaus oder Weingut: Kirchheim hat einige Ansatzpunkte für die Lösung des Luftbildrätsels. Die
Führung der Bahngleise, Kirche, Rathaus oder Weingut: Kirchheim hat einige Ansatzpunkte für die Lösung des Luftbildrätsels. Die Glücksfee hat die aus Kichheim stammende und in Ludwigshafen lebende Margot Sliwka als Gewinnerin der Dubbe-Kaffeetasse gezogen. Archiv-Luftbild: Dell

Neuer Teilnehmerrekord in der fünften Folge des Luftbildrätsels: Insgesamt 139 Leser haben das Dorf erkannt und uns eine E-Mail geschickt: Es war Kirchheim. Bei der Lösung haben wir’s diesmal nicht allzu eng gesehen – und das aus gutem Grund.

So haben wir – obwohl es in Deutschland insgesamt 13 Kirchheims gibt – „Kirchheim“ ohne den Zusatz „an der Weinstraße“ als richtige Lösung gewertet. Ist doch klar, dass ein echter Pfälzer mit „Kääschem“ weder das baden-württembergische Kirchheim unter Teck noch das bayrische Kirchheim/Tittmoning bezeichnet. Oder gar Kirchheim im Innkreis in Oberösterreich oder das früher Kirchheim heißende Haigslea in Australien.

Im Pfälzer Dialekt des Alltags käme da eher noch „Kääschem“ für Kirchheimbolanden in Betracht – aber mit der Kreisstadt des Donnersbergkreises ist das Weindorf im Leiningerland nun wirklich nicht zu verwechseln. Für die Jury ebenfalls richtige Lösung: „Kääschem an de Eck“. Auch wenn das Dorf seit dem Jahr 1952 ganz offiziell „Kirchheim an der Weinstraße“ heißt – dem kurze und knappe Bezeichnungen bevorzugenden Pfälzer kommt „an de Eck“ nun mal wesentlich leichter über die Lippen als „an de Woistrooß“.

Übrigens: Die frühere Bezeichnung „an der Eck“ resultiert nicht, wie ich als junger Spund immer dachte, aus der 90-Grad-Kurve kurz nach dem Ortseingang, sondern aus dem gleichnamigen Bach, der von West nach Ost durch das Dorf fließt. Vor fast 70 Jahren jedoch entschieden sich die Kirchheimer für den Zusatz „an der Weinstraße“ – damit sollten nicht nur Verwechslungen von Kirchheim/Eck mit Kirchheim/Teck vermieden, sondern auch werbewirksam auf die über 1200 Jahre lange Weinbautradition des Ortes hingewiesen werden.

So ist es auch kein Wunder, dass einige RHEINPFALZ-Leser als Kunden von Winzern das Dorf erkannt haben. Das allein ist sicher nicht der Grund für den neuen Teilnehmerrekord: Mit 40 richtigen Einsendungen mehr hat Kirchheim nämlich den bisherigen Spitzenreiter Nackterhof abgelöst. Eine der Rekord-Ursachen ist sicher auch, dass Kirchheim mit seinen knapp 2000 Einwohnern die sechstgrößte Ortsgemeinde in der Verbandsgemeinde Leiningerland ist. Und mit dem Kirchturm und dem Schulgebäude mindestens zwei ins Auge fallende Erkennungsmerkmale besitzt.

Für unsere Leser jedenfalls waren das die beiden meistgenannten Orientierungspunkte: die aus der Spätgotik stammende protestantische Sankt-Andreas-Kirche und das 1903 gebaute Schulhaus. Dieses wurde als späthistoristischer Putzbau übrigens nach Plänen des Mannheimer Architekten Albert Friedrich Speer errichtet, dem Vater des gleichnamigen NS-Ministers und Rüstungsorganisator Adolf Hitlers.

Wenn heute die Rede von Kirchheim ist, fällt immer wieder der Name des Modedesigners Harald Glööckler, der sich im Juli 2015 in Kirchheim angesiedelt hat. Unsere Leser bringen mit Kirchheim – ob an der Eck oder Weinstraße – aber auch ganz anderes in Verbindung. Sei es der Minigolfplatz, vor über 40 Jahren einer der ersten weit und breit, die alte Malzfabrik, die „Schwarzerde“ und, und, und ...

Erinnerungen und Liebeserklärungen

In vielen der 139 E-Mails mit ausnahmslos richtigem Lösungswort Kirchheim (an der Weinstraße oder an der Eck) haben RHEINPFALZ-Leser ihre persönliche Beziehung zum Weindorf geschildert. Und wen wundert’s: Auch dieses Fleckchen Erde haben viele Pfälzer in ihr Herz geschlossen. Es folgt: eine Auswahl von Erinnerungen und Liebeserklärungen.

Die Ferkel von Frau Spieß und das Eis von Herrn Werle

In Dackenheim geboren und aufgewachsen, wurde Kirchheim an der Eck, wie es früher hieß, meist zu Einkäufen besucht. Es musste eine Grenze überschritten werden, denn Kirchheim gehörte bis 1969 zum Kreis Frankenthal (FT). Zum Beispiel holten wir mit dem Traktor und der Rolle Kohlen oder Briketts direkt hinterm Bahnübergang links. Vielleicht stammt der Name „schwarzer Platz“ von da her? Weitere Besorgungen wurden in der Mühle gemacht und sehr oft haben wir lebende Ferkel in Kirchheim bei Frau Spieß gekauft. Ihre Tiere lagen ihr so am Herzen, dass sie jedem Ferkelchen einen Namen gab, worauf die Tiere auch hörten. Immer ein tolles Erlebnis für mich. Mit Familie Spieß hatten wir eigentlich das ganze Jahr Kontakt, da unsere Wingerte in der „Schwarzerde“ nebeneinander lagen. Eine besondere Person aus Kirchheim war natürlich Herr Werle – seine Gaststätte mit Eisherstellung stand direkt neben dem „schwarzen Platz“ in der Kleinkarlbacher Straße. Er kam mit seinem Eis-Auto nach Dackenheim, wo wir Kinder sein selbstgemachtes Eis kauften. Eine Kugel zu 10 Pfennig, zwei Kugeln in der Doppelwaffel zu 20 Pfennig. Einen zehnjährigen intensiven Kontakt hatte ich als Leiter vom Frauenchor des Gesangvereins. Da war ich mindestens einmal in der Woche in Kirchheim. Eine sehr schöne Zeit!

Karl-Heinz Täffner, Quirnheim

Meinen Heimatort habe ich an der Malzfabrik erkannt; an dieser habe ich als Kind, mit Freunden, immer stundenlang die großen Traktoren bewundert, die das Korn angeliefert haben. Die zwei weiteren Sehenswürdigkeiten waren der Kirchturm und die Grundschule, die man auf den ersten Blick erkennen konnte.

Siegfried Becker, Neuleiningen

Das schöne Fleckchen Erde, das in der heutigen Ausgabe gezeigt wird, ist mein geliebtes Kirchheim. Vielen Dank für die super Idee, die Heimat von oben abzulichten!

Maria Schardt

Wegen des Kirchturms im Dorf übernachtet

Der Kirchturm, der vor allem abends so schön beleuchtet ist, ist sogar von der Autobahn aus gut zu sehen. So kam es, dass Feriengäste einmal spät abends bei uns klingelten und nach Übernachtungsmöglichkeiten fragten. Im Gespräch kam dann raus, dass sie den Kirchturm von der Autobahn aus sahen und diesen so schön fanden, dass sie beschlossen, hier zu übernachten.

Michaela Spieß

Auf dem Luftbild ist Kirchheim an der Weinstraße zu sehen. Neben dem Weinbau auch die Heimat von Harald Glööckler. Sabrina Rau, Hettenleidelheim

Das war heute ganz leicht für mich: Kirchheim. Hier bin ich aufgewachsen und in die Grundschule gegangen. Genau an der Grundschule und an der früheren Malzfabrik, in der ich mit Freunden oft gespielt habe, habe ich MEIN Dorf erkannt. Und natürlich an der St.-Andreas-Kirche.

Margot Sliwka, Ludwigshafen

Ein anrüchiges Gedicht

Zu Kirchheim fiel mir auf Anhieb nur das leicht anrüchige Nonsens-Sprüchlein ein:

In Kerchem an de Eck,

do wohnt de Becker Beck.

Der streckt de A.... zum Fenschder raus un saacht: „‘s gebt heit kää Weck.“

Vielleicht auch: „Ich hann kää Deck.“

Oder auch: „Is das e Schreck!“

Gerhard Albert, Göllheim

Ich bin zwar keine Einheimische, aber unsere Wahlheimat Kirchheim ist sooo schööön, dass ich es sofort erkannt habe. Andrea Gassner-Wild

Es handelt sich um Kirchheim an der Weinstraße. Viele „Alte“ sagen auch noch „Kirchheim an der Eck“. Warum weiß ich jedoch nicht. Ich habe immer darauf bestanden , dass es „an der Weinstraße“ und nicht „an der Eck“ heißt. Ich habe es sofort am Kirchturm erkannt. Ich bin eine echte „Kerchemern“. Ich bin in Kirchheim geboren (Hausgeburt) und habe dort bis zu meinem 25. Lebensjahr gewohnt. Es ist und bleibt meine Heimat, obwohl ich mittlerweile 51 Jahre alt bin und in Hettenleidelheim lebe. Ich wäre gern wieder nach Kirchheim zurück, jedoch haben wir neu gebaut und das war in Kirchheim wegen der hohen Grundstückspreise für uns nicht möglich. Mein Traum bleibt aber immer Kirchheim, warum kann ich gar nicht sagen. Vielleicht komme ich doch einmal wieder zurück.

Martina Kalkbrenner, Hettenleidelheim

Die Auflösung ist natürlich Kirchheim an der Weinstraße (formerly known as Kerchem an de Eck), mein Heimatdorf, aus dem ich vor fast 35 Jahren ausgezogen bin. Dennoch bin ich im Herzen Kirchheimer geblieben und ich genieße fast täglich den Blick auf den Ort und den Kirchturm der Andreaskirche, wenn ich auf der A6 von Wattenheim kommend zur Arbeit nach Mannheim fahre.

Martin Steinmetz, Wattenheim

Die schönen Faschingsbälle

Was uns verbindet: die schönen Faschingsbälle Anfang der 70er Jahre und die Minigolfanlage.

Rita & Heinz-Ludwig Bender, Grünstadt-Sausenheim

Gut zu sehen ist der außergewöhnliche Kirchturm unserer protestantischen St. Andreas-Kirche. In unserer Kirche befinden sich einer der ältesten Altare – circa 1500 erbaut – der Pfalz und die im Jahre 1750 erbaute Orgel. Hier kann man nicht nur den Gottesdienst besuchen, die Kirche ist wegen der wunderbaren Akustik auch ein beliebter Austragungsort des über die Grenzen hinaus geschätzten, jährlich stattfinden Konzertwinters. Das Abschlusskonzert des „Kirchheimer Liedersommer – ganzheitlicher Meisterkurs“ findet ebenso in dem Gotteshaus statt. Das überwiegend spät-gotische Bauwerk wird nicht nur mit Klassik erfüllt, sondern auch einmal jährlich mit traditionellen Gospels und Popsongs. Eine Augenweide ist das „Alte Schulhaus“ aus dem Jahre 1903/04. Es steht direkt neben dem Friedrich-Diffine-Haus mit Rat- und Dorfgemeinschaftshaus. Die Weinstraße Nord mit den barocken Fassaden der Weingüter und Wohnhäuser wird wegen der lang ersehnten Umgehung nun endlich wieder ihren Charme erlangen. Wir lieben unseren Wohnort mit liebreizender Umgebung auch wegen der Nähe zur Haardt, dem wunderbaren Ausblick auf Ort und Burg Neuleiningen, den Radwanderwegen und, und, und – ach, wie könnt ich weiter schwärmen! Ein Besuch, auch mit Bus oder Bahn, ist Kirchheim an der Weinstraße auf jeden Fall wert! Danke für die tolle Aufnahme.

Gudrun Stett

„Mich knutscht kein Elch, ich krieg' kein Schreck, das ist doch Kirchheim an der Eck.“

Werner Doerr, Grünstadt

Wahrzeichen am Regenbogen: Sankt Andreas Kirche.
Wahrzeichen am Regenbogen: Sankt Andreas Kirche. Foto: privat
x