Neuleiningen
Stillstand im der Gemeinde
„Im Ort steht alles still“, sagt Ortsbürgermeister Franz Adam (CDU). So seien beispielsweise die Fenster in der Wohnung im Rathaus noch immer nicht ausgetauscht worden. „Der Auftrag ist schon lange vergeben. Eigentlich sollten die Arbeiten im Herbst laufen. Sie wurden aber verschoben und jetzt kommen die Handwerker nicht, weil sie zu zweit agieren müssten und das wegen Corona nicht geht“, erläutert er. Die Pandemie sei auch der Grund, weshalb sich kein Planer die drei zu sanierenden Spielplätze anschaue. Wegen der vielen Vorschriften könne nicht auf einen Fachmann verzichtet werden.
Nun möchte der Ortschef die Verbandsgemeinde Leiningerland bitten, jemanden aus der Bauabteilung vorbeizuschicken oder ein Planungsbüro zu beauftragen. Die drei Vorhaben dürften in der Summe mit mindestens 150.000 Euro zu Buche schlagen, meint der 72-Jährige. Die Instandsetzung des Areals an der Friedrich-Ebert-Straße wäre mit der Anlage von sieben neuen Parkplätzen verbunden – Neuleiningen bräuchte dringend weitere Pkw-Stellflächen. Für das Vorhaben und ebenso beim Spielplatz an der Burg hofft Adam auf Zuschüsse aus dem Dorferneuerungsprogramm, beim Platz In den Schelmenäckern auf eine Zuwendung aus dem Investitionsstock des Landes oder aus einem anderen Fördertopf.
Weniger Geld zur Verfügung
Der Ortsgemeinde stehen infolge der Coronakrise noch weniger finanzielle Mittel zur Verfügung als in der Vergangenheit. Statt mit einem Überschuss schließt der Ergebnisetat im Nachtragshaushalt 2020 mit einem deutlichen Fehlbetrag von knapp 110.000 Euro ab, vor allem, weil die Einkommensteuereinnahmen weggebrochen sind. Der Schuldenberg ist auf 1,18 Millionen Euro angewachsen. „Ich weiß aktuell nicht, woher ich das Geld für anstehende Projekte nehmen soll“, sagt Adam, den persönlich auch die zweite Schließung seines Restaurants Burgschänke mit rund einem Dutzend Mitarbeitern drückt. Da er den Betrieb erst seit 2019 leitet, habe er während des ersten Shutdowns keinen günstigen KfW-Kredit erhalten und musste bei einer anderen Bank ein Darlehen aufnehmen. „Das hatte ich gerade getilgt, als im November erneut alles zugemacht wurde. Von den staatlichen Hilfen ist bislang nur ein kleiner Abschlag überwiesen worden“, erzählt er.
Treppenaufgänge sind zu sanieren
Mindestens 60.000 Euro benötigt die Ortsgemeinde, um den Bauhof mit einem neuen Dach inklusive Unterbau und Dämmung zu versehen. „Die Balken sind marode, es fehlen Schindeln und es regnet rein“, erklärt er. Mit etwa 10.000 Euro hat Adam den Austausch der einfach verglasten Fenster im Rathaus veranschlagt. Nach Vorgaben des Denkmalschutzes müssen sie Sprossen haben und Rahmen aus Holz. Die energetische Sanierung sei in öffentlichen Gebäuden verpflichtend, so Adam. Auch in Angriff genommen werden müsste die Instandsetzung verschiedener Treppenaufgänge und einiger Straßen in dem mittelalterlichen Dorf. Auf die Modernisierung der Alten Schule wird, wie kürzlich berichtet, aus Kostengründen verzichtet.
In dieser Situation fügt es sich gut, dass sich eine Lösung für die Erneuerung des seit Ende Oktober 2015 gesperrten Übergangs über den Eckbach in Neuleiningen-Tal abzeichnet. Zunächst waren die Kosten auf 231.000 Euro geschätzt worden, später wurden günstigere Varianten angedacht. Nach einer Bodenuntersuchung, die allein schon 8000 Euro kostete, sollte die Sanierung der auch von Rettungsfahrzeugen genutzten Brücke sogar 240.000 Euro verschlingen. Inzwischen wollen die Verbandsgemeindewerke dort Wasserleitungen legen und der Landesbetrieb Mobilität benötigt das Bauwerk für eine Umleitung während des Ausbaus der einzigen Zufahrtsstraße nach Battenberg. Insofern erwartet Adam eine Kostenbeteiligung von zwei Seiten.
Brücke wird abgerissen
„Geklärt ist auch, was mit der maroden Eisenbahnbrücke in Sausenheim bei der Wellpappenfabrik passiert“, erzählt der Ortsbürgermeister. Die Genehmigung der Unteren Naturschutzbehörde, sie abzureißen und den Übergang zu verfüllen, sei erteilt worden. Kosten werde es die Ortsgemeinde nichts. Derzeit wird an der Stelle gerodet, weil das nur bis 1. März möglich ist.
Quasi gratis zu bekommen war auch die Umgestaltung des Platzes am Ehrenmal vor der Stadtmauer, wie Franz Adam erfreut auf ein Projekt zurückblickt, das trotz Corona umgesetzt werden konnte – mit 20.000 Euro aus dem Leader-Programm, zahlreichen Sachspenden und ehrenamtlichen Helfern. Sehr dankbar ist Adam dem Gemeindearbeiter Gerhard Frommherz, der nach fast 32 Jahren in den Ruhestand ging. An seine Stelle ist zum 1. Dezember Timo Stumpf aus Hettenleidelheim getreten.