Grünstadt Stilles Gedenken

„Die Dunkelheit darf nicht das letzte Wort haben.“
»Die Dunkelheit darf nicht das letzte Wort haben.«

„Gott, ich bin verstummt und still“ – mit diesen Worten hat der protestantische Pfarrer Christopher Markutzik gestern Abend in der voll besetzten Andreaskirche ausgedrückt, was viele Menschen nach den schlimmen Ereignissen in Kirchheim denken. „Mir fehlen die Worte“ – das war an diesem Abend vor der Andacht oft zu hören, viele Menschen umarmten sich, einige weinten. Eine Mutter und ihr Sohn wurden am Freitag aus dem Leben gerissen, Polizisten im Dienst verletzt. Markutzik erinnerte an die Verstorbenen. Die Mutter sei durch ihre Arbeit im Kindergarten vielen Menschen bekannt gewesen. „Hier im Ort gehörte Christel dazu.“ Auch ihr Sohn Tim war bekannt. „Manche wussten von den dunklen Schatten, die sich über sein Leben gelegt hatten“, sagte der Pfarrer. „Wir müssen aushalten, dass Christel gestorben ist. Und auch, dass Tim aus dem Leben ging als Opfer seiner Krankheit, die ihn zum Täter werden ließ. Wir müssen erleben, dass Polizeibeamte schwer verletzt werden. Es gibt keine Worte, die die Weite dieser Tragödie umfassen können.“ Der Sohn hat den Ermittlungen zufolge seine Mutter getötet und anschließend die alarmierten Polizisten angegriffen und verletzt. Daraufhin wurde er von den Beamten erschossen. Jetzt, nach dem Tod der beiden, machten sich viele Menschen Gedanken, sagte Markutzik: „Hätte ich etwas tun können? Hätte es mir auffallen müssen?“ Jeder Satz, der gesprochen wurde, jede Begegnung, jedes Erlebnis gewinne eine ungeheure Bedeutung. Markutzik und die katholische Pastoralassistentin Dominique Haas beteten auch für den Ehemann und Vater der Getöteten. Sie erinnerten an die Polizisten und die Einsatzkräfte der Rettungsdienste und der Krisenintervention, die am Freitag in Kirchheim im Einsatz waren: „Gott, hilf ihnen, das Erlebte zu verarbeiten.“ Die Dunkelheit, sagte Markutzik, dürfe nicht das letzte Wort haben. Deswegen sei es wichtig, einander zu stützen und den quälenden Fragen nach dem „Warum?“ Raum zu geben. Die Blumen, Kerzen und Briefe, die vor dem Haus in der Weinstraße-Nord abgelegt wurden, seien ein Ausdruck der Trauer und der Versuch, den eigenen Gefühlen eine Form zu verleihen. Markutzik und Haas luden die Trauernden ein, ihre Gedanken aufzuschreiben und die Zettel vor das Kreuz zu bringen. Zu jedem Papier wurde eine Kerze gestellt. Auch Vertreter von Polizei, Politik und Krisenintervention legten Zettel ab. SÜDWESTDEUTSCHE ZEITUNG

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