Grünstadt
Stammbaum der Familie Tisch beginnt vor rund 400 Jahren
Hans Tisch hat das Glück einen Stammbaum zu haben, der bis zum Anfang des 17. Jahrhunderts zurückreicht. Und siehe da, in der weit verzweigten Verwandtschaft des Grünstadter Beigeordneten finden sich gleich mehrere Männer, die den Vornamen Theodor tragen. Und bei Karl Konrad Theodor Tisch, 1826 in Kleinkarlbach geboren und 1889 in Grünstadt gestorben, findet sich der Vermerk „Gründer des Kaufhauses“. 1862 startete er den Betrieb am Schillerplatz mit Spezerei- und Kurzwaren, der im Laufe der Jahre zum Kaufhaus ausgebaut und bis 1937 von den Tischs geführt wurde.
Doch es verwundert nicht, dass Hans Tisch, Landwirt wie Vater und Großvater, die Verwandtschaft mit dem Kaufhaus-Gründer nicht bewusst war. Im Stammbaum sind nur drei gemeinsame Generationen aufgelistet, dann verzweigt es sich schon: Mit Niclas Tisch, der 1629 in Kleinkarlbach gestorben ist, beginnt die Liste der Ahnenreihe. Dessen Enkel Christian (1640 – 1716) hat dann sieben Kinder: Joh. Adam (1670 geboren, Sterbejahr unbekannt), Vorfahre von Hans Tisch, kommt im 18. Jahrhundert nach Grünstadt, nachdem er zuvor in Kirchheim gewohnt hatte. Der vom jüngeren Bruder Joh. Jakob (1682 – 1756) ausgehenden Linie entstammt der Kaufhaus-Gründer Karl Konrad Theodor Tisch. Er ist der Sohn von Konrad Tisch (1802 – 1860), der Wirt und Bürgermeister von Kleinkarlbach war.
Es gab drei Männer namens Theodor Tisch
Und das Studium der Ahnentafel bringt noch mehr Erkenntnisse, zeigt auf, dass es seit der Gründung des Kaufhauses drei Tischs gab, die den Vornamen Theodor trugen und alle Inhaber des Kaufhauses waren. Carl Theodor (1868 – 1933), Sohn des Gründers, war nicht nur Kaufmann, sondern von 1910 bis 1928 auch Mitglied des Stadtrates, während des Ersten Weltkriegs Adjunkt (Beigeordneter) und 1920 ehrenamtlicher Bürgermeister der Stadt. Dessen Sohn, 1896 geboren, führte das Kaufhaus bis 1937.
Wann der Enkel des Kaufhaus-Gründers verstorben ist, darüber gibt der Stammbaum keine Auskunft. Er listet die Daten nur bis zum Jahr 1935 auf. Erstellt wurde das Werk, das auf Kirchenbüchern und Einträgen von Standesämtern fußt, von Hans Feßmeyer (1886 – 1956), Heimatforscher, Lehrer am Grünstadter Progymnasium und mit einer Enkelin des Kaufhaus-Gründers verheiratet. Feßmeyer wurde in Kaiserslautern geboren, kam mit den Eltern nach Grünstadt, nachdem sein Vater Johannes hier eine Stelle als Steuereinnehmer angetreten hatte. Das Städtchen an der Unterhaardt und die Gegend wurden Hans Feßmeyer zur Heimat: Rund 100 Publikationen zur Geschichte der Region hat er veröffentlicht.
1960 siedelte der Vater aus
Nicht nur die Verwandtschaft mit dem Kaufhaus-Gründer entdeckte Hans Tisch beim Studium des Stammbaums, sondern er stellte auch fest, dass der Wirt Karl Christoph Tisch (1868 – 1930) zur Familie gehörte, ein Cousin seines Großvaters war: Als Inhaber des Gasthauses „Zum goldenen Engel“ hatte Tisch im Juni 1898 seinen Saalbau am neuen Marktplatz eröffnet. Drei Jahre später wurden Platz und Saal nach dem Prinzregenten Luitpold benannt. Und noch eine interessante Information aus seiner Familiengeschichte hat Hans Tisch: Bevor sein Vater 1960 mit dem Hof in die Schlachthofstraße aussiedelte, hatte der Betrieb seinen Standort in der Bannherberge „Zum Pflug“ in der Poststraße, wo sich heute das Servicecenter der Stadtwerke befindet. Das Anwesen, vermutlich zwei Jahrhunderte im Besitz der Familie, galt als ältestes Haus der Stadt und war schon 1573 im ersten Beedbuch erwähnt. 400 Jahre später wurde es abgerissen, musste 1973 Platz machen für einen Straßendurchbruch.