Carlsberg RHEINPFALZ Plus Artikel Spannende musikalische Lesung mit McColgan-Romanen

Alexander Maier von den Burgspielen Alteiningen liest aus dem ersten Kriminalroman von Edda McColgan (rechts) im Weingut Kohl-Sp
Alexander Maier von den Burgspielen Alteiningen liest aus dem ersten Kriminalroman von Edda McColgan (rechts) im Weingut Kohl-Spieß in Kirchheim.

Einen ebenso spannenden wie lustigen Krimi-Abend haben rund 70 Besucher des Weingutes Kohl-Spieß am Sonntag in Kirchheim erlebt. Die in Carlsberg wohnende Tierärztin Edda McColgan stellte erstmals Passagen aus ihren Werken „Sängerherzen“ und „Im schwarzen Wald“ vor. Dazu gab es passende Musik.

„Merkwürdig, wo waren sie denn? Sie pfiff ihren langgezogenen Dreiklanghundepfiff, den die Tiere gut kannten, aber nichts passierte“, liest Alexander Maier von den Altleininger Burgspielern, den die Autorin für die Lesung aus ihrem Debütroman verpflichtet hat. Zu Beginn ist Protagonistin Fiona Donelly mit ihrem Großpudel Toni und ihrem Barsoi Trulla im Wald. Doch plötzlich sind die Vierbeiner verschwunden. Auf der Suche nach ihnen stolpert Fiona einen Abhang hinunter und entdeckt ein Einmachglas, das an einem Stück Draht am Baum hängt. Darin befinden sich Kieselsteine und ein Herz.

Die Zuhörer hängen an Maiers Lippen. Der spannenden Geschichte, die in ebenso flüssigem wie humorvollem Stil verfasst ist, folgt man gern und mühelos. Zu erfahren ist, dass die Hundehalterin ihren Fund daheim im Gefrierschrank versteckt und dann zur Chorprobe fährt. Dort schimpft Bodo, der Leiter der Singgemeinschaft: „Ihr müsst mehr Verantwortung übernehmen! Ich kann nicht immer hier vorn die Lokomotive für euch machen.“ Das kommt Volker Gütermann bekannt vor. Der Tenor aus Altleiningen, der mit Mitgliedern aus dem Oldie-Chor der Musikschule Leiningerland in Grünstadt und dem Gospel-Chor Coloured Voices aus Dannstadt-Schauernheim – darunter auch McColgan – die Lesung in Kirchheim musikalisch umrahmt, nickt betont kräftig. Seine Sänger lachen.

Mit der Nagelpistole erschossen

Doch schon bald stockt allen der Atem, denn Fiona hat eine Leiche gefunden. Altstimme Petra liegt mausetot auf der Toilette. Wie sich bald herausstellt, stecken vier Metallstifte in ihrem Herzen. Sie ist von hinten mit einer Nagelpistole erschossen worden. „Auf was für Ideen manche Leute kommen“, flüstert eine Besucherin kopfschüttelnd. Passend zu diesen Zeilen trägt Gütermanns Chor ein Lied vor, welches das Publikum zum Schmunzeln bringt. Das Stück stammt aus der 1936 uraufgeführten Oper „Schwarzer Peter“ und wurde vor allem durch Rudolf Schock 1955 bekannt: „Ach, ich hab in meinem Herzen da drinnen einen wundersamen Schmerz.“ Es folgt „Mackie Messer“ aus Brechts „Dreigroschenoper“. Im Roman berichtet dann Kommissar Baumann davon, dass Manuela, eine weitere Altstimme aus Bodos Chor, erschossen wurde: „In ihrem Gehirn stecken drei lange Nägel, anscheinend durch das linke Ohr eingedrungen.“ Gesanglich „kommentiert“ wird die zweite Tote mit dem „Kriminal Tango“ von Gus Backus und dem Schlager „Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett“.

Gelungene Kombination aus Lesung und Musik

Den Zuschauern gefällt die Veranstaltung, gerade auch die Kombination aus Lesung und Musik. McColgans Tochter Stella nimmt sie nun mit in das Drama, das die schwangere Susanna „Im schwarzen Wald“ erlebt: „Sebastians Augen, die tiefen dunklen Bergseen, waren schreckgeweitet. Mit einem kleinen, harten Stupser stieß er sie von sich fort, so als ob ihre Schultern glühende Kohlen wären, an denen er sich just in dem Moment die Finger verbrannt hatte. ,Was hast du getan?’.“ Susanna versteht die Welt nicht mehr, es ist doch sein Kind, was sie unter ihrem Herzen trägt.

In ihrem Zweitwerk schickt die Autorin Fiona in eine Situation, die sie selbst tatsächlich in einem Urlaub am Feldberg erlebt hat: Bei einer morgendlichen Wanderung überkam sie ein mulmiges Gefühl, das sich zu Angst und schließlich Panik steigerte, die rational nicht zu erklären war. Sehr gut und absolut nachvollziehbar beschreibt sie das in ihrem Roman. Dazu gibt es das englische Volkslied „Scarborough Fair“, das wohl aus dem 16. oder 17. Jahrhundert stammt und 1966 in der Version von Simon & Garfunkel ein Welthit wurde, und vor der Zugabe den möglichen Täter aus dem ersten Krimi „Sängerherzen“. Gütermann gesteht nämlich: „Ich hab daheim noch eine Nagelpistole.“ Edda McColgan, die sich zufrieden mit der Resonanz zeigt, kündigt die nächste musikalische Lesung an: am Sonntag, 10. Oktober, 17 Uhr, im Sängerheim in Carlsberg.

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