Grünstadt Spät geladen

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Heute ist der große Tag: Die Kirchheimer Ortsumgehung wird um 15 Uhr eingeweiht. Vertreter aus der großen und der kleinen Politik, von Bund, Land, Kreis, Verbandsgemeinde und den umliegenden Ortsgemeinden sind zu der Feier eingeladen. Sogar Mitarbeiter vom Deutschen Wetterdienst und vom ADAC Pfalz haben es auf die 122 Leute umfassende Einladungsliste geschafft. Nur die Bauern- und Winzerschaft Kirchheim hat keine Einladung bekommen – und deren Vorsitzender Volker Benzinger ist darüber ziemlich sauer. Benzinger vertritt zwölf Winzer. Kirchheimer Winzer haben – wie auch die Winzer in anderen Orten rund um die neue Umgehung – Weinberge abgegeben (gegen Geld, klar), damit die Straße gebaut werden kann. Seit den 1990er Jahren, sagt Benzinger, hätten die Kirchheimer Winzer sich konstruktiv eingebracht, mitgedacht, Unterschriften für die Westumgehung gesammelt: „Wir sind ja froh, dass die Umgehung kommt!“ Und deswegen hätten sie sich gewünscht, auch zur Eröffnung der neuen Straße geladen zu werden. Heiko Spieß, der Vorsitzende der Werbegemeinschaft Kirchheimer Weinwelt, bringt es so auf den Punkt: „Die Winzer, vor allem Herr Benzinger, sind seit Jahren in dem Planungsverfahren mit drin. Da ist es nicht fair, dass die Bauern- und Winzerschaft nicht eingeladen wurde.“ Wer hat die Gäste ausgewählt? Der Landesbetrieb Mobilität in Worms lässt wissen, er habe „in Abstimmung mit der Ortsgemeinde Kirchheim nach bestem Wissen einen Listenvorschlag aufgestellt“. Diese Liste wurde mit den Verkehrsministerien des Landes und des Bundes abgestimmt. Hat also die Ortsgemeinde Kirchheim vergessen, die eigenen Winzer einzuladen? Winzer Volker Benzinger sagt, er vermute hinter all dem „eine Taktik von Ortsbürgermeister Brunner“: „Er hat mich einfach nicht eingeladen.“ Eine „Taktik“ will Robert Brunner (CDU) darin nicht sehen. Der Vorwurf sei Unsinn. Allerdings wird aus seiner Antwort nicht ganz klar, warum Benzinger als Winzervertreter nicht eingeladen wurde. Brunner sagt: „Es gibt eine Liste vom Landesbetrieb Mobilität und da standen keine Winzer drauf.“ Nun, man könnte ja auch einwenden: Es wäre Sache der Ortsgemeinde gewesen, genau jene Winzervertreter draufzuschreiben. „Aus heutiger Sicht“, sagt Brunner, „spricht ja nichts dagegen, sie einzuladen.“ Aber irgendwie habe keiner das Versäumnis „bewusst wahrgenommen“. Brunner sagt, er könne den Frust von Benzinger zum Teil verstehen: „Aus seiner Sicht hat er einen Grund, nicht begeistert zu sein. Auf der anderen Seite sollte man es nicht überbewerten.“ Die Bauern- und Winzerschaft ist dann tatsächlich noch eingeladen worden. Am Montag, also zwei Tage vor der Eröffnung, habe Brunner den Landesbetrieb in Worms gebeten, eine Einladung an Benzinger zu verschicken, wie eine Sprecherin des Landesbetriebs Mobilität gestern auf Anfrage erklärte. Benzinger vermutet, dass seine Nach-Ladung durch eine Rundmail an seine Winzerkollegen ausgelöst wurde, in der er am Montagmorgen kritisiert hatte, dass die Winzervertreter nicht geladen sind. Er nimmt an, dass diese Info auch den Bürgermeister erreicht hat. Benzinger wird wohl heute oder morgen vom Landesbetrieb Mobilität eine Einladung bekommen. Das Schreiben wird adressiert sein an den „Vorsitzenden der Winzergenossenschaft Kirchheim“. Die Winzergenossenschaft gibt es schon lange nicht mehr. Sie wurde im letzten Jahrtausend aufgelöst. Aber Benzinger hat ohnehin nicht mehr die Absicht, zur Einweihung zu kommen.

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