Grünstadt Sie erkannten ihn nicht

Alfred Müller
Alfred Müller

Mit dem morgigen Palmsonntag beginnt für die Christen die Heilige Woche. Jesus zieht auf einem Esel in Jerusalem ein. Die Leute jubeln ihm zu, wollen ihn feiern als ihren König. Doch die Sache kippt – seine Königsherrschaft ist nicht von dieser Welt. Die Zeit seines Leidens und Sterbens beginnt. Jesus feiert mit seinen Freunden das Pascha-Mahl, das für ihn zum Letzten Abendmahl wurde. Und er wäscht ihnen die Füße. – Tut dies zu meinem Gedächtnis. Und er sagt zu seinen Freunden: „Wenn nun ich, der Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, dann müsst auch ihr einander die Füße waschen. Ich habe euch ein Beispiel gegeben, damit auch ihr so handelt, wie ich an euch gehandelt habe.“ Von seinem Freund wird er verraten – Judas wollte es genau wissen, wie das ist mit der Königsherrschaft. Und als er gemerkt hat, was er da angerichtet hatte, war es zu spät. Es war Nacht. Im Garten Getsemani betet Jesus inständig: Herr, lass diesen Kelch an mir vorübergehen – aber nicht, wie ich will, sondern wie Du willst – so soll es geschehen. Und seine Jünger schlafen. Jesus wird verhaftet, vorgeführt, mit Dornen gekrönt, als Spottkönig verhöhnt und zum Tod verurteilt. Sein Kreuz muss er selber tragen. Er stirbt wie ein Schwerverbrecher, angenagelt an ein Kreuz auf dem Berg Golgota. Doch der Tod hat nicht das letzte Wort. Mit Jesus werden noch zwei andere Verbrecher gekreuzigt. Einer der Beiden hat Mitleid mit ihm, und Jesus verspricht ihm: „Heute noch wirst Du mit mir im Paradies sein.“ Nachdem Jesus grausam verstorben war, wird er in einem Felsengrab bestattet, und am frühen Ostermorgen erleben zuerst die Frauen die Überraschung: Das Grab ist leer. Gott hat Jesus von den Toten auferweckt. Der Tod ist nicht das Ende, sondern der Anfang des neuen, des ewigen Lebens. Einige Frauen aus dem Freundeskreis Jesu gingen zum Grab, um seinen Leichnam zu salben. Sie fanden das Grab leer, und ein Engel sprach zu Ihnen: „Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, er geht euch voraus nach Galiläa.“ Das erlebten auch die Jünger, die von den Frauen zum leeren Grab gerufen wurden und die von „Weibergeschwätz“ sprachen. Eigentlich waren sie verzweifelt. Ihr Herr und Meister ist eines schmählichen Todes gestorben, sie hatten Angst und schlossen sich ein. Einige waren schon auf dem Weg in ihre alte Heimat nach Galiläa, zwei Jünger hatten Jerusalem den Rücken gekehrt und waren auf dem Weg nach Emmaus, als Jesus ihnen begegnet war. Und immer wieder wird bezeugt: Zunächst erkannten sie ihn nicht. Erst, als er mit ihnen das Brot brach, wussten sie: Es ist der Herr. Dann war er verschwunden. So bekamen sie neuen Mut, sie wussten: Der Herr lebt. Der Tod ist nicht das Ende. Und sie fassten wieder Mut. Die Angst war verflogen und voll Vertrauen erzählten sie jedem, der es hören wollte, was sie erlebt hatten: Der Herr lebt, er ist mitten unter uns. Und der auferstandene Jesus hat es ihnen versprochen: „Ich bin bei euch alle Tage, bis ans Ende der Welt“ – und er hat sie ausgesandt: „Geht in alle Welt und macht alle Menschen zu meinen Jüngern.“ Und das Wunder geschah – die Sache Jesu geht weiter – bis auf den heutigen Tag. Das feiern wir dann an Ostern und Pfingsten. Der Tod hat seinen Schrecken verloren, denn Jesus hat es uns versprochen: „Glaubt an Gott und glaubt an mich! Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre, hätte ich euch dann gesagt: Ich gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten? Wenn ich gegangen bin und einen Platz für euch vorbereitet habe, komme ich wieder und werde euch zu mir holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin.“ In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine gesegnete Heilige Woche und ein frohes Osterfest. Alfred Müller, Pfarrer, Dirmstein

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