Grünstadt Selbstgemachte Bühnenshow sorgt für Heiterkeit
Wie einstudiert klingt es, wenn das gesamte närrische Volk im Saal das Gogeljodler-Lied singt. Offensichtlich hat der Altleininger Karnevalverein viele Stammgäste bei seinen Prunksitzungen im Gemeindehaus, von denen es – wie in der vorherigen Saison – vier statt drei gibt, die alle ausverkauft sind. Am Samstag haben die Vollblutfasnachter ihr abwechslungsreiches Programm zum zweiten Mal präsentiert und begeisterten das Publikum.
„Ich glaube, wir haben alles richtig gemacht, indem wir auf die Jugend gesetzt und den Elferrat aufgestockt haben“, stellt Sitzungspräsident Stefan Nadge einleitend fest. Doch es liefern gerade die „alten Hasen“ großartige Beiträge – wie Nadge selbst. Sein komplett unter die Gürtellinie zielender Auftritt ist der krönende Abschluss der Veranstaltung. Der Sitzungspräsident mit der markanten Stimme und der stets sehr eigenwilligen Kostümierung kommt als „de Unseelich“ daher, der Viagra ausprobiert. Während sein „gutes Stück“ in der Hose zusehends größer wird, erzählt er: „War ich früher im Bett eine Flasche, könnt ich euch jetzt alle vernasche!“ Allerdings: Wenn er sehe, wer da so sitze, „würd` bei mancher auch das Pillchen nichts nütze“, schränkt er beim Blick auf die Clowns, Hippies, Mexikaner, Piraten und Sträflinge im Saal ein. Auf Brautschau ist der Briefträger (Christian Bückmann), der sich vorstellt als Bernd, der „immer gebe 100 Prozent, und eine Frau sucht, die mit ihm pennt“. IT-Girl Vicky Möpselberger alias Janina Rosche bezeichnet sich als „Paris Hilton der Armen“ und macht schnell ein „Elfie“ (Selbstporträt mit Elferrat) mit ihrem Smartphone. Abnehmversuche verlaufen bei ihr dergestalt, dass sie den Spiegel von der Wand abnimmt. In Form bringen lässt sich Elferratsmitglied Maik Bückmann mit Leibesertüchtigung unter Anleitung seiner Frau Regina. Sie berichtet, wie sie Karriere gemacht hat. Erfolgreich beworben habe sie sich als Reinigungsfachkraftanwärterin bei der Verwaltung der Verbandsgemeinde Leiningerland mit einem Schreiben „voller Übertreibungen, Halbwahrheiten und Fehler“. „Die Amis wollen Spott und Hohn, sind die weltdümmste Nation“, stellt „Protokoller“ Christopher Müller mit Blick auf den neuen Mann im Weißen Haus fest. Auch die Brexit-Briten und die bundesdeutschen Parteien kriegen ihr Fett weg. „Die CDU hat ein Problem: Ihr fehlen die Alternativen zu Mutti“, ist er überzeugt, dass Angela Merkel ein viertes Mal kandidieren wird. Jedes Jahr geschmückt und aufgestellt werden Tannenbäumchen made in Germany, erinnern zwei überlebende Christbäume (Hildegard Holz und Joachim Wendel) an die Weihnachtszeit. Dabei stimmen sie Lieder an, die in der Bütt Seltenheitswert haben, wie „Ihr Kinderlein kommet“ oder „Kling, Glöckchen, klingelingeling“. Nicht alle Tage begegnet einem „de Theo vunn de Metro“ (Frank Wilhelm), der von FCK-Fußballspielen schwärmt und schließlich Bayern-Fan Peter Ugresic außerhalb des Drehbuchs auf die Bühne holt. Komplettiert wird die von Musikus Armin Völpel aus Eisenberg begleitete Prunksitzung von Gesangsbeiträgen und Playbackshows mit Christian Bückmann, Heidrun Faßbender, Theo Gerber und Christopher Müller, Alex Noll sowie Mareike Schulz. Darüber hinaus bereichern gut einstudierte Tänze das Programm, von den winzigen Gogel-Minis, die mit Hampelmann und Radschlagen begeistern, über die ausgezeichnete Solodarbietung von Tanzmariechen Alina Dörner und die Eckbachhupser, die im Schwarzlicht mit blonden Perücken und rosafarbenen Haarreifen als Barbie-Girls daherkommen, bis zu den Grün-Weißen Funken und der Prinzengarde. In der zuletzt genannten Formation ist Sebastian Stegmann „Hahn im Korb“, der mit Sabrina Meister schließlich noch als Tanzpaar Hochakrobatisches leistet. Sehr unterhaltsam und hübsch anzusehen sind drei Showtänze im zweiten Teil der Veranstaltung: das Märchen „Schneewittchen“, das „die Taktlosen“ ebenso flott wie humorvoll aufführen, die Mantel- und Degenfilm-Romanfigur „Zorro“, die das Damenballett zum Leben erweckt und die Darbietung mit dem Titel „Brasil“ der Gogelgirls. Am Rand der Sitzung hebt Vereinsvorsitzender Markus Dieter stolz hervor: „Sämtliche Beiträge sind von eigenen Leuten erdacht und präsentiert.“ |abf