Grünstadt Selbst Einhörner radeln durchs Eistal

Die Gruppe um Sven Mehrhof (links) aus Steinborn in Asselheim.
Die Gruppe um Sven Mehrhof (links) aus Steinborn in Asselheim.
Morgens am Eiswoog

Langsam und gemütlich läuft die Aktion Autofreies Eistal am Vormittag am Eiswoog an, wo um 10 Uhr der offizielle Start ist. Während Martin Rahn die Würste in den Kessel der Feldküche der Stumpfwaldbahn füllt, hält Ramsens Beigeordneter Franz Blum eine kurze Ansprache. Salutschüsse vom Schützenverein sind im wahrsten Wortsinn der Startschuss für das Autofreie Eistal. Unter den Offiziellen ist im Schlepptau von Eisenbergs Stadtbürgermeister Adolf Kauth (FWG) Michael Kieslich, frisch gebackener Bürgermeister aus dem thüringischen Eisenberg. Ob er sich Ideen für eine ähnliche Veranstaltung holen wolle, will die RHEINPFALZ wissen. „Gute Anregungen kann man immer sammeln. So einen Radfahrertag haben wir zwar nicht, aber im Eisenberger Mühltal den wohl längsten Weihnachtsmarkt überhaupt. Dann ist auch die Straße im Tal bei uns gesperrt“, erzählt er. Die ganze Aktion, die mittlerweile zum 22. Mal organisiert wurde, geht unaufgeregt über die Bühne, die Helfer an den Ständen warten entspannt auf die ersten Radler. Die kommen am Eiswoog meist in großer Zahl zur Mittagszeit an. Dann ist auch der Erdbraten, den Förster Klaus Schulte unter dem Feuer vergraben hat, durchgegart. Das Forstamt ist mit mehreren Stände vertreten, grillt, informiert in der Waldschule und verkauft Honig. Mit der Bahn zum Start Mit der Bahn angereist ist Kay Kronemayer aus Kirchheim mit seiner Familie. „Wir starten hier am Eiswoog, so wie schon 2017“, erzählt er. Sohn Paul (8) ist überzeugt, dass er die Strecke bis Obrigheim locker packt. Selbst seine sechsjährige Schwester Anna schaffe das – und auch den Weg zurück nach Kirchheim. „Wir steuern einige Stationen an, werden beim Schützenverein in Ramsen wegen des Bogenschießens Halt machen“, sagt Kronemayer. Von Sippersfeld nach Asselheim Mit Schwung kommt derweil der 17-jährige Felix Krehbiel aus Sippersfeld mit seinen Kumpels Tim, David und Dominik am Eiswoog an. „Ja, wir sind über den Wald hierher gekommen“, verrät er. Ziel der Truppe ist Asselheim. „Wir sind seit vier Jahren beim Autofreien Eistal unterwegs“, berichten die jungen Radler, die vor allem wegen der Musik bis Asselheim fahren wollen. Leckeres Essen in Eisenberg In Eisenberg sind die Tische und Bänke, die von den Gruppierungen und Vereinen zwischen Storchenturm und evangelischer Kirche aufgebaut worden sind, von vielen Menschen belagert. Hier lockt der Markt der Kulturen. Während sich ein Herrenclub, der zu Fuß unterwegs ist, beim Spielmannszug dunkles Bier schmecken lässt, schnuppern die Ersten den Duft von türkischen, syrischen oder senegalesischen Leckereien. Im Liegen radelt sich’s besser Blicke auf sich ziehen die Liegeräder einer Gruppe, die gegenüber der Kirche stehen: Gleich fünf Fahrer treten in einem Gefährt hintereinander in die Pedale. Monika Lorenz aus Hettenleidelheim bestaunt das Spektakel. Die 71-Jährige ist mit ihrem Elektromobil nach Eisenberg gekommen. „Laufen geht nicht mehr so gut. Ich würde am liebsten bis zum Eiswoog fahren, aber dafür reicht die Batterie nicht“, bedauert sie. Und in der Bahn könne sie ihr Elektromobil leider auch nicht mitnehmen. Einhörner auf Fahrrädern Unterwegs sind in Eisenberg auch drei „Einhörner“, besser gesagt drei Jungs aus Steinborn, Jens, Leon und Björn in Einhornkostümen. „Wir wollen auffallen. Die Kostüme haben wir im Internet bestellt“, verraten sie. Aufgefallen sind die drei in jedem Fall, sie werden zum beliebten Fotomotiv. Ihr Ziel ist Grünstadt. Mittagsrast in Asselheim Zahlreiche Radfahrer, Inline-Skater und Fußgänger machen um die Mittagszeit Station im Weingut Schroth in Asselheim. Winzer Michael Schroth freut sich über den regen Betrieb und sagt: „Das Wetter spielt zum Glück mit. Ich schätze, dass wir heute mehrere hundert Personen bewirten werden.“ Bereits seit 20 Jahren hat das Weingut beim Autofreien Eistal einen Ausschank. Diese Tradition wolle er auch beibehalten. Bei den Einheimischen, aber auch bei den Touristen, sei dieser Tag sehr beliebt, so Schroth. In der Gruppe ist es netter Mit einer Gruppe von zehn Personen sind Stefanie (33) und Sven Mehrhof (37) aus Steinborn mit Tochter Lara unterwegs. Damit die Vierjährige mit dem eigenen Fahrrad die Strecke erleben kann, hat Sven Mehrhof eine Anhängestange dabei, die er an seinem Fahrrad befestigt. „Für unsere Tochter ist es die erste größere Tour. Sie hat einige Kilometer ganz alleine geschafft“, sagt der 37-Jährige. Da die Strecke ohne Steigungen verlaufe, sei die Tour besonders für Familien mit Kindern schön, ergänzt Stefanie Mehrhof. Zudem ist es für sie praktisch, direkt von zu Hause aus losfahren zu können. Überall sind Bekannte Ebenfalls mit der ganzen Familie unterwegs ist Heike Wiegner aus Obrigheim. „Ich bin die Strecke schon oft gelaufen oder mit dem Fahrrad gefahren. Heute kann man sie ohne Autoverkehr genießen. Wir wollen bis nach Eisenberg fahren“, sagt die 58-Jährige. Besonders gefalle ihr, dass man immer wieder Bekannte treffe. Zudem sei die Stimmung super, so die Obrigheimerin. Auch im Weingut Nehb sind viele Tische besetzt. Das Duo Wind und Bergmann sorgt für Musik. Während sich das Weingut um die Getränkebewirtung, Kaffee und Kuchen kümmert, ist der TV Asselheim mit einem Essenstand dabei. Der Vorsitzende Norbert Schott sagt: „Im vergangenen Jahr war wegen des schlechten Wetters nicht so viel los.“ Gestern lockte die Sonne viele Besucher an. Gute Bilanz Von den beiden Polizeiinspektionen Grünstadt und Kirchheimbolanden heißt es am späten Nachmittag, dass der Tag gut verlaufen sei. Zufrieden äußert sich am Abend Thorsten Hutzenlaub von der Verbandsgemeinde Eisenberg, bei dem die organisatorischen Fäden zusammenlaufen. „Soweit wir das überblicken, war überall an den Ständen viel Betrieb.“ Alle Rückmeldungen, die er von der Strecke erhalten habe, hätten diesen Eindruck bestätigt. Wie viele Radler dabei waren, sei schwer zu sagen.

Ein Hingucker: Hoch zu Rad in Ramsen.
Ein Hingucker: Hoch zu Rad in Ramsen.
Einhörner in Eisenberg.
Einhörner in Eisenberg.
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