Grünstadt Schiefer Turm bekommt Hilfe
Mitte August soll damit begonnen worden, den Boden unter dem Kirchturm der evangelischen Martinskirche zu verdichten. Das ist nötig, damit der Grünstadter Kirchturm nicht noch schiefer wird. Eine Spezialfirma wird sechs Wochen lang Feinzement in den Untergrund pressen.
29 Zentimeter nach Westen, 17 Zentimeter nach Süden – das ist die Neigung des Turms der Martinskirche. Damit sich der Turm nicht noch weiter neigt, nimmt die protestantische Kirchengemeinde 170.000 Euro in die Hand, um den Boden fest zu machen. Mit den Arbeiten hat sie die Offenbacher Firma Keller Grundbau beauftragt, deren Arbeiter in der Woche zwischen 15. und 22. August in Grünstadt erwartet werden und sechs Wochen vor Ort sind. Klaus Gottschalk ist nicht nur Presbyter, sondern auch Diplom-Ingenieur und Sachverständiger für Gebäudeschäden. Er kann erklären, wie die Firma vorgehen wird: In die Erde werden Metallrohre gebohrt. Diese Rohre haben in bestimmten Abständen Löcher, durch die eine Feinzementschlämme in den Untergrund gepresst wird. „Dadurch wird der Boden verdichtet und die Hohlräume werden befüllt. Erwartet wird, dass 30 Tonnen Verpressgut in den Boden eingebracht werden kann“, berichtet Gottschalk. Insgesamt seien an drei Kirchturmseiten 43 Bohrungen vorgesehen, ein Bohrloch ist rund zwölf Meter tief. Nach Abschluss der Arbeiten soll ein Teil der Risse im Kirchenschiff geschlossen werden – als Test, um festzustellen, ob sich der Turm weiter bewegt. Und: Die Rohre bleiben in der Erde, nach zwei Jahren werde nachgemessen, ob sich der Turm weiter geneigt hat. Wenn das der Fall sei, würde nochmal nachgearbeitet, berichtet Gottschalk. Die Preise dafür seien jetzt schon festgeschrieben – es werde also keine Überraschungen geben. Seit dem Jahr 2002 sei bekannt, dass es Bewegungen gebe und der Turm sich neige, berichtet Gottschalk, das Vermessungsbüro Schumacher (Quirnheim) habe den Turm wiederholt kostenlos vermessen. „Vorher hatten wir nur Risse am Kirchenschiff gesehen, aber die Ursache war noch nicht klar.“ Das Ergebnis von Untersuchungen ist, dass der Glockenschlag nicht am „Schiefwerden“ schuld sei, berichtet Gottschalk, und fügt an: „Beim Grundwasserspiegel ist es nicht so eindeutig.“ Mitarbeiter der Lebenshilfe bereiten die Baustelle von heute an vor und entfernen Unkraut, Büsche und einen Zaun. Bevor die Baustelle eingerichtet wird, muss noch nach Hinterlassenschaften aus dem Zweiten Weltkrieg gesucht werden – und für den Fall, dass Bomben gefunden werden, würden sich die Arbeiten nach hinten verschieben. Zitiert „Die Leute im Presbyterium sind froh und glücklich, dass sie Herrn Gottschalk haben“: Gemeindemitglied Hermann Weber, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, Turmspenden zu sammeln.