Grünstadt / Eisenberg
Regionale Energieversorger: Warum die Strompreise wieder steigen
Mit der Abrechnung für 2023 fanden die Kunden der Stadtwerke Grünstadt GmbH jetzt noch zwei weitere Schreiben ihres Versorgers im Briefkasten: Es wurde mitgeteilt, dass die Preise für Strom und Gas ab 1. März steigen. Bei der elektrischen Energie um fünf Prozent, beim Gas um drei beziehungsweise 14 Prozent. Die niedrigere Quote gilt für den Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent, die höhere für eine 19-Prozent-Steuer. Ursprünglich sollte die Steuerermäßigung für Heizgas bis 31. März gelten, dann hieß es, dass schon zum 1. März der alte Steuersatz fällig werde, aber ein Beschluss wurde noch nicht gefasst. Dirk Beck, Abteilungsleiter Kundencenter und Abrechnung, geht davon aus, dass der ermäßigte Satz noch bis Ende März gilt, da für den Gesetzgeber die Zeit zur Änderung wohl nicht mehr reicht.
Tarife der Stadtwerke 2023 unter Preisbremsen-Niveau
Mit staatlich verursachten Mehrkosten begründet Stadtwerke-Geschäftsführer Albert Monath die Preissteigerung beim Strom. Hauptpreistreiber seien die Netzentgelte, nachdem durch den Beschluss des Verfassungsgerichts der Zuschuss von 5,5 Milliarden Euro zu diesen Kosten aus dem Topf der Corona-Sondermittel unmöglich wurde. Im Grund- und Ersatzversorgungstarif erhöht sich der jährliche Grundpreis von 110,79 auf 138,74 Euro, der Arbeitspreis steigt von 39,25 auf 40,64 Cent pro Kilowattstunde (kWh). Im Sondertarif Swen Privat geht es beim Grundpreis von 104 auf 131,95 Euro hoch, beim Arbeitspreis von 36,43 auf 37,83 Cent/kWh. Den günstigeren Swen-Tarif nutzen 60,5 Prozent der 6.339 Haushaltskunden der Stadtwerke GmbH, die in Grünstadt, Neuleiningen und Lambsheim Grundversorger ist. Die Mehrbelastung liegt nach Angaben der Stadtwerke für einen Jahresverbrauch von 4000 kWh bei rund 84 Euro in beiden Tarifen.
Geschäftsführer Monath macht deutlich, dass ohne die Erhöhung der Netzentgelte und weiterer Umlagen die Preise stabil geblieben wären, und Abteilungsleiter Beck verweist darauf, dass die Stadtwerke dank ihrer langfristigen Einkaufsstrategie mit den Preisen im Jahr 2023 deutlich unter dem Wert von 40 Cent/kWh lagen, bei dem die staatliche Preisbremse griff. Die Kunden hätten von den relativ guten Konditionen profitiert und staatliche Zuschüsse seien nicht notwendig gewesen, während manche Mitbewerber mit ihren Tarifen weit über Preisbremsen-Niveau gelegen hätten. Nun seien Discountanbieter wieder auf dem Spotmarkt unterwegs, könnten kurzfristig günstig einkaufen und entsprechende Preise anbieten.
Keep-Strom schon teurer Pfalzwerke ziehen wohl nach
Die Kommunale Eisenberger Energiepartner GmbH (Keep) hatte schon im November ihre Kunden informiert, dass die Preise für Strom zum Jahresbeginn 2024 steigen. Aktuell seinen keine weiteren Anpassungen geplant, informierte ein Keep-Sprecher. Die Keep ist Grundversorger in Eisenberg, Hettenleidelheim, Obrigheim, Ramsen und Wattenheim. Aktuell gelten im Grund- und Ersatzversorgungstarif laut Homepage folgende Konditionen: 47,33 Cent/kWh und ein jährlicher Grundpreis von 198,03 Euro. Im Sondertarif Keepy sind 40,04 Cent/kWh zu zahlen, und der Grundpreis beläuft sich auf 133,28 Euro. Weitere Infos liegen nicht vor, da wegen des Krankenstandes die RHEINPFALZ-Fragen nicht beantwortet werden konnten.
Die Kunden der Pfalzwerke AG, die in 14 Gemeinden der VG Leiningerland Grundversorger beim Strom ist, konnten sich im vergangenen Jahr über eine Preisreduzierung zum 1. Oktober freuen: In der Grund- und Ersatzversorgung sank der Preis von 47,22 auf 39,69 Cent/pro kWh, der jährliche Grundpreis blieb mit 122,79 Euro gleich. Im Sondertarif Pfalzwerke öko comfort, den die Mehrzahl der Kunden hat, gab es eine Reduzierung beim Arbeitspreis von 43,68 auf 37,69 Cent/kWh. Der Grundpreis beträgt weiter 111 Euro pro Jahr, teilte das Unternehmen mit. Da auf der Homepage zurzeit keine Preise angezeigt werden, scheint eine Änderung bevorzustehen. Auf Nachfrage bestätigte die Pressestelle, dass sich das Unternehmen „aktuell in der internen Diskussion“ zur Preiskalkulation befinde. Neue Rahmenbedingungen, wie gestiegene Netzentgelte, erforderten eine Anpassung. So ist wohl damit zu rechnen, dass die Kosten für die Kunden wieder steigen, vermutlich ab 1. April.
Pfalzgas hat Preise gesenkt, Stadtwerke erhöhen
Während bei allen regionalen Anbietern von Strom die Preise nach oben gehen, gibt es beim Heizgas keine einheitliche Tendenz. Teurer wird es bei den Stadtwerken Grünstadt, Grundversorger und Netzbetreiber mit 4.557 Kunden in Grünstadt, Neuleiningen und Obrigheim. Die Pfalzgas GmbH hat dagegen zum 1. Januar die Preise gesenkt. Das Unternehmen mit Sitz in Frankenthal hat pfalzweit rund 53.000 Kunden und ist Grundversorger für die meisten Orte der Verbandsgemeinden Eisenberg und Leiningerland.
Bei der Stadtwerke Grünstadt GmbH bleiben in der Grundversorgung und im Sondertarif Swen Gas die Grundpreise bei sieben Prozent Mehrwertsteuer mit 170.64 Euro/Jahr gleich, nach der Rückkehr zu 19 Prozent steigen sie auf 189,84 Euro. Für die Arbeitspreise gilt: Grundversorgung verteuert sich von 11,38 auf 11,71 Cent/kWh (13,02 bei 19 Prozent), der Swen-Tarif steigt von 11,02 auf 11,34 (12,61). Aufs Jahr gerechnet würde das bei einem Verbrauch von 20.000 kWh Mehrkosten von 66 beziehungsweise 64 Euro beim Steuersatz von sieben Prozent bedeuten, bei 19 Prozent sind es 347,20 und 337,20 Euro. Doch so viel mehr wird bei gleichem Verbrauch nicht auf der Jahresrechnung im Dezember stehen, da die beiden verbrauchsstarken Monate Januar und Februar noch zum alten Preis abgerechnet werden. Bei Änderung des Steuersatzes ab 1. April würden nach den Gewichtungsregeln zum Beispiel nur rund 55 Prozent zum höheren Preis fällig, informiert Abteilungsleiter Beck. In der monatlichen Abschlagszahlung seien die neuen Preise eingerechnet. Zudem sei das Gewichtungssystem mittlerweile so präzise, dass es nicht notwendig werde, die Zähler beim Preiswechsel abzulesen, meint Beck. Aber wer ganz sicher gehen wolle, könne die Zählerstände zum 29. Februar und 31. März selbst erfassen: per Kamera über die App oder per Mail an abr-va@swg-gruenstadt schicken.
Die Preiserhöhung begründen die Stadtwerke mit den hohen Einkaufskosten im vergangenen Jahr und den verteuerten CO2-Zertifikaten. Von aktuell niedrigeren Einkaufspreisen könnten die Kunden dann voraussichtlich spätestens im nächsten Jahr profitieren, meint Abteilungsleiter Beck. Die Pfalzgas GmbH sah sich dagegen in der Lage, die reduzierten Beschaffungskosten schon jetzt weiterzugeben und senkte die Verbrauchspreise zum 1. Januar, wie Vertriebsleiter Werner Brommko informierte. In der Grund- und Ersatzversorgung wurde um 1,82 auf 11,72 Cent/kWh reduziert, im neuen Sondertarif Pfalzgas Plus 24 sind jetzt 9,99 Cent/kWh zu zahlen, im vergleichbaren Alt-Tarif beliefen sich die Kosten auf 11,21 Cent/kWh. Der jährliche Grundpreis beträgt unverändert 141,24 Euro. Die Steueranhebung von sieben auf 19 Prozent erhöht die Kosten bei einem Jahresverbrauch von 20.000 kWh um 278 Euro in der Grundversorgung und um 255 Euro im Sondervertrag. Aber durch die Preissenkung bleibe im Grundtarif dennoch eine Ersparnis von 85 Euro, während es im Sondervertrag nur noch wenig sei, informierte Brommko weiter. Aber er hat auch eine gute Nachricht: Falls die Lage auf dem längerfristigen Terminmarkt weiter entspannt bleibt, könnte es im laufenden Jahr noch eine Preissenkung geben.
Info
Alle Preise sind brutto, also inklusive aller Abgaben und Steuern. Sie gelten für Haushaltskunden bis zu einem Jahresverbrauch von 50.000 kWh bei Gas und bis 10.000 kWh bei Strom.