Grünstadt Rauschgift, Rotlicht, Rocker
„Bitte keinen Namen nennen“, „Fotos sind tabu“, heißt es im Vorfeld des Besuchs im Kommissariat 13. Dort widmen sich die Polizeibeamten dem Thema Organisierte Kriminalität. Selbst in der beschaulichen Westpfalz geht den Ermittlern die Arbeit nicht aus: „In den vergangenen drei, vier Jahren haben wir gemerkt, dass wir immer mehr zu tun haben.“
ist nicht der richtige Name des Beamten, der dem Besuch von der RHEINPFALZ Rede und Antwort steht. „Ungern“, sagt er offen, „wir ermitteln häufig verdeckt und viele von uns haben Familien, die sie schützen wollen.“ In der Vergangenheit seien schon Kollegen konkret bedroht worden. Da ist das Interesse, in der Öffentlichkeit aufzutreten, denkbar gering. Verständlich. Also Hans Müller, ein frei erfundener Name. „Organisierte Kriminalität“ (OK) ist der Oberbegriff, für den es bei der Polizei eine klare Definition gibt. Zu den OK-Kriterien zählt die „Gewinn- oder Machtstreben bestimmte planmäßige Begehung von Straftaten“, die unter Verwendung von gewerblichen oder geschäftlichen Strukturen, unter Anwendung von Gewalt oder unter Einflussnahme auf Politik, Verwaltung, Justiz, Medien oder Wirtschaft zusammenwirken – verkürzt zusammengefasst. Müller nennt einige Beispiele aus der Praxis: „Prinzipiell kann das fast alles sein. Uns beschäftigen im Bereich des Polizeipräsidiums Westpfalz vor allem die Themen Waffen, Rauschgift, Rotlicht und Rocker.“ Einfach seien Ermittlungen in Clubs oder Banden jedenfalls nicht. Müller: „Unser Problem ist, dass wir uns die Fälle selbst holen müssen. Mitglieder eines Rockerclubs oder einer Bande kommen nur selten zu uns, um zu plaudern oder gar Aussagen zu machen.“ Wenn überhaupt, werde maximal die Konkurrenz angeschwärzt. Oft gebe es in den verbrecherischen Gruppen einen Ehrenkodex. „Das ist der Grund, wieso Organisierte Kriminalität so schwer zu erkennen ist.“ Den in Filmen oft üblichen hierarchischen Aufbau von Gruppenstrukturen gebe es in der Realität nur noch selten, meist seien Verantwortung und Risiko auf mehrere Schultern verteilt. Bei Rockergruppierungen gebe es die Struktur noch: „Wie in normalen Vereinen gibt’s da eine Führungsriege mit verschiedenen Zuständigkeiten.“ Auch in der Westpfalz komme es immer wieder zu Streitereien zwischen verschiedenen Clubs. Viel Zeit investieren die Beamten des K 13 in die Zusammenarbeit mit anderen Kommissariaten und Polizeidienststellen. Zudem werden zahlreiche Kontakte ins Ausland gepflegt – nach Frankreich und Polen und in die Niederlande beispielsweise. Der Austausch funktioniere mittlerweile richtig gut und zügig. Um an Hintermänner zu gelangen, greift das K 13 auf Vertrauenspersonen aus den jeweiligen Szenen zurück, Telefonüberwachungen gehören ebenfalls zum Werkzeugkasten der Ermittler. Dank moderner Technik könne ein Sachbearbeiter heute zwischen fünf und zehn Anschlüssen abhören. „Wir haben da unsere Möglichkeiten, um an Infos zu kommen“, sagt Müller, ohne ins Detail zu gehen. Die Observation von Verdächtigen gehöre ebenfalls dazu. Das übernehmen allerdings speziell ausgebildete Kollegen, im K 13 werden die Einsätze und Maßnahmen koordiniert. Neben Rockergruppierungen landen immer wieder Fälle von Drogenhandel oder die Ausbeutung von Prostituierten auf den Schreibtischen in der Logenstraße. „Die Frauen aus den Klauen dieser Leute herauszubekommen, das ist ein Problem“, sagt Müller, sie hätten oft zu viel Angst, um gegen ihre Arbeitgeber auszusagen. Was Drogen angeht, mahnt Müller: „Man darf die A 6 als Transitstraße zwischen Ost- und Westeuropa nicht unterschätzen.“ Müller ist seit Jahrzehnten in dem Job, hat einiges erlebt und sich nach eigenen Angaben ein „dickes Fell“ angeeignet: „Skeptisch zu sein, das ist bei uns mittlerweile im Blut drin.“