Grünstadt Quirnheim: Ehrenamtliche betreiben Motorrad- und Technikmuseum
1500 bis 2000 Besucher finden pro Jahr den Weg auf den Quirnheimer Berg. Nun will der Verein, der hinter dem Museum steht, in die digitale Wissensvermittlung investieren.
Über Hans Benkula kann man vieles sagen: Technikfan, Motorradliebhaber, Schrauber und Webmaster. Wie ein Grantler wirkt der 74-jährige Hettenleidelheimer allerdings nicht. „Grantige, alte Herren, die lieber unter sich bleiben“ – das ist ein Zitat aus einer auf Google veröffentlichten Rezension über das Motorrad- und Technikmuseum Leinigerland in Quirnheim. Hans Benkula kann darüber lachen. Aber ein solches Image braucht ein Verein, der mit Ehrenamtlern ein Museum stemmt, nicht, sagt er.
Liebhaber alter Gefährte
Vereinschef Franz Bernsteiner kommentiert die Einzel-Kritik im Netz so: „Die Zufriedenheit der Gäste kann man im Gästebuch nachlesen. Man kann sie auch an der Höhe des Trinkgelds sehen“, sagt er und fügt an: „Einmal hat uns ein Paar 100 Euro gegeben.“ Und auch die anderen Netz-Kommentare zum Museum auf dem Quirnheimer Berg sind durchaus positiv: „Klein, aber fein“, „Schönes Museum. Viel Liebe zum Detail“ oder „Kann man auch gut mit kleinen Kindern hingehen. Sind alle sehr freundlich :-)“. Der Grünstadter Franz Bernsteiner (69) leitet mit Hans Benkula den Verein mit 173 Mitgliedern (davon: 45 Frauen, 30 Familien). Bernsteiner war Maschinenbauingenieur, Benkula ist gelernter Maschinenmechaniker und hat bei der BASF in Ludwigshafen die Anlagensteuerung betreut. Männer vom Fach und Liebhaber alter Gefährte. Herzstück des Museums sind die Motorräder, 70 Stück stehen in der Halle, die ältesten sind 90 Jahre alt. Auch Schreibmaschinen, Telefone, Stationärmotoren, Handbohrmaschinen, Radiogeräte und Plattenspieler haben ihren Platz im Museum. So haben auch Menschen, die beim Anblick von Motorrädern nicht in Verzückung geraten, etwas zum Gucken. Kleine Auswahl: ein Garfield-Telefon aus den 1980er Jahren, ein Riesending von Laptop von 1987, der 16.000 D-Mark gekostet hat, oder aufwendig gearbeitete Fotoapparate aus den 1920er Jahren, die die modernen Digitalknipsen wie Spielzeug erscheinen lassen.
Digital Wissen vermitteln
So alt die Ausstellungsstück sind, so fortschrittlich ist für ein kleines, von Ehrenamtlern geführtes Museum die Hilfestellung: viele der Motorräder-Infotafeln sind mit QR-Codes versehen. Ein Klick aufs Smartphone genügt, und man kann die Geschichte der Zweiräder lesen. Funktioniert einwandfrei, dank des WLAN im Museum. Die Vereinsmitglieder wollen in den kommenden ein, zwei Jahren einen weiteren Schritt machen – „moderne Technik zu den alten Exponaten bringen“, wie Bernsteiner es formuliert. So sollen zu bestimmten Exponaten elektronische Bilderrahmen gestellt werden, die Videoclips und Bilder zeigen, etwa von der Restaurierung oder den Maschinen in Aktion. Eine Vorstellung Bernsteiners ist es, den Besuchern in Zukunft Tablets in die Hand geben zu können, auf denen sie Zusatzinfos ablesen können. Und: „Unser großer Wunsch ist es, Touchscreens aufzustellen“, so Bernsteiner. Die Neuerungen, die der Verein plant, dienten zum einen dazu, das Museum für Kinder und Jugendliche attraktiver zu machen, Kindergärten und Schulen für einen Besuch zu gewinnen, auch um ihnen zu zeigen, wie Technik funktioniert. Zum anderen wolle man auch etwas mehr Info für die Hauptgruppe der Besucher, die Älteren, bieten.
Geringes Budget
Der Vereinschef will sich bei Kreis und Land um Fördergelder bemühen, denn der Verein finanziert sich lediglich aus den Eintrittsgeldern und den Mitgliedsbeiträgen. „Ein paar Tausender helfen uns riesig.“ Und weil die Einnahmen übersichtlich sind, gehörten 85 Prozent der Ausstellungsstücke nicht dem Verein, sondern Leihgebern. „Unser Budget ist bescheiden, deswegen können wir nichts ankaufen“, sagt Bernsteiner. 1500 bis 2000 Besucher besuchen das Museum im Jahr. Um den Bekanntheitsgrad zu steigern und Gäste zu ziehen, gewährt der Verein Rabatte für die Besitzer der RHEINPFALZ-Card, der Ehrenamtskarte des Landes, der neuen Pfalzcard und für Coupinos-Nutzer. Sie zahlen zwei Euro Eintritt statt drei. Ortsbürgermeister Hubert Deubert (SPD) sagt, das Museum sei in der Region ein touristischer Anziehungspunkt: „Es trägt schon zum Prestige von Quirnheim bei.“ TERMIN Wer Stationärmotoren in Aktion erleben will, kann am Sonntag, 29. April, 10 bis 17 Uhr, zum Museum kommen. Mit Standmotoren wurden vor 100 Jahren beispielsweise Mühlen oder Sägewerke angetrieben. Außerdem ist am Sonntag Traktorentreffen – und zwar ohne Voranmeldung.