Kirchheim
Palliativteam ermöglicht würdevolles Sterben zu Hause
Es ist einer dieser Tage, an denen sich der Frühling hervorkämpfen will, der Winter aber noch das Zepter führt. Fünf Frauen und ein Mann sitzen in einem hellen Raum am Holztisch und reden über das Sterben. Jeder, der einmal einen Menschen auf seinem letzten Weg begleitet hat, weiß, wie wichtig diese letzten Monate, diese letzten Tage sind.
Die sechs Leute am Tisch sind seit vielen Jahren für Menschen da, die nicht mehr lange zu leben haben. Sie lindern ihre Schmerzen und ihre Sorgen. Sie kennen sich seit Jahren, haben – in unterschiedlichen Kombinationen – im Hospiz Elias in Ludwigshafen oder im Team der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung in Bad Dürkheim zusammengearbeitet.
Und weil sie sich gut verstehen und den gleichen Anspruch an ihre Arbeit haben, entwickelten sie schon vor Jahren diesen Gedanken: Wie wäre es, wenn wir uns zusammentäten, wenn wir unsere so unterschiedlichen Fähigkeiten und Charaktere in einem Team bündeln würden? Im Januar sind sie den Schritt in die Selbstständigkeit gegangen: Jeannette Paulick, Katrin Schwacke, Agnes König und Marek Wenzel gründeten die „Palliativteam invia GmbH“ mit Sitz in Kirchheim. Mit ihnen arbeiten Ingrid Genari und Andrea Kuntz. Zwei weitere Ärztinnen helfen bei Bedarf aus. Vier der Frauen sind gelernte Gesundheits- und Krankenpflegerinnen, eine ist ausgebildete Altenpflegerin, alle fünf haben sich zu Palliative-Care-Fachkräften weitergebildet. Marek Wenzel (33) ist als Facharzt für Innere Medizin, Palliativ- und Notfallmedizin der einzige Mann im Team.
Was ist ambulante Palliativversorgung?
Das Ziel der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung (SAPV) ist es, die Lebensqualität und die Selbstbestimmung von schwerkranken Menschen zu erhalten, um ihnen ein würdiges Leben bis zum Tod zu ermöglichen. Die Palliativpflegerinnen und der Palliativarzt behandeln die Patienten bei Schmerzen und Atemnot, Angst, Unruhe, Übelkeit, Erbrechen und weiteren Beschwerden. Es geht darum, das Leben zu Hause so angenehm wie möglich zu gestalten.
Wenn ein Arzt oder ein Krankenhaus einen Bedarf für Palliativversorgung festgestellt und die entsprechende Verordnung (Muster 63) ausgefüllt hat, besuchen Palliativmediziner Marek Wenzel und eine der Fachkräfte die Patienten, um ein Aufnahmegespräch zu führen. Dabei gehe es zum einen darum, den medizinischen Bedarf abzuklären, zum anderen aber auch darum, den Patienten und Angehörigen Sicherheit zu geben. Denn die Palliativ-Fachkräfte kommen nicht nur zu regelmäßigen Hausbesuchen vorbei, sie sind auch rund um die Uhr telefonisch erreichbar. „Das Wissen, dass man jederzeit anrufen kann, macht es für die Patienten und für die Angehörigen leichter“, sagt Agnes König.
Die ambulanten Palliativ-Fachkräfte sind keine Einzelkämpfer, sie stimmen sich mit den Hausärzten ab, koordinieren die Versorgung mit Medikamenten und Hilfsmitteln, sprechen mit Pflegediensten und ambulanten Hospizdiensten. Die Arbeit in diesem Netzwerk sei ein wichtiger Teil der Arbeit, sagt König und fügt an: „Unsere Aufgabe ist es, dem Patienten zu ermöglichen, im häuslichen Umfeld zu sterben“ – wobei „häuslich“ auch Pflegeheime und Behinderteneinrichtungen umfasst. Die Kosten für die SAPV übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung.
Einen Großteil der Angst kann man nehmen
Ein zentraler Punkt der Arbeit ist der Umgang mit der Angst: der Angst der Patienten vor der eigenen Endlichkeit, der Angst vor Symptomen, vor Schmerzen, vor dem Ersticken, die Sorge um die Menschen, die sie zurücklassen. „Einen Großteil der Angst kann man nehmen“, sagt König. Es sei wichtig, Gesprächsangebote zu machen, da zu sein, zuzuhören, Zeit zu haben. Wenzel erklärt: „In der Gesprächsbegleitung geht es auch um die Frage: Wie schaffe ich es, die Angst nicht zum dominierenden Faktor werden zu lassen?“
Die Frauen sind zwischen 46 und 58 Jahre alt und haben im Laufe der Jahre vielen Menschen beigestanden. „Sterben ist etwas sehr Individuelles“, sagt König. „Jeder hat seinen eigenen Weg.“ Es helfe, wenn man sich eingebettet fühle – etwa in ein gutes familiäres Konstrukt oder den Glauben – , und wenn man das Gefühl habe, es sei alles geklärt, sind sich die Gesprächspartnerinnen einig. Ein Tipp noch, den pflegende Angehörige vielleicht zu schätzen wissen: „Sie wollen dem Patienten oft irgendwas Gutes tun“, weiß Jeannette Paulick. Sie empfiehlt Aromapflege und sagt: „Ein schöner Duft, ein gutes Öl bewirken viel.“
Das Versorgungsgebiet
Das Versorgungsgebiet für die spezialisierte ambulante Palliativversorgung ist von den Kassen vorgegeben: Es umfasst die Städte Grünstadt, Bad Dürkheim und Frankenthal, die Verbandsgemeinden Leiningerland, Lambsheim-Heßheim, Freinsheim und Enkenbach-Alsenborn sowie die Gemeinde Bobenheim-Roxheim. Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass es für dieses Gebiet einen zweiten SAPV-Anbieter gibt: das Palliativnetz Süd- und Vorderpfalz der Diakonissen Speyer, die auch einen Stützpunkt in Bad Dürkheim unterhalten.
Die Palliativpflegerinnen machen ihre Arbeit mit Hingabe. Sie sind sehr dankbar, dass die Patienten sie an ihrem Leben, an ihren Erinnerungen – oft an gute Tage, an Reisen, an die Zeit mit kleinen Kindern – teilhaben lassen. Die Menschen ließen sie in dieser besonderen Situation in ihr Leben, erzählen sie. Das gebe auch Kraft. Agnes König sagt: „Es ist schön, mitzuerleben, wie Menschen ihren letzten Weg mit einer gewissen Stärke tragen. Das sind Momente, die es für uns trotz der Traurigkeit wertvoll machen.“
Und was macht man, wenn Trauer und Verzweiflung überhandnehmen? „Das Team trägt uns“, sagt Katrin Schwacke. Es gebe Fallbesprechungen, Supervisionen, kollegialen Austausch – und ein tiefes Verständnis für das, was der andere gerade erlebt. „Wir hatten das Glück, uns zu finden“, betont König. Die anderen am Tisch nicken. Sie empfinden das als großes Geschenk.
Kontakt
Palliativteam invia GmbH, Triftweg 2b, Kirchheim, Telefon 06359 9457021, Fax: 06359 9457023; Web: www.palliativteam-invia.de; E-Mail: info@palliativteam-invia.de.