Grünstadt Ohne Ladestationen keine Stromer

Ein paar Vorreiter gibt es schon: Beim E-Mobilitätstreffen auf dem Luitpoldplatz waren Besitzer von Stromfahrzeugen voll des Lob
Ein paar Vorreiter gibt es schon: Beim E-Mobilitätstreffen auf dem Luitpoldplatz waren Besitzer von Stromfahrzeugen voll des Lobes für ihre Gefährte.

„Es ist schön, lautlos über die Dörfer zu fahren“, findet Peter Herms aus Neuleiningen-Tal. Für ihn ist das ein großer Pluspunkt seiner Zero DSR. Das mit Strom betriebene Motorrad hat er am Montag mit zum E-Mobil-Treffen auf dem Luitpoldplatz gebracht. Auch der Grünstadter Uwe Bruhns hatte sein Elektromobil dabei: einen fünf Jahre alten VW E-Up. „46.000 problemlose Kilometer bin ich bereits damit gefahren“, bilanzierte er zufrieden. Diese Information dürfte auch für die anderen rund 30 Teilnehmer des Zusammentreffens durchaus interessant gewesen sein. Für die Region sind solche Vorreiter auf dem Gebiet der Elektromobilität schon mal ein guter Anfang. In Zukunft sollen aber deutlich mehr Stromfahrzeuge auf den Straßen von Grünstadt und Umgebung unterwegs sein. Deshalb wurde das Dresdner Unternehmen Mobilitätswerk mit der Erarbeitung eines Elektromobilitätskonzepts für die Leader-Region Rhein-Haardt beauftragt – also für die 35 Orte in den Verbandsgemeinden Leiningerland, Freinsheim und Monsheim sowie für Grünstadt (siehe auch: Zur Sache). Geschäftsführer René Pessier erläuterte die Ergebnisse am Montag. Wir greifen hier einige wichtige Punkte heraus. Kommunale Fuhrparks Untersucht wurden unter anderem die Fuhrparks der Verwaltungen und Institutionen. Es zeigte sich, dass 97 bis 99 Prozent der Dienstfahrten in der Reichweite von E-Cars liegen. Deshalb ermunterte Pessier die Kommunen, ihre Vorbildfunktion wahrzunehmen und auf E-Mobile umzusteigen. Schließlich würden auch im Nutzfahrzeugbereich immer mehr Elektro-Modelle entwickelt. Laut Pascal Stocké, Klimaschutzmanager der VG Leiningerland, haben bereits alle vier Verwaltungen der Leader-Region E-Cars. Pendlerbewegungen Otto-Normal-Pendler kämen ebenfalls mit Stromfahrzeugen aus, entkräftete Pessier das gern genutzte Reichweiten-Argument. Die durchschnittliche Distanz zwischen Wohnung und Arbeitsstätte liege in der Region zwischen 15 und 19 Kilometern. 20 Prozent der Bürger müssten bis zu 29 Kilometer überwinden und nur jeder Zehnte mehr als 30 Kilometer. Um die Akzeptanz bei den Arbeitnehmern zu erhöhen, sollten die Unternehmer auf ihren Parkplätzen Ladesäulen installieren. Besucher Ulrich Küthe, Vertriebsleiter der Firma Plug’n Charge aus dem hessischen Bad Emstal, wies darauf hin, dass sichere, also abschließbare, Abstellpunkte für die nicht ganz billigen Pedelecs (Elektroräder) fehlten – beispielsweise auf Firmengeländen, aber auch an Bahnhöfen. Ladekapazitäten Für das Jahr 2030 prognostiziert das Mobilitätswerk, dass 4856 reine E-Mobile und 2615 Hybrid-Autos in der Region unterwegs sein werden. Zwischen 33 und 50 Prozent aller Neuzulassungen werden demnach E-Cars sein. „Und jedes Fahrzeug wird 3,5 bis vier Mal wöchentlich geladen“, sagte Pessier. Das Gros werde den Strom aus der heimischen Steckdose beziehen, aber es müssten auch genügend Ladesäulen im öffentlichen Raum vorgehalten werden – also „dort, wo sich die Leute länger aufhalten“. Gemeint sind etwa Rathäuser, Bahnhöfe, Supermärkte und Fitnessstudios. Schnellladestationen seien vor allem auf den Raststätten wichtig. Der zusätzliche Energiebedarf bewege sich in einem niedrigen einstelligen Bereich und sei damit kein Problem, antwortete Pessier auf den Einwand eines Zuhörers. Tourismusförderung „Eine gut ausgebaute Lade-Infrastruktur wird von Touristen bald ebenso selbstverständlich erwartet, wie freies WLAN“, sagte Pessier. Er warb dafür, Übernachtungsbetriebe und Weingüter verstärkt über die Vorzüge aufzuklären, die das Angebot von Stromtankstellen mit sich bringe: etwa Wettbewerbsvorteile und Kundenbindung. Verstärkt sollte es Möglichkeiten geben, Elektroautos und -fahrräder zu leihen. Küthe warb für die Nachahmung des E-Mobil-Konzepts an der Deutschen Märchenstraße, wo Stromfahrzeuge an vielen Stellen geliehen und betankt werden können: „Im Urlaub haben die Leute Zeit, sich mit Elektromobilität auseinanderzusetzen.“ Auf dem Luitpoldplatz schwärmte Bruhns von seinem wartungsarmen E-Up, der 11,7 Kilowattstunden auf 100 Kilometern verbraucht. Von „extrem geringen laufenden Kosten“ sprach auch Biker Herms. Unbedingt verbessert werden müsse allerdings die Dichte an Werkstätten, die sich mit Elektro-Motorrädern auskennen. „Die nächsten sitzen in Rüsselsheim und Karlsruhe.“

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