Grünstadt Nur Hopfen und Malz? Koriander und Orangenschale!
Wer gern wissen möchte, worin sich Craftbeer vom industriell hergestellten Gerstensaft unterscheidet und auch Lust hat, das Gehörte bei einer Verkostung verschiedener Sorten mit allen Sinnen nachzuvollziehen, sollte sich Donnerstagnachmittag freihalten. Dann öffnen Mathias Krämer und Markus Adler ihre kleine BrauArt Sausenheim für die Teilnehmer der nächsten RHEINPFALZ-Sommeraktion.
Im inzwischen fünften Jahr experimentieren die beiden mit Wasser, Hopfen, Malz und Hefe und kreieren dabei immer neue Biersorten. Diese können bei rund 20 Fachhändlern zwischen Karlsruhe und Köln, sogar in Belgien, erworben und in einem halben Dutzend Gastronomiebetrieben getrunken werden. Verkauft werden die BrauArt-Produkte auch bei zahlreichen Veranstaltungen in der Region sowie im Hof der Familie Krämer in der Angelgasse. Zum direkten Probieren lädt ein Micro-Pub mit zehn Sitzplätzen ein. Die Minibar ist vor einem Jahr in der 16 Quadratmeter kleinen ehemaligen Futterküche eingerichtet worden. „Der Pub wird super angenommen, mittwochs sind eigentlich immer 40 bis 50 Gäste hier“, erzählt Mathias Krämer. „Wir haben nur einen Ausschank, keine Speisen, nicht einmal Knabberzeug“, erläutert der 37-Jährige. Und so darf sich jeder Besucher – wie es auch in bayerischen Biergärten üblich ist – sein eigenes Essen mitbringen. Als antialkoholische Alternative stehen Wasser und Traubensaft vom Weingut Schenk-Siebert bereit. Aus den sechs Zapfhähnen des Micro-Pubs fließen sechs Sorten, darunter auch immer wieder eine neue Kreation. „Wir hatten zum Beispiel ,Tine Wit’ler`, ein belgisches Weißbier mit Koriander und Orangenschalen. 500 Liter waren in 14 Tagen ausgetrunken“, berichtet Krämer. Für die warme Jahreszeit sei stets ein sehr leichtes Super Summer Session Ale im Fass. Mit anderen unkonventionellen Bierbrau-Künstlern zusammen entstehen in Collaboration Brews ganz besondere Gerstensäfte wie das milchsauer vergorene Aprikosen-Gose, das mit Koriander und Salz gewürzt ist. Es habe einen pH-Wert wie Riesling und sei deshalb gut für den Sommer. Aber es ist kein Mainstream-Produkt: „Viele mögen es nicht“, weiß Krämer. In sei es momentan unter den Craftbeer-Machern, Hafermalz zu verwenden. „Wir hatten Probleme, es zu bekommen, als wir unser Hafer-Stout, das am St. Patrick`s Day reißenden Absatz fand, nachbrauen wollten“, erzählt Krämer. Mit Hafer wird Bier besonders cremig, stellt den Charakter des flüssigen Brotes mehr in den Vordergrund, hat auch etwas Schokoladiges. Nach seinem eigenen Lieblingsbier gefragt, zuckt der Weinhandelsküfer und Getränketechnologe die Achseln und sagt: „Das hängt von der Jahreszeit ab und wechselt.“ Die Produktionsmenge der kleinen Brauerei wächst enorm. „2016 haben wir insgesamt 100 Hektoliter hergestellt. In den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres waren es schon 150 Hektoliter“, berichtet Krämer. Begonnen haben er und sein Kompagnon, der Sozialarbeiter Markus Adler, 2013 mit einer 70-Liter-Brauanlage im ehemaligen Kelterhaus des aus dem 19. Jahrhundert stammenden Hofes. Im vergangenen Jahr investierten sie rund 200.000 Euro in den Umbau des einstigen Kuh- und Pferdestalls in ein Sudhaus mit zwei Kupferkesseln, die zusammen ein Fassungsvermögen von 1000 Litern haben. SOMMERTOUR Die RHEINPFALZ-Sommertour zur BrauArt Sausenheim, Angelgasse 2 bis 4, findet statt am Donnerstag, 10. August, um 17 Uhr. An der Betriebsführung mit Bierverkostung können 20 Personen teilnehmen. Bei sehr großer Nachfrage wird eine zweite Tour angeboten am Donnerstag, 17. August, ebenfalls um 17 Uhr. Anmeldung: Morgen, Mittwoch, 10 bis 12 Uhr, Telefon 06359/933022.