Grünstadt „Nicht nur Schläuche legen“
Am Wochenende hat die Freiwillige Feuerwehr Carlsberg-Hertlingshausen ihre Türen geöffnet. Das vom Förderverein (FV) veranstaltete Schlachtfest am Samstag und das bunte Programm am Sonntag lockten zahlreiche Besucher an. Sie konnten unter anderem eine Vorführung der Rettungshundestaffel sowie Übungen von Jugendfeuerwehr (JFW) und Aktiven erleben. Auch einer der zwei Einsatzleitwagen der künftigen Verbandsgemeinde Leiningerland war zu besichtigen.
Das am 30. September vergangenen Jahres bei der VG Grünstadt-Land in Dienst gestellte Fahrzeug wird nach der Fusion mit der Nachbar-VG zum 1. Januar 2018 auch im Bereich der jetzigen VG Hettenleidelheim unterwegs sein. „Standort ist die Feuerwehreinsatzzentrale in Obersülzen“, erläutert der stellvertretende Wehrleiter der VG Grünstadt-Land Andreas Lindner, der auch der FEZ vorsteht. In seinem 14-köpfigen Team wurde die Gebietsreform schon vorweg genommen: Ein Mitglied stammt aus Tiefenthal und eines aus Carlsberg. Wegen der großen Fläche der neuen Verwaltungseinheit sei ein zweiter Einsatzleitwagen notwendig, so Lindner. Dieser werde in Hettenleidelheim stehen, wo die FEZ aufgelöst wird. Der am Wochenende vorgestellte Bus, der ohne Digitalfunk rund 114.000 Euro gekostet hat, beinhaltet unter anderem zwei Funk- und einen Computerarbeitsplatz, Kartenmaterial, Alarmpläne der Brandmeldeanlagen regionaler Betriebe und Telefonlisten – kurz alles, um im Einsatzfall die Kommunikation zwischen den Rettungskräften aufrecht erhalten zu können. Ein paar Meter weiter ist gerade ein „Verkehrsunfall“ passiert, der Fahrer hinter dem Lenkrad ist eingeklemmt. Das ist das auf dem Pausenhof der Grundschule nachgestellte Szenario für eine Übung der JFW gemeinsam mit den First Respondern – zwei Gruppen, die etwas ganz Besonderes sind. „Die von Heinrich Gensheimer vor mehr als 40 gegründete Jugendfeuerwehr ist die älteste im Landkreis Bad Dürkheim“, informiert der VG-Wehrleiter Alfred Raffel. Und die zwölf Carlsberger Wehrleute, die sich in 90 Stunden zu Rettungssanitätern ausbilden ließen, sind laut Lindner die einzigen „Helfer vor Ort“ im gesamten Gebiet der VG Leiningerland. Wie berichtet, werden die First Responder in medizinisch kritischen Notfällen gleichzeitig mit dem Rettungsdienst alarmiert. Weil sie einen kürzeren Anfahrtsweg haben als die Sanitäter und der Notarzt aus Grünstadt, können sie vorab schon mit lebensrettenden Sofortmaßnahmen beginnen. „Der Zeitvorteil sind acht bis zehn Minuten. Die können oft entscheidend sein“, sagt Raffel. Bei den bislang 62 Einsätzen der Wehr im laufenden Jahr sei ein Dutzend Mal auch das First-Responder-Team involviert gewesen. „Wir wollen die Jugend langsam an das Gerät heranführen, sie sollen nicht nur Schläuche legen und mit Wasser spritzen“, so Raffel. 14 Acht- bis 16-Jährige sind gegenwärtig Mitglied in der Carlsberger JFW. Der Älteste hat schon die Grundausbildung absolviert und wird in den nächsten Tagen bei den Aktiven aufgenommen, wovon die Ortswehr aktuell 28 hat. Insgesamt gibt es in der VG Hettenleidelheim zurzeit rund 110 Wehrleute. In der VG Grünstadt-Land sind es zirka 270, sodass nach der Zusammenlegung ungefähr 380 Brandbekämpfer und technische Helfer für die neue VG zur Verfügung stehen werden. Wie Frank Rissel, stellvertretender Vorsitzender und Kassenwart des ausrichtenden Fördervereins, am Rand der Veranstaltung mitteilt, hat die örtliche Fliesenleger-Firma Plaul 500 Euro für das Fest gespendet. Der FV habe die Wehr seit seiner Gründung 2002 mit rund 100.000 Euro unterstützen können. |abf