Grünstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Neuoffstein: Lauter Hilferuf bei Südzucker

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350 bis 400 Mitarbeiter und Rübenbauern versammeln sich vor der Zuckerfabrik Offstein: Sie wollen, dass die Menschen von ihren Sorgen erfahren.

Mehr als 350 Mitarbeiter und Rübenbauern demonstrieren für Kollegen in anderen Südzucker-Werken.

Die Angst um den Verlust der Arbeitsplätze beschäftigt die Menschen, die vom Zucker leben. Der Aufsichtsrat der Südzucker AG wird am Montag über die Schließung zweier Zuckerwerke in Brottewitz (Brandenburg) und Warburg (Nordrhein-Westfalen) entscheiden. Die Kollegen im Pfälzischen Südzuckerwerk Offstein zeigten sich gestern solidarisch mit den Mitarbeitern in den betroffenen Werken im Westen und Osten. Mehr als 350 Menschen, auch aus Rheinhessen, der Südpfalz, dem Odenwald und aus Brottewitz folgten der Aufforderung der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten zur Solidaritätskundgebung. „Die deutsche Zuckerwirtschaft darf nicht untergehen“, sagte Holger Winkow, NGG-Geschäftsführer für die Pfalz. Existenzen stünden auf dem Spiel, von Betriebsarbeitern angefangen über Landwirte, Bauern, Handwerker und Lkw-Fahrer. „Dagegen werden wir uns wehren.“ Werkschließungen seien die letzte Alternative und der falsche Weg, weil sie immer zu Lasten der Beschäftigten gingen.

"In einigen Jahren keine Zuckerbranche mehr in Deutschland"

Der Gewerkschafter kritisierte, dass Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) über die Problematik „hinweg geht und versucht, auszuweichen“. Am 15. März wolle man „in Berlin aufschlagen“, um der Ministerin zu zeigen, was man vor ihr halte. Heftige Kritik wurde auch an die Wirtschaftspolitik gerichtet: Deutschland leide an ungleichen Wettbewerbsbedingungen. Dirk Dinger, Betriebsratsvorsitzender im Südzuckerwerk Offstein mit insgesamt 570 Mitarbeitern, sagte: „Wir müssen verstärkt Druck machen.“ Seine Sorge: „Wir befürchten, um es drastisch zu sagen, dass es in einigen Jahren keine Zuckerbranche in Deutschland mehr geben wird.“ Dinger bezieht sich auf die EU-Zuckermarktordnung, die es seit Anfang Oktober 2017 nicht mehr gibt. Diese regelte fast fünf Jahrzehnte lang Produktionsquoten und Mindestpreise für Zuckerrüben. Der Wegfall der Zuckermarktordnung bedeutet für die europäischen Zuckerhersteller mehr Wettbewerb und auch niedrigere Preise. In 13 Ländern der EU, darunter Spanien, Griechenland und Polen, komme es nach diesem Wegfall zu „gekoppelten Zahlungen, welche zu ungleichen Wettbewerbsbedingungen führen“, sagt Dinger. Weil die Landwirte in Deutschland diese Subventionen nicht erhielten, würde der Anbau von Zuckerrüben unattraktiv.

"Politiker in Brüssel nicht aufmerksam genug"

Dirk Schneickert, Betriebsratvorsitzender der Zentralabteilung Forschung, Entwicklung und Services im Südzuckerwerk, untermauerte bei seiner Ansprache die Wichtigkeit der Solidaritätskundgebung, „damit die Politik uns hört“. Christian Lang, Geschäftsführer des Verbands der Hessisch-Pfälzischen Zuckerrübenanbauer (Worms), sagte: „Die Zuckerrübe galt bis vor einem Jahr als Königin der Feldfrüchte.“ Wenn man sehe, wie sie durch Züchtung und moderne Anbaumethoden fit gemacht worden sei für den Klimawandel, „können wir kaum glauben, dass wir heute in Offstein sorgenvoll in die Zukunft blicken“. Lang kritisierte, dass die deutschen EU-Politiker in Brüssel ihren Job nicht aufmerksam genug machten.

"Anständige Preise für die Rüben"

„Wenn Offstein fällt, fehlen 280 Millionen Euro brutto Wertschöpfung und Arbeit für 5000 Menschen in der Region“, sagte Lang, es gehe um die Zukunft von 2000 Höfen. Allerdings steht die Zukunft des Werks Offstein – des größten Standorts des Konzerns – nicht zur Disposition. Unter den Demonstranten waren auch Rübenbauern: Lutz Eidmann aus Groß-Umstadt unterstützte die Kundgebung, „um nötige Aufmerksamkeit zu erzeugen und der Politik zu zeigen, dass die Bedingungen in Europa einheitlich gemacht werden sollen“. Wilhelm Ruckelshaußen aus Groß-Gerau will, „dass wir anständige Preise für die Rüben kriegen“. Transparente — „Ohne Zucker hat der Bauer auf die Dauer keine Power!“ —„Unsere Rüben schaffen deutsche Arbeitsplätze, ausländischer Zucker nicht!“ —„Ohne Not macht die EU die Rübe tot!“

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