Leiningerland RHEINPFALZ Plus Artikel Nach langer Zeit ohne Proben: Laienchöre stehen in den Startlöchern

Die Sängerinnen und Sänger aus Bissersheim freuen sich darauf, dass es bald wieder losgehen kann mit den Proben.
Die Sängerinnen und Sänger aus Bissersheim freuen sich darauf, dass es bald wieder losgehen kann mit den Proben.

Mehr als ein Jahr lang hat man nichts von ihnen gehört, aber es gibt sie noch, die Laienchöre. Die Sängerinnen und Sänger haben die Zeit ohne Musik und ohne das Ritual der wöchentlichen Chorproben unterschiedlich gut verkraftet.

Die Chorprobe gehört einfach dazu. Einmal in der Woche trifft man sich, studiert Lieder ein, arbeitet auf ein Konzert hin und redet mit den Sängerfreunden. Corona hat dieses Ritual nachhaltig gestört. Und auch jetzt ist es noch nicht so einfach, gemeinsame Singstunden abzuhalten: Bei einem Inzidenzwert unter 50 dürfen sich im Freien 20 Personen plus Chorleitung, plus Geimpfte und plus Genesene einfinden. Allerdings sind dabei Abstände (1,5 Meter zur Seite, zwei Meter in Singrichtung und drei Meter zur Chorleitung) einzuhalten. In Innenräumen sind zehn Personen zulässig, plus Chorleitung, plus Geimpfte und Genesene. Der Abstand in alle Richtungen beträgt drei Meter. Wer drinnen singt, muss allerdings getestet sein.

Rückstand schwer aufzuholen

Die lange Zeit des Nicht-Probens ist für Laienchöre nicht einfach. Ein Rückstand von fast zwei Jahren sei schwer aufzuholen, berichtet Wolfgang Heiner, Vorsitzender des Männergesangvereins Liederkranz 1846 Sausenheim. Außer in den 30er und 40er Jahren habe es eine solch lange probenlose Zeit noch nicht gegeben. „Unser erster öffentlicher Auftritt wird noch einige Zeit auf sich warten lassen, von der letzten Singstunde bis zur nächsten echten Chorprobe sind dann eineinhalb bis zwei Jahre vergangen“, erzählt der Vorsitzende. Die letzte Singstunde seines Vereins war im März 2020. Wann die erste gemeinsame Singstunde einberufen wird, hänge von der aktuellen Lage ab.

Kurze Treffen im Freien, ähnlich wie im Sommer 2020, könnten, wenn alles gut läuft, die nächsten Aktivitäten sein. Allerdings seien Proben im Freien mit Abstand kein Ersatz für eine „richtige“ Chorprobe, sagt Heiner. Dem Zusammenhalt indes hätten die kurzen Treffen gut getan. „Als Laienchor mit getrennten Stimmen zu üben, hat für uns keinen Sinn – und macht auch keinen Spaß“, hat er festgestellt. „Unsere Hoffnung ist, dass im Herbst wieder normale Proben in geschlossenen Räumen stattfinden können.“

Im 105 Mitglieder starken Verein singen 34 Männer, den Ton gibt Chorleiter Klaus Schmitt an. Die Sänger freuen sich schon auf die wöchentlichen Singstunden mit geselligem Abschluss im Dorfgemeinschaftshaus. Und dann gibt es da ja auch noch eine Besonderheit: Der Chor besteht seit 175 Jahren. Wie und wann das Jubiläum begangen wird, werde zur gegebenen Zeit entschieden. Dass gefeiert wird, ist allerdings schon klar.

Viel Zeit und Geduld nötig

Sängerin Kathi Presser aus Großkarlbach leitet Kinder-, Jugend- und Erwachsenenchöre in Kirchheim, Schifferstadt und Dannstadt-Schauernheim. Pressers Frauenchor Dreiklang mit 20 Sängerinnen trifft sich normalerweise wöchentlich im Friederich-Diffiné-Haus in Kirchheim. Seit Oktober pausieren die Chöre in Kirchheim und Schifferstadt jedoch. Mit Kindern und Jugendlichen probt Presser online. Für Erwachsenen-Chöre wie den Kirchheimer Dreiklang wäre diese Art der Probe zu herausfordernd: „Die technischen Hürden, das solistische Singen, das intensive stimmbildnerische Arbeiten, all das braucht viel mehr Zeit und Geduld“, weiß die Stimmpädagogin. Auf Proben sei deswegen verzichtet worden.

„Den sozialen Austausch hat es gegeben, vermisst wird aber das Zusammen-Singen, den Nachbarn zu hören und sich von der Gruppe stimmlich tragen zu lassen“, sagt sie. Das könnten auch Open-Air-Proben mit drei Metern Abstand nicht ersetzen. Mit mehr Geimpften und den Lockerungen steigt der Optimismus. „Wenn wir mit diesen Voraussetzungen in den kommenden Wochen wieder mit einer Präsenz-Probenarbeit, zunächst gern in Kleingruppen aber auf jeden Fall indoor, beginnen könnten, wären spätestens zur Advents- und Weihnachtszeit Auftritte vor Publikum denkbar“, meint Presser.

Der gemischte Chor aCHORde Bissersheim (im Gesangverein Liederkranz 1907) mit Dirigent Uli Kneisel sowie 22 Sängerinnen und neun Sängern stoppte die Proben im März 2020. Um den Kontakt nicht abreißen zu lassen, trafen sich die Chormitglieder wenige Monate danach anstelle der Chorprobe 14-tägig vor der Sängerhalle – unter Coronabedingungen, klar.

Vereinzeltes Üben drinnen wie draußen wurde im November eingestellt. Im Februar und März gab es statt der wöchentlichen Chorproben einstündige Onlinetreffen, geübt wurden Stimmbildung und Atemtechnik. Glücklicherweise habe es beim Liederkranz mit 102 Mitgliedern in der Pandemie keine Austritte gegeben, berichtet Vorsitzende Stefanie Wehrfritz. Die Aktiven seien guter Stimmung: „Wir hoffen auf den baldigen Wiederbeginn der Proben – entweder im Freien vor der Sängerhalle oder in der Halle mit Abstand und guten Lüftungsmöglichkeiten – und darauf, gemeinsam mit unserem sehr kreativen Chorleiter den Klang des Chorgesangs wieder spüren zu können.“

Die digitalen Proben sind nicht so einfach

Kreativität walten lässt Chorleiter Uli Kneisel auch beim gemischten Chor Nova Cantica, einer christlichen Chorgemeinschaft mit 20 Frauen und zehn Männern unter dem Dach der Pfarrei Heilige Elisabeth in Grünstadt. Einzelne Male konnten kleine Ensembles in den Gottesdiensten gemeinsam singen. Bei den digitalen Proben hat es laut Kneisel an einer Vielzahl von Kleinigkeiten gehapert: keine Lust auf oder Zeit für Technik, der bei einigen aufkommende Frust „der einsamen Singerei allein zu Hause“, die Unabsehbarkeit der Länge der Lockdowns und damit fehlende Optionen, auf was man online hinproben soll.

„So bald wie möglich werden wir im Freien oder mit ausreichend Abstand in der Kirche proben, die uns dazu einen ausreichend großen Raum bietet“, sagt der Dirigent. Vermisst hätten die Chöre vor allem das gemeinsame Klingen, die Geselligkeit vor und nach den Proben und den regelmäßigen Platz, den der Chor für alle Sänger in der Woche einnimmt.

Auch der Vorstand des gemischten Gesangvereins Bockenheim 1847 hat auf grünes Licht vom Land gewartet. Der Verein hat 73 Mitglieder, davon singen 25. Die allermeisten wollen wieder „normal proben im Sängerheim“ (Rotes Rathaus), weiß Vorstandsvize Lothar Nehrbass. Chorleiterin Lena Lissy ist startbereit.

Keine Abmeldungen von Chören

Beim Kreischorverband Nordpfalz, dem 61 Chöre zwischen Frankenthal-Studernheim, Kriegsfeld, Mauchenheim (VG Alzey) und Weisenheim am Sand angehören, hat es in der Pandemie keine Austritte von Chören gegeben, heißt es auf Anfrage. Möglich sei aber, dass es „ruhende“ Chöre gebe, sagt Kreisvorsitzender Wilfried Bierhenkel aus Beindersheim.

Die Schriftführerin des Kreischorverbands, Rosemarie Müller (Monsheim), sagt: Das habe allerdings weniger mit der Pandemie als mit dem Alter der Sängerinnen und Sänger zu tun.

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