Hettenleidelheim
Nach Jahren der Ungewissheit: Jahnsportanlage soll bis 2030 fertig sein
Im Drama um die Jahnsportanlage in Hettenleidelheim hebt sich der Vorhang für den nächsten Akt. Und es keimt die Hoffnung auf, dass die Geschichte zu einem guten Ende kommt. Worum geht es? Die vor rund 100 Jahren vom ASV maßgeblich in Eigenleistung errichtete und seit 1977 gemeindeeigene „alte Halle“ ist marode.
Beide Hallen seit der Pandemie gesperrt
Der Verein, der das Gebäude zuletzt nur noch für seine Kraftsportabteilung nutzte, gab der Kommune die Schuld an dem miserablen Zustand, weshalb auch Juristen beschäftigt wurden. Um die „neue Halle“, die erst etwa 50 Jahre auf dem Buckel hat, steht es ebenfalls nicht gut. In der Pandemie wurde für beide Hallen und den Sanitärtrakt ein Betretungsverbot ausgesprochen – nicht wegen Corona, sondern wegen gesundheitsschädlicher Stoffe wie Schimmelsporen in der Luft.
In den politischen Gremien der Ortsgemeinde wurden die Immobilien zu einem Dauerthema. Die Krux: Wie kann eine Sanierung trotz riesigen Schuldenbergs gelingen? Es wurde mit Zahlen jongliert und der Sportstättenbedarf aufwendig ermittelt, es wurde analysiert, gebangt und gehofft. Schließlich präsentierte der Gemeinderat im Februar 2023 eine Lösung: Nach Abriss beider Gebäude sollte eine Zwei-Feld-Halle entstehen, ein neuer Bereich mit Toiletten und Duschen sowie ein multifunktional nutzbares Nebengebäude.
Immer wieder neue Pläne
Doch schon wenige Monate später wurde diese Idee wieder begraben – die Zuschüsse aus Mainz, die zu den Gesamtkosten von rund 4,5 Millionen Euro fließen sollten, würden zu gering ausfallen: Das Land legt für die Berechnung der Zuwendungen für den Neubau von Sportstätten nämlich nicht den tatsächlichen Aufwand zugrunde, sondern lediglich eine Kostenrichtwerttabelle, die 2016 aufgestellt und seither nicht fortgeschrieben wurde.
Also musste das Projekt abgespeckt werden. Der neue Vorschlag bei der Ratssitzung im Oktober 2023: den Sanitärbereich zu entfernen und neu zu bauen, die „neue Halle“ instandzusetzen und einen kleinen Multifunktionsraum von 75 Quadratmetern zu schaffen. Das Paket sollte sich auf 2,278 Millionen Euro belaufen.
Vom Bund war bereits 2020 ein Festzuschuss von 732.600 Euro zugesagt worden. Und nach dem Goldenen Plan für Sportstättenförderung des Landes beim Landkreis Bad Dürkheim, auf dessen Liste sich die Hettenleidelheimer schon seit 2013 allmählich zu den vorderen Rängen hochgearbeitet hatten, waren damals noch 261.324 Euro in Aussicht gestellt worden.
100 Zusagen aus dem Goldenen Plan
Nun sind es aber erfreulicherweise 537.000 Euro geworden. Kürzlich kam die Staatssekretärin aus dem Ministerium des Inneren, Simone Schneider (SPD), nach Hettenleidelheim und überreichte den Förderbescheid. „Projekte brauchen oft einen langen Atem“, stellte sie fest, „und dabei werden die Baukosten nicht geringer.“ Gern unterstütze sie solche Vorhaben. Schneider unterstrich die gesundheitsfördernden, sozialen und integrativen Aspekte solcher Sporthallen. „Die Anzahl der Förderanträge geht zurück, aber wir haben noch keine Probleme, unser Geld loszuwerden“, meinte sie. In diesem Jahr gebe es landesweit rund 100 Zusagen aus dem Goldenen Plan.
Landrat Hans-Ulrich Ihlenfeld (CDU) erklärte, dass die Listen der Sportstättenförderung früher dick gefüllt gewesen seien. Inzwischen würden deutlich weniger Anträge gestellt, da die Kommunen aufgrund ihrer finanziellen Situation zunehmend hinterfragen müssten, ob sie sich das eine oder andere Projekt überhaupt leisten könnten – hinsichtlich der Investition, aber auch mit Blick auf Betriebs- und andere Folgekosten.
Kreditbedarf senkt sich
Die Sanierung der „neuen Halle“ ist laut Ortsbürgermeister Steffen Burkhardt (SPD) alternativlos. Bundes- und Landesmittel zusammen ergäben nun eine Summe von 1,269 Millionen Euro. „Insofern haben wir noch einen Kreditbedarf von 958.000 Euro“, rechnete er anhand des momentan geschätzten Aufwandes von 2,227 Millionen Euro vor. Selbstverständlich stehe ganz oben auf seiner To-Do-Liste eine Aktualisierung der Kosten, sagte er.
Dann müssten die Ausschreibungen erfolgen und die vorgelegten Planungen für die Ertüchtigung der „neuen Halle“ die örtlichen Gremien passieren. Parallel sei mit Bürgerbeteiligung für den Altbau ein Konzept zu entwickeln. Burkhardt formulierte das Ziel, das bis 2030 umgesetzt sein soll: eine Sportstätte und Immobilie „auf der Höhe der Zeit“ zu schaffen, die den Erfordernissen der Vereine und des Breitensports gerecht wird.
Frank Rüttger (CDU), Bürgermeister der Verbandsgemeinde Leiningerland, stellte klar, dass das Schicksal der „alten Halle“, mit der viele Menschen emotional verbunden seien und bei der schon 2006 über die Sanierung des undichten Daches diskutiert wurde, noch nicht besiegelt sei. Er sprach von „etlichen Versäumnissen in der Vergangenheit“, die zu einem desolaten Zustand der Anlage geführt hätten. Aber mit der zweiten Förderung könnte es ab 2025 nun endlich vorwärts gehen. Sein Fazit: „Das Geld ist gut angelegt im Grundzentrum Hettenleidelheim.“