Grünstadt
Mut-Tour: Radelnd über Krankheit Depression aufgeklärt
Rund 300 Kilometer hat die vierköpfige Gruppe innerhalb von fünf Tagen auf Tandems zurückgelegt. Grünstadt ist an diesem Sonntag vor dem Ziel Mannheim die vorletzte Station. Gemeinsam mit den beiden Tourleitern Julia Vermeer aus Köln und Oliver Roth aus Leipzig ging es für Dirk Neufeld aus Hamburg und Maike Horst aus Göttingen auf Rädern durch die Landschaft. Geschlafen wurde im Zelt. „Wir haben nichts gebucht oder bereits organisiert. Da sich immer nette Gespräche mit Menschen entwickeln, haben wir auch immer die Möglichkeit bekommen, unsere Zelte aufzuschlagen“, erzählt Vermeer.
Mit dem diesjährigen Motto „Selbsthilfe in Bewegung“ setze die Mut-Tour den Fokus auf Aktivität, Austausch und Selbstwirksamkeit. Es werde viel gelacht, geschwitzt, geredet und Mut gemacht. Dabei gehe darum, auch mit anderen ins Gespräch zu kommen und für das Thema Depression zu sensibleren. Es sei wichtig, Netzwerkadressen mitzugeben, ergänzt Roth. Doch nicht nur Betroffene, auch Angehörige soll die Aktion ansprechen.
Zahlreiche Gespräche geführt
Dirk Neufeld ist Angehöriger und zieht am Ende der Tour ein positives Fazit: „Die Zeit war toll und ich konnte davon profitieren.“ Auch Maike Horst zeigt sich begeistert: „Man macht sozusagen auch eine Tour zu sich, schüttelt sein Denken durch.“ Nun sei sie gespannt, wie sich die Tour auf ihr Leben auswirke. Eine Bereicherung sei es auf alle Fälle gewesen. Auch für die Tourleiter, die ehrenamtlich dabei sind, geht eine besondere Zeit zu Ende. Vermeer, die als Sozialpädagogin arbeitet, sagt: „Wir verbinden Bewegung und Gemeinschaft mit Öffentlichkeitsarbeit.“
Die zahlreichen Gespräche während der Reise hätten gezeigt, wie viele Menschen unter Depressionen leiden oder sich in ihrem Umfeld damit auseinandersetzen müssen. Offen zu sein, Hilfsangebote anzunehmen – dies sei ein wichtiger Schritt. Zudem dürfe man keinesfalls eine Hemmschwelle haben, dies auch bei seinem Hausarzt anzusprechen. Mithilfe des Mut-Atlasses, einem Online-Wegweiser für Angebote rund um psychische Gesundheit für Betroffene, Angehörige und berufliche Helfende, können sich Interessierte informieren und das Netzwerk sowie die Angebote kennenlernen. Der Mut-Atlas ist über den Verein „Mut fördern“, welcher auch diese Mitmach-Aktion ins Leben gerufen hat, erhältlich. ,„Wenn man im Internet etwas sucht, findet man häufig nur einzelne Angebote. Der Mut-Atlas bietet Orientierung – von Therapie über Beratung bis hin zu Selbsthilfe-, Arbeits- und Wohnungsangeboten“, so Vermeer.
13 Teams auf Tour
Insgesamt sind seit Ende Mai 13 Tandem-Teams deutschlandweit mit rund 75 Teilnehmern und auf einer Gesamtstrecke von 4100 Kilometern unterwegs. Hinzukommen laut dem Verein noch rund 400 Mitfahrende und Mitwandernde. Der Trägerverein bietet ebenfalls Wanderungen an. Anfang September wird dann das letzte Team in Rostock eintreffen. Seit 2012 setzt sich die Mut-Tour dafür ein, das Krankheitsbild Depression mehr ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu rücken und Vorurteilen und Stigmata entgegenzuwirken.
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Weitere Infos unter www.mut-foerdern.de