Grünstadt Man nennt ihn Speiche
«Kirchheim/Dudenhofen.» Da musste selbst Junioren-Bundestrainer Jörg Winkler (Hamburg) schmunzeln. Völlig aus dem Nichts tauchte Henric Hackmann (RVE Rodenbach) bei den 132. deutschen Bahnrad-Meisterschaften in Dudenhofen auf und schlug sich bravourös. Der 15-Jährige Kirchheimer war der Lichtblick der Meisterschaftstage in der Vorderpfalz.
Bei seiner DM-Premiere landete Henric Hackmann über 500 Meter Zeitfahren auf Platz 13 und im Sprint fuhr er gar auf Rang sechs „Unglaublich der Bursche“, meinte Herrmann Mühlfriedel (Queidersbach), der frühere Leiter des Sportzweigs am Heinrich-Heine-Gymnasium in Kaiserslautern und inzwischen Teamchef des neu gegründeten Bahn-Teams Rheinland-Pfalz zum Auftritt des Nobodys. Das hat Gründe. Der Blondschopf hat sich erst vor wenigen Monaten für den Bahnradsport entschieden und ist seit vergangenem Montag auch Mitglied im Bahn-Team Rheinland-Pfalz um Weltmeisterin Miriam Welte. Er ist einer von sechs Akteuren, die Teamchef Mühlfriedel und Trainer Frank Ziegler (Otterbach) für den Team-Neustart ausgewählt haben. Darauf ist Hackmann besonders stolz. „Miriam ist mein großes Vorbild, und mit ihr in einer Trainingsgruppe zu sein, das ist ein Traum“, meinte der Kirchheimer. In der Tat wurde er erst im Winter beim Athletiktest in der Leichtathletikhalle in Ludwigshafen von Ziegler entdeckt. „Als ich seine Werte gesehen habe, da war mir klar, dass er ein Rohdiamant ist, den man noch schleifen kann“, sagte Ziegler. Der gebürtige Geraer, auch ein persönlicher Freund der Radsportikone Olaf Ludwig, sprach den jungen Kirchheimer an, und der gab spontan seine Zusage, sich künftig auf die Kurzzeitdisziplinen auf der Bahn konzentrieren zu wollen. Dabei ist der 1,82 Meter große und nur 60 Kilogramm schwere Hackmann körperlich alles andere als ein muskelbepackter Sprinter. Seine dünnen Beine und eben sein drahtiger Körper deuten keinesfalls darauf hin, dass er gegen seine Konkurrenten bestehen kann. In Dudenhofen, im Spargeldorf, würde man ihn eher einen Spargel nennen. „Sie nennen mich Speiche“, meinte er augenzwinkernd. Von wegen Muskelpakete. Mit diesem Namen hat er keine Probleme: „Ich finde das sogar gut, das passt zu mir, ich werde mich auch noch körperlich weiterentwickeln“, sagte Henric Hackmann. Seine Premiere bei der DM ist zugleich der Start eines Lernprozess im Bahnradsport. „Ich bin nach Dudenhofen gekommen, um zu lernen. Das ist mein erstes Jahr bei der Jugend. Nächstes Jahr werde ich angreifen“, verspricht Hackmann. „Seine Grundschnelligkeit ist für sein Alter außergewöhnlich. Er wird seinen Weg finden, davon sind wir überzeugt“, sagte Ziegler. „Es macht einen Riesenspaß bei Frank zu trainieren. Es ist manchmal hart, aber ich merke selbst, dass ich immer besser vorankomme“, meinte Hackmann. Und seine Zeiten deuten auf eine Leistungssteigerung hin. Im 500-Meter-Zeitfahren verbesserte er gleich seine persönliche Bestmarke auf 36,015 Sekunden. „Eigentlich war es mein Ziel, meine Bestzeit von 36,3 Sekunden, die ich in Augsburg gefahren bin, zu wiederholen. Jetzt merke ich erst, dass ich noch schneller fahren kann“, meinte Hackmann. In der Sprintqualifikation blieb die Uhr sogar nach 12,051 Sekunden stehen. Ebenfalls neue persönliche Bestzeit. Nicht genug: In der ersten Runde des Sprintturniers warf er noch Philipp Straßer (RV Queidersbach), den deutschen Meister auf der Straße, aus dem Rennen. „Der Kerl ist unberechenbar“, schüttelte Herrmann Mühlfriedel den Kopf. Da konnte Bundestrainer Jörg Winkler ebenfalls nur schmunzeln. „Ich bin gespannt, wie er sich entwickeln wird“, meinte Winkler. Die „Speiche“ ist in der Bahnradszene angekommen.