Grünstadt
Luftbildrätsel: Battenberg – die „Geelärsch“ auf dem Balkon der Pfalz
Imposante Fernsicht in Rheinebene und Odenwald, das geologische Phänomen der „Blitzröhren“ und nicht zuletzt der Uzname „Geelärsch“, auf hochdeutsch Gelb-Ärsche: Mit der Luftbildrätsel-Lösung „Battenberg“ haben einige der 69 miträtselnden RHEINPFALZ-Leser so einiges in Verbindung gebracht. Und konnten die Herkunft des ungewöhnlichen Spitznamens für die Battenberger erklären.
Sind die – im Vergleich zum Spitzenreiter Kirchheim mit 139 Teilnehmern – „nur“ 69 richtigen Einsendungen diesmal allein der Tatsache geschuldet, dass die gesuchte Gemeinde mit knapp 400 Einwohnern die kleinste im Kreis Bad Dürkheim ist? Sicher nicht. Eine entscheidende Rolle spielt gewiss auch, dass Folge 8 der Serie das bislang schwierigste aller Luftbildrätsel gewesen ist. Schließlich waren auf dem Luftbild zwei Wahrzeichen Battenbergs nicht oder kaum zu sehen: die gotische Dorfkirche Sankt Martin und die Burgruine.
Ein weiterer wichtiger Aspekt für die relativ geringe Teilnehmerzahl dürfte sein, dass durch das rund 300 Meter überm Meeresspiegel liegende Dorf keine Straße von der Gemeinde A zum Dorf B führt, sprich: Es gibt keinen Durchgangsverkehr etwa vom Nachbarn Neuleiningen nach Kleinkarlbach oder von Bobenheim am Berg nach Altleiningen. Ein Wiedererkennungswert bei Autofahrern – wie in der vorigen Folge bei Rodenbach – fällt also weg. Wer Richtung Battenberg fährt, will auch nach Battenberg: zu „de Geelärsch“, wie der pfälzische Volksmund die Einwohner bezeichnet.
Namensgebende Ockererde
Den Spitznamen verdanken die Battenberger dem Abbau von Ocker. Insbesondere im 19. Jahrhundert spielte der Abbau dieser goldgelben Erde eine große wirtschaftliche Rolle für das kleine Bergdorf. Und wie Berthold Wassner aus Wartenberg-Rohrbach weiß, wurde „die gelbe Ockererde per Schubkarre in die Industrie nach Frankenthal und Ludwigshafen gekarrt. Zum Ausruhen setzte man sich dann auf den Schubkarren und bekam somit einen gelben Hosenboden.“ Der Überlieferung nach reisten einige Battenberger zum Verkauf des qualitativ hochwertige Farbpulvers sogar ins Ausland. Mit der synthetischen Farbherstellung verlor der Ockerabbau nach und nach an Bedeutung, bis er schließlich ganz eingestellt wurde. Was blieb, ist der Spitzname und einige Stellen, an denen man die einstigen Ockergruben gut erkennen kann.
Ebenfalls nur noch Vergangenheit ist das, damals über die Gemeindegrenzen hinaus bekannte Seifenkistenrennen am 1. Mai, bedauern einige Leser. Für andere sind nun die Kerwe am zweiten Juli-Wochenende in den Weingütern Hahn-Pahlke und Denig sowie der Bauernmarkt am 3. Oktober feste Termine in ihrem Veranstaltungskalender. Ein Abstecher nach Battenberg lohne sich auf jeden Fall schon mal wegen „seiner wunderschönen Aussicht von der Burg aus“, sagt etwa die Kaiserslautererin Stephanie Scheu. Auch die Internetseite der Gemeinde wirbt damit, dass „der Balkon Der Pfalz ein idealer Ausgangspunkt für Naturliebhaber, Wanderfreunde, Läufer und Mountainbiker“ ist.
Nicht zu vergessen die sogenannten Blitzröhren an der Auffahrt zum Ort, „die aber nichts mit einem Blitzeinschlag zu tun haben, sondern durch Eisen- und Kalkeinlagerungen im Sand entstanden sind“, weiß Wolfram Garst aus Kirchheim. Wegen ihrer Einzigartigkeit – nicht nur für Geologen – wurden sie als Naturdenkmal eingestuft.
Burgruine in Privatbesitz
Neben der gotischen, um 1200 erbauten Dorfkirche Sankt Martin DER touristische Magnet ist die Burgruine. Sie wurde vermutlich im 13. Jahrhundert von Graf Friedrich III. von Leiningen erbaut und war seit dem Mittelalter im Eigentum des Adelsgeschlechts der Leininger. Die Herren des Leiningerlandes kontrollierten mit ihr und der gegenüber gelegenen Burg Neuleiningen – Luftlinie nur etwa 1400 Meter entfernt – den Eingang des Eckbachtales. Im Pfälzischen Erbfolgekrieg wurde die Anlage 1689 durch französische Truppen zerstört; teilweise renoviert blieb sie noch bis 1747 eine der Leininger Residenzen. Wie auf der Informationstafel im Burghof zu lesen ist, sollen auf der Burg am 22. Mai 1693 Marschall Tallard und General Melac ein opulentes Abendessen eingenommen und sich dabei von weitem das brennende Heidelberg betrachtet haben, das sie zuvor angezündet hatten. Außerdem soll hier in der Nacht zum 5. September 1794 der spätere Fürst Blücher mit seinen Truppen die französische Revolutionsarmee vertrieben haben, die den strategisch bedeutsamen Platz während des 1. Koalitionskrieges besetzt hatte. Heute ist die Ruine zwar in Privateigentum, aber größtenteils frei zugänglich. Von der weitläufigen Burg haben sich bis heute Teile des Torturms, die Ringmauer, der Stumpf eines Wehrturms und zahlreiche unterirdische Gebäudefundamente erhalten. In und aus den historischen Mauern ist ein romantisches Landhotel entstanden und ein idyllisches Restaurant mit Weingut – wie gesagt mit einer herrlichen Aussicht.
Eine der reichsten Gemeinden
Die ist übrigens auch für die außergewöhnlich hohen Grundstückspreise verantwortlich. Und diese wiederum haben in den vergangenen Jahrzehnten dafür gesorgt, dass der Ort in den Statistiken regelmäßig als „ein von (pensionierten) Bestverdienern bevorzugter Wohnsitz mit einigen einkommensstarken Haushalten“ auf einem der vordersten Plätze der reichsten Kommunen in Rheinland-Pfalz auftaucht. Wovon andere Kommunen im Leiningerland nur träumen können: Die Finanzkraft der Gemeinde liegt mit 1125 Euro um 291 Euro über dem Schwellenwert – deshalb fließen ihr auch keine Schlüsselzuweisungen zu. Aktuell sind im Battenberger Gemeindehaushalt an Anteilen an der Einkommen- und Umsatzsteuer etwa 400.000 Euro pro Jahr veranschlagt.
Reaktionen der Leser:
Berthold Wassner, Wartenberg-Rohrbach: Obwohl ich Battenberg aus früheren Jahren sehr gut kenne, tat ich mir doch etwas schwer. Die Kirche ist auf dem Bild kaum zu erkennen und die Burg fehlt ganz. Das Neubaugebiet rechts im Bild gab es in meiner Erinnerung, die 50 Jahre zurückgeht, natürlich noch nicht. Was weiß man von Battenberg? Wein, Kirschen und Wald. Das legendäre „Schwimmbad“, die Weed. Früher: Seifenkistenrennen am 1. Mai – das war immer ein Erlebnis.
Dirk Fehrenbach, Grünstadt: Ein Uzname zu den Leuten von dort ist mir durchaus bekannt: Geelärsch, also Gelbärsche. Meines Wissens nach (und das stammt von einem damals älteren Battenberger) soll der Uzname vom früheren Ockerabbau, insbesondere am östlichen Ortsrand Richtung Krumbachtal hin, stammen, wobei der „Ocker“ wohl für die Farbherstellung genutzt worden sein soll. Dazu käme dann, dass nicht nur Arbeiter in jene/r/n Grube/n auch selbst „farbig“ wurden, sondern wohl auch die Jungs, die wohl den Abbau als Spielplatz nutzten, dabei sicher öfter mal auf dem Hintern landeten und sich selbigen wohl dabei „geel“ (gelb) färbten. Ob das aber tatsächlich alles so passiert ist?
Gerhard Albert: Ich habe lange gerätselt, bis mir das Gehöft am linken unteren Bildrand ins Auge fiel, ein Gehöft, das ich doch gleich der Familie Schraut zuordnen konnte, das auch gleich der Schlüssel zum Entdecken weiterer Gebäude im Dorf war und somit auch die Bestätigung meiner ersten Vermutung. Mit Battenberg verbinden mich auch viele schöne Erinnerungen an ebenso schöne Sommerabende im Garten der Burg Battenberg. Mit etwas Wehmut erinnere ich mich aber auch an die Zeit, in der ich noch die Straße hinauf zur Burg mit dem Fahrrad ohne abzusteigen hinauftreten konnte. Ein kleiner Trost: Vielleicht gelingt mir das doch noch einmal in diesem Sommer mit Pedelec-Hilfe?!
Stephanie Scheu, Kaiserslautern: Als Kind war ich schon oft in dem von ihnen gesuchten Battenberg. Nach Wanderungen vom Parkplatz Krumbachtal kehrten wir in der Gaststube Kirsch mitten im Ort zum Mittagessen ein. Noch immer erinnere ich mich an den Sauerbraten mit lecker Knödel und das beste Salatdressing. Jeder von uns hatte sein Lieblingsessen und kann sich heute noch sehr gut daran erinnern. Danach die schöne Aussicht von der Burg aus und wieder ab ins Tal.
Martina Benz: Das heutige Luftbild zeigt die Gemeinde Battenberg. Erkannt habe ich den Ort am Friedhof am unteren Bildrand mit der dahinter stehenden Kirche. Deren Dach ist nach dem Tornado im letzten Jahr noch mit einer Plane „bedeckt“, wie ich letzten Sonntag auf meiner Wanderung über den Leininger Burgenweg festgestellt habe.
Rita Bender, Sausenheim: Gerne erinnere ich mich an die 70er Jahre, wo wir am 1. Mai zum Seifenkistenrennen nach Battenberg von Sausenheim gelaufen sind. Einer der Höhepunkte war, als die erste Weingräfin der Unterhaardt Julia lV. gekrönt wurde. Mich als Eselfreundin freut es besonders, dass ihre Mama das gleiche Hobby hat.
Gunther Isbarn, Tiefenthal: Das Luftbild zeigt einen Ort in den Weinbergen ohne eine erkennbare Durchgangsstraße. Hier ist offenbar Sackgasse, genauso wie bei der Zufahrt zum Friedhof hinter der Protestantischen Martinskirche, die in einem Feldweg endet. Auch wenn das eigentliche Wahrzeichen der Gemeinde, die Burgruine, auf dem Luftbild fehlt, so ist doch unverkennbar, dass es sich hier um Battenberg handelt. So ist das Weingut Denig links unten an der Zufahrt zur Burgruine genauso erkennbar wie das Hofgut Battenberg an der Hauptstraße.
Helfried Brückmann, Grünstadt: Das neue Rätsel war für mich bislang am schwierigsten zu lösen. Erst bei einer zweiten Betrachtung habe ich mir versucht, markante Punkte zu finden und bin auf Battenberg gekommen. Letztendlich hat ihr Hinweis im Text mit den politischen Diskussionen, die Kirche mit den anschließenden Friedhof, das Hofgut Battenberg und das kleine Neubaugebiet im oberen Bereich des Bildes dazu geführt, dass ich die Lösung dazu gefunden habe.
Peter Dehio: Das Dorf heißt Battenberg Pfalz. Die Bewohner werden Geelärsch geuzt (gelbe Hinterbacken), wegen der Blitzröhrenfarbe (Ocker) auf den weißen Höschen ihrer Kinder im Sandkasten. Wie bei den Galliern zur Zeit von Asterix und Obelix gehören (zumindest verbale) Prügeleien zur Lieblingsbeschäftigung der Bewohner des kleinen Bergdorfs. Danach wird bei Kerwe, Bauernmarkt und zahlreichen anderen Anlässen kräftig gefeiert ... Der Häuptling Majestix wird ab und zu von seinem Schild gestoßen, klettert aber schnell wieder drauf. So hat die RHEINPFALZ stets spannende Geschichten zu berichten.
Ruth Schumacher, Quirnheim: Ich habe das Dorf anhand der mir bekannten Gehöfte, dem Friedhof usw. gleich erkannt. Blitzröhren, Ockerabbau, Battenberger Kirschen. Bekannt ist mir aus Kindertagen das Seifenkistenrennen am 1. Mai.
Klaus Kany, Grünstadt: Als Jugendlicher (heute 60) habe ich auf einem Terrassen-Schrebergartengrundstück meine erste Sommerparty bis zum Morgenaufbruch im Freien erlebt und auch die Seifenkistenrennen gelegentlich besucht.
Markus Richter: Das Bild ist schon ein wenig älter, da das so genannte Hochhaus noch zu sehen, es aber schon vor über einem Jahr abgerissen worden ist.
Esther Flörchinger, Friedelsheim: Der gesuchte Ort ist Battenberg. Ich habe da selbst acht Jahre lang gewohnt. Berühmt ist Battenberg für seine Blitzröhren . Letztes Jahr war es in der Presse wegen des Tornados, der an der Kerwe über einige Häuser gefegt ist. Es ist ein so genanntes Sackdorf, die Straße die hoch führt, führt auch wieder runter, durchfahren kann man nicht.
Ferdinand Kern, Kindenheim: Wenn heut’gem Luftbild Burg und Schenke fehlen, die zu des Dörfchens Attraktionen zählen, dann hilft ein Blick zum linken Bildesrand: Der alte Hof dort ist doch sehr markant. Wer ihn vor vielen Zeiten auch erbaut, mein Gruß gilt Jürgen und Ulrike Schraut.
Zum Schmunzeln
Auf der Internetseite der Ortsgemeinde sind auch einige Anekdoten zu lesen. Alle unter dem Motto: Wussten Sie schon, dass ...
... Battenberg wörtlich ins Englische übersetzt „Mountbatten“ heißt? Auch wenn es vielleicht die „adelige Vergangenheit“ des Dorfes vermuten lässt: Eine verwandtschaftliche Beziehung zu den Windsors über Philip Mountbatten, den Prinzgemahl der britischen Königin Elisabeth II., ist für unser kleines Dorf nicht belegt, wohl aber zum hessischen Adelsgeschlecht der Battenberger (Ederbergland)…
…die US Navy einen „Battenberg Cup“ an das beste Schiff oder U-Boot ihrer Atlantikflotte vergibt?
…es von unserem Dorf bis zur Battenberg Avenue in Toronto (Ontario, Kanada) 6.338 Kilometer Entfernung Luftlinie sind und bis zum Battenburg Way in Rancho Cordova (Kalifornien, USA) 9.044 Kilometer? Dass zwischen uns und der Mountbatten Road in Singapur 10.313 Kilometer liegen und bis zum Battenburg Place in Auckland (Neuseeland) sogar ganze 18.261 Kilometer?
Oder wussten Sie vielleicht schon, dass man angeblich sehr gut im „Battenberg Inn“ in Port Clinton (Ohio, USA) am Eriesee übernachten kann.