Grünstadt Lokalmatadorin mit Fantasie

Placeholder-Image

Mit einem Sonderkonzert am Samstag, 24. Januar, um 19 Uhr eröffnet die Wachenheimer Serenade ihre diesjährige Saison. In der Ludwigskapelle in Wachenheim spielt dann eine Lokalmatadorin, die Pianistin Milena Marton, besser bekannt unter ihrem Mädchennamen Milena Ivandic. Die heute 23-Jährige entstammt einer argentinisch-kroatischen Musikerfamilie, ist aber in Ludwigshafen geboren und seit ihrem zweiten Lebensjahr in Wachenheim aufgewachsen.

Milena Marton hat eine seltene Doppelbegabung: Sie beherrscht sowohl das Klavier als auch die Geige in Perfektion, ist schon früh mit beiden Instrumenten aufgetreten und hat auch mit beiden schon in ihrer Jugend Preise erspielt. In jüngerer Zeit konzentriert sie sich auf das Klavier. Studiert hat sie an der Mannheimer Musikhochschule, wo sie 2013 ihren Bachelor of Music mit Bestnote absolviert hat. Nun setzt sie ihr Klavierstudium mit dem Master-Studiengang bei Robert Benz fort. Bei der Wachenheimer Serenade war sie schon mehrmals zu Gast. Jedes Mal wurde sie begeistert gefeiert. Und auch bei renommierten Konzertreihen wie „Stars von morgen“ oder „KulturPur“ der BASF ist sie schon aufgetreten. Ihr diesjähriges Solorezital in Wachenheim steht unter dem Motto „Fantasia“. Alle Punkte des Programms lassen sich unter den Begriff der musikalischen Form der Fantasie subsumieren, auch wenn sie nicht direkt so bezeichnet sind. So etwa die „Pièces de Clavecin“ von François Couperin, dem Hauptmeister der sogenannten Clavecinisten, die für diese französische Form des Cembalos komponiert haben. Die französische Musik für Tasteninstrumente im Barock ist nicht so streng wie die deutsche, ist vielmehr freier in der Form, spielerischer, von vielen Verzierungen geprägt und damit hochvirtuos. Couperin hat seine Clavecinstücke zu Suiten mit fantasievollen und programmatischen Titeln zusammengefasst. Davon wird Milena Marton eine aufführen und dabei ihre ganze Feinsinnigkeit ausspielen können. Es folgt die Sonate G-Dur Opus 78 von Franz Schubert, die vom Komponisten selbst als „Fantasie“ bezeichnet worden ist, im Hinblick auf den ersten Satz, der nicht der klassischen Sonatensatzform folgt. Aber es ist eine ausgewachsene, viersätzige Sonate und eine ausgedehnte obendrein. Rund 20 Minuten dauert das Hauptstück, der erste Satz. Ein typischer Schubert, Musik von gesanglich-lyrischem Charakter mit seinem wunderbar friedvoll dahinströmenden Hauptthema. Auch die restlichen drei kürzeren Sätze verbreiten großen klanglichen Reiz. In diesem Duktus ähnelt die Sonate der großen B-Dur-Sonate, die die Pianistin bei ihrem letzten Auftritt in Wachenheim vor zwei Jahren gespielt hat. Und auch diesmal wird man sich an ihrer Wiedergabe dieser großartigen Komposition erfreuen dürfen. Ebenfalls wie für Milena Martons gestalterische Sensibilität geschaffen erscheint die Barcarole Fis-Dur von Frédéric Chopin. Zum Abschluss noch mal eine richtige Fantasie, die „Fantastia baetica“ des Spaniers Manuel de Falla. Der Komponist setzte den Tonfall und den Charakter des Flamencos von Anfang bis Ende ein, es finden sich aber keine Anklänge an die gefällig-schwüle Salonmusik, wie sie in Spanien-inspirierten Kompositionen des frühen 20. Jahrhunderts üblich war. Vielmehr ist es ein anspruchsvolles Stück, aber mitreißend und für den Hörer unbedingt lohnend. (een)

x