Grünstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Leiningerland: Wie sich seriöse Handwerker von Drückern unterscheiden lassen

Seriöse Handwerker tauchen nicht ohne Anfrage und Anmeldung beim Kunden auf.
Seriöse Handwerker tauchen nicht ohne Anfrage und Anmeldung beim Kunden auf. Foto: dpa

Leiningerland/Bad Dürkheim/Landau: Pflaster, Hauswand oder Dach günstig reinigen: Das bieten Drückerkolonnen an, die derzeit die Vorderpfalz unsicher machen. Wer sich von ihren Lockangeboten verführen lässt, droht viel Geld zu verlieren. Doch woran sind seriöse Handwerker zu erkennen?

„Ein seriöser Handwerker macht stets einen Kostenvoranschlag, in dem er sämtliche Leistungen und die dafür anfallenden Kosten explizit auflistet“, sagt Klaus Seiferlein. Als Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Südpfalz – Deutsche Weinstraße kennt er sich bestens aus. In der Vergangenheit hätten die Innungsmitglieder immer mal wieder sogenannte Dach-Haie gemeldet, berichtet er. „Die haben Hausbesitzern weisgemacht, sie hätten ein Riesenproblem mit ihrem Dach, und haben ihnen für die angeblich dringende Reparatur viel Geld abgeknöpft.“ Doch die neue Masche habe er noch nicht gekannt: In Bad Dürkheim hatte kürzlich ein Drücker einem Rentner erzählt, er sei gerade in der Nähe tätig gewesen und habe noch Putzmittel übrig. Damit könne er für nur 800 Euro kurz das Pflaster des Mannes reinigen. Im Laufe der Arbeiten bot er dann immer weitere, angeblich nötige Dienstleistungen an, bis er schließlich für alles 4150 Euro verlangte – sofort und in bar, versteht sich.

Örtliche Handwerker betrauen

Das bringt Seiferlein zu weiteren Erkennungsmerkmalen eines seriösen Kollegen: Er dränge seine Dienste niemals auf. „Er taucht nicht wie Phönix aus der Asche auf, kommt nicht einfach bei den Leuten zu Hause vorbei“, erklärt er. Und: Der Kunde bekomme immer genug Zeit, bei Unklarheiten nachzufragen, Vergleichsangebote einzuholen und noch einmal in Ruhe über alles nachzudenken. Ein anderes Qualitätsmerkmal ist Seiferlein zufolge die Mitgliedschaft eines Handwerkers in der Innung.

Wie sich Hauseigentümer am besten vor Abzockern schützen können? Praktisch sei, einen Handwerker vor Ort mit eventuell erforderlichen Arbeiten zu betrauen, „damit er bei Problemen greifbar ist“, sagt der Experte. Wer Zweifel habe, könne sich selbstverständlich auch bei der Kreishandwerkerschaft melden. „Wir kennen unsere Pappenheimer und können den Leuten sagen, ob uns ein Handwerker bekannt ist oder nicht. Wir können außerdem einen Blick auf einen Kostenvorschlag werfen und ihnen Rückmeldung geben, ob ein Angebot seriös ist“, hebt Seiferlein hervor. Sein persönlicher Ratschlag Nummer eins: „Nichts ist so dringend, dass man nicht erst mal eine Nacht darüber schlafen und sich das noch mal durch den Kopf gehen lassen kann.“ Damit werde Drückern automatisch ihre Hauptwaffe genommen: der Überraschungs- und Überrumpelungseffekt.

„Gesundes Misstrauen gut“

Ähnlich sieht das Peter Strube-Vogt, stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion Bad Dürkheim: „Gesundes Misstrauen ist immer gut.“ Obwohl solche Geschäfte fraglos moralisch verwerflich seien, handele es sich jedoch nicht zwangsläufig um eine Straftat. „Es kommt unter anderem darauf an, wie das Gespräch zwischen dem Anbieter und dem Hauseigentümer verlaufen ist und welcher Betrag für eine Leistung verlangt wird“, hebt er hervor. Beim letzten Punkt ist demnach die Verhältnismäßigkeit ausschlaggebend dafür, ob eine Leistung einfach nur sehr teuer ist oder der geforderte Preis die Grenze zum Wucher überschreitet.

Denn Wucher ist strafbar. Dazu heißt es in Paragraf 291 des Strafgesetzbuchs: „Wer die Zwangslage, die Unerfahrenheit, den Mangel an Urteilsvermögen oder die erhebliche Willensschwäche eines anderen dadurch ausbeutet, dass er sich [...] Vermögensvorteile versprechen oder gewähren lässt, die in einem auffälligen Missverhältnis zu der Leistung oder deren Vermittlung stehen, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.“ In besonders schweren Fällen drohen sogar bis zu zehn Jahre Gefängnis.

„Verlangt jemand für die Reinigung einer zehn Quadratmeter großen Garage 8000 Euro oder für das Öffnen einer Tür 3000 Euro, ist das Wucher. Diese Preise sind nicht üblich und stehen in keinem Verhältnis zur erbrachten Leistung“, nennt Strube-Vogt zwei Beispiele. Eine Anzeige kann ihm zufolge jeder Betroffene stellen. „Wir beraten ihn und leiten die Angelegenheit an die Staatsanwaltschaft weiter. Die entscheidet dann in jedem Einzelfall, ob eine Straftat vorliegt“, schildert er das Vorgehen.

Reisende Tätergruppen

Der Dürkheimer Polizei sind außer dem Rentner, dem ein Drücker 4150 Euro abknöpfte, derzeit keine Vorfälle dieser Art in der Stadt bekannt. Im Leiningerland hingegen kam es Anfang September gleich zu mehreren Zwischenfällen mit einer reisenden Tätergruppe, die in einem silbernen Kleinbus unterwegs war. „Die Männer haben Hausbesitzer in Bockenheim, Quirnheim und Kirchheim angesprochen, wobei jeweils Reparaturen der Dachrinne angeboten wurden“, berichtet der Leiter der Grünstadter Polizeiinspektion, Sigfried Doll. Ihm sei auch ein Fall bekannt, in dem Täter intakte Dachziegeln auf den Boden geworfen hätten, um anschließend Reparaturen ausführen zu können.

Die unseriösen Handwerker seien sehr dreist vorgegangen und hätten auch überteuerte Arbeiten erledigt, die vorher gar nicht besprochen worden waren, erzählt Doll. Die Qualität der „unnötigen Pseudoreparaturen“ sei oft gering. Er empfiehlt den Opfern, Anzeige zu erstatten, und weist darauf hin, dass neben Wucher auch Betrug oder Sachbeschädigung vorliegen können – wie in den Fällen aus dem Leiningerland.

Kontakt

  • Wer fragwürdige Angebote für Handwerksangebote aufgedrängt bekommt, kann sich bei der Kreishandwerkerschaft melden: Geschäftsstelle Landau, Telefon 06341 927870, Geschäftsstelle Neustadt, Telefon 06321 927450, E-Mail willkommen@khsdw.de
  • oder die Polizei um Hilfe bitten, Telefon 06359 93120.
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