Grünstadt Leiningerland: Viermal Silber, zweimal Bronze bei "Unser Dorf hat Zukunft"

Neuleiningen aus der Luft. Die Kreis-Jury des Wettbewerbs „Unser Dorf hat Zukunft“ lobt die Bewohner und Denkmalpfleger, weil si
Neuleiningen aus der Luft. Die Kreis-Jury des Wettbewerbs »Unser Dorf hat Zukunft« lobt die Bewohner und Denkmalpfleger, weil sie darauf achten, dass die Baustruktur erhalten und gepflegt wird.

LEININGERLAND: Die Jury des Wettbewerbs „Unser Dorf hat Zukunft“ hat die Gemeinde Lindenberg zum Sieger des Wettbewerbs auf Kreisebene gekürt. Das Dorf wird den Kreis beim Gebietsentscheid präsentieren, ebenso wie die „Silber-Dörfer“ Battenberg, Neuleiningen und Tiefenthal. Kirchheim bekommt zwar auch Silber, kommt aber nicht weiter.

Die Sieger

Im Kreisentscheid des Wettbewerbs „Unser Dorf hat Zukunft“ ist Lindenberg mit Gold ausgezeichnet worden. Battenberg, Kirchheim, Neuleiningen und Tiefenthal bekommen Silber. Bobenheim, Bockenheim und Ebertsheim sind mit Bronze bedacht worden. Für den Gebietsentscheid haben sich Lindenberg, Neuleiningen und Tiefenthal (in der Sonderklasse) sowie Battenberg (Hauptklasse) qualifiziert. Sie bekommen Ende Mai Besuch von der Gebietsjury. In der Hauptklasse sind Gemeinden vertreten, die sich zum ersten Mal beteiligen oder früher nicht weitergekommen sind. Angemeldet waren Battenberg und Kirchheim. Weil die Kreisverwaltung allerdings nur einen Hauptklasse-Ort zum Gebietsentscheid melden kann, kommt nur Battenberg weiter. Grund: Es hatte mehr Punkte in der Wertung als Kirchheim. In der Sonderklasse treffen Gemeinden aufeinander, die schon beim Gebietsentscheid waren. Hier können drei von sechs in die nächste Runde aufsteigen. Jury und Bewertungskriterien Kreisplaner Raimund Rinder (36), der seit einem Jahr bei der Kreisverwaltung Bad Dürkheim arbeitet, leitete die Jury, in der die Architekten Sebastian Weiß und Jennifer Bessai, die Vorsitzende der Landfrauen Vorderpfalz, Rose Reber, und Landschaftsarchitekt Daniel Schulte vertreten waren. Bewertet wurden Anfang Mai die Entwicklungskonzepte, das bürgerschaftliche Engagement, Baugestaltung und Grüngestaltung in den Orten. Gestern sind die Vertreter der Gemeinden von Landrat Hans-Ulrich Ihlenfeld (CDU) über ihre Platzierungen informiert worden. Chef-Juror Raimund Rinder erklärt im Gespräch mit der RHEINPFALZ, was der Jury in den Orten gefallen hat und was nicht. Battenberg (Silber) Die Jury findet die einzigartige Lage und das ehrenamtliche Engagement besonders toll. Sie stellt aber fest, dass aufgrund der Vielzahl der Aktivitäten Grenzen des Leistbaren erreicht werden, insbesondere wenn mal jemand ausfalle. Kreisplaner Raimund Rinder sagt: „Hier ist Battenberg zu wünschen, dass das reichhaltige Engagement fortbesteht und neue Mitstreiter gewonnen werden können, aber auch jetzt Aktive gegebenenfalls entlastet werden können.“ Die Jury sieht im touristischen Bereich Verbesserungsmöglichkeiten: „Hier müsste es eine Verknüpfung zwischen Gastronomie und Tourismus geben“, sagt Rinder auch mit Blick auf die Wanderer des Premiumwanderwegs, der dort verläuft. Neuleiningen (Silber) Neuleiningen überzeugt die Jury vor allem mit seiner alten und gepflegten Bausubstanz. Die Bürger engagieren sich sehr für die Zukunft des Dorfes, auch die Vereinsarbeit sei stark. Die kulturellen Angebote sind über die Region hinaus bekannt: Burgsommer, Konzerte der Blaskapelle, Burgweinfest, Weihnachtsmarkt, Museum an der Münze, Museum im Burgturm. Die Jury sieht jedoch noch Verbesserungsmöglichkeiten. Neuleiningen solle sich überlegen, wie die aktuellen Probleme gelöst werden können, sagte Rinder: „Die Gemeinde hat erkannt, dass sie ein Parkplatz-Problem hat. Wenn man weiß, dass man ein Problem hat, muss man es auch angehen.“ In Neuleiningen sei zudem festgestellt worden, dass alte Häuser verkauft und dann als Ferienwohnungen umgenutzt würden. Hier müsse sich die Ortsgemeinde fragen, was man machen wolle, um diese Entwicklung aufzuhalten. Es gebe Satzungen, um so etwas zu steuern. Wenn man nicht diese harte Linie wählen wolle, könnte man darauf setzen, das Burgdorf als Wohnstandort attraktiv zu halten, so Rinder. Die Gemeinde sollte herausfinden, was sie wolle und dann konkret angehen, empfiehlt Rinder. Tiefenthal (Silber) Der Jury gefällt, dass Tiefenthal sich Gedanken und Planungen zur Dorfentwicklung und Sanierung macht, insbesondere durch das Projekt „Neue Mitte“, mit der das Umfeld des Rathauses bis hinunter zur St.-Bernhard-Straße gemeint ist. „Punkten konnte die Gemeinde auch mit ihren sozialen und kulturellen Aktivitäten. Hier sind insbesondere der Masurenhof sowie das Kunstkabinett Tiefenthal zu nennen“, berichtet Rinder. Kirchheim (Silber) Kirchheim hat nach Ansicht der Kreis-Jury viele Möglichkeiten, um sich positiv zu entwickeln. Es gebe gute Weingüter, gute Restaurants und gute Angebote für Touristen. Durch den Bau der Umgehungsstraße B 271 neu werde die Entwicklung des Dorfzentrums neue Impulse bekommen, auch für den Tourismus. „Zunächst kann die Weinstraße neu gestaltet und verlorene Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum zurückgewonnen werden“, sagt Rinder im Namen der Jury-Mitglieder. Bei der Gestaltungen von schwarzem und rotem Platz sei das Augenmerk darauf zu legen, dass man sich gut auf dem Platz aufhalten könne. Auch der Bahnhof müsse mit in die Überlegungen einbezogen werden. Konzertwinter und Liedersommer stechen in kultureller Hinsicht heraus. Bockenheim (Bronze) In Bockenheim werde die Fortschreibung des Dorferneuerungskonzeptes einen neuen Impuls für die Dorfentwicklung bringen, ist sich die Jury sicher. Mit seinen kulturellen Veranstaltungen spiele der Ort eine herausragende Rolle an der Deutschen Weinstraße und sei weit über die Region hinaus bekannt: Weinstraßenmarathon, Weinmesse, Erlebnistag Deutsche Weinstraße, Mundarttage. In den Augen der Jury besteht hier ein „außergewöhnliches“ touristisches Potenzial. Allerdings müsse Bockenheim auch aufpassen – wenn es weiter für Touristen attraktiv bleiben wolle. „Die Gemeinde muss in den ortsbildprägenden Lagen auf eine hohe städtebaulich-architektonische Qualität achten“, stellt die Jury fest. Rinder konkretisiert das: Wenn man künftig von Norden in den Ort einfahre, werde man nach dem Haus der Deutschen Weinstraße eine Tankstelle und die Garagen des geplanten Neubaugebiets sehen. „Was für einen ersten Eindruck habe ich da?“, fragt er mit den Augen eines Touristen. Er könne es zwar verstehen, wenn der Investor aus Lärmschutzgründen die Garagen an die Weinstraße baue, aber grundsätzlich handle es sich um eine „sehr prägende Lage“, bei der man sich Gedanken machen sollte, dass es auch ansprechend aussehe. Grundsätzlich, sagt Rinder, sei es gut, dass die Gemeinde darauf setzt, Wohngebiete im Inneren auszuweisen und nicht auf der grünen Wiese. Der Mehrgenerationenplatz, der am Haus der Deutschen Weinstraße geplant ist, werde das Gebiet aufwerten. Rinder: „Trotzdem ist zu empfehlen, dem Grün im Ort auch mehr Raum zu lassen.“ Ebertsheim (Bronze) Ebertsheim kann mit den Vereinen und dem Aktionsteam auf ein besonderes bürgerschaftliches Engagement verweisen, findet die Jury: „Mit dem Wohnprojekt in der alten Papierfabrik hat Ebertsheim ein besonderes alternatives Projekt, welches den alten Industriestandort auch mit Handwerkern und Büros belebt, was in dieser Form für den Landkreis einzigartig ist.“ Die Renaturierung am Eisbach und die Geologie-Lehrpfade mit Eisenberg werden eine touristische Aufwertung bringen. Allerdings sollte Ebertsheim darüber nachdenken, wie auch der Ort selbst – und nicht nur Eisenberg – davon profitieren könne, wie Rinder sagt: „Es muss nicht jeder seinen Kaffee in Eisenberg trinken.“

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