Grünstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Leiningerland: Feuerwehr wird nach Sturm zu mehr als 100 Einsätzen gerufen

In Asselheim nimmt der Wind ein Hausdach im Battenbühl mit.
In Asselheim nimmt der Wind ein Hausdach im Battenbühl mit.

Die Feuerwehr der Verbandsgemeinde Leiningerland ist zwischen Sonntagabend und Montagnachmittag kaum zum Verschnaufen gekommen: Die Ehrenamtlichen wurden an mehr als 150 Einsatzstellen gebraucht. Vor allem, um umgeknickte Bäume zu entfernen.

„Es war heftig. Ich habe so etwas noch nicht erlebt“: Markus Ittel, der Wehrleiter der Verbandsgemeinde Leiningerland, ist schon viele Jahre lang Feuerwehrmann – doch die letzten beiden Tage wird er nicht so schnell vergessen. So viele Einsätze innerhalb von nicht einmal 24 Stunden! Die Wehrleute wurden zu gut 100 Einsätzen gerufen, wobei ein Einsatz (zum Beispiel Bäume wegräumen in Carlsberg) auch an zwei oder drei Orten stattfinden konnte, sodass am Ende mehr als 150 Einsatzstellen zusammenkamen. Gegen 15.30 Uhr meldete Ittel am Montag, dass gerade der letzte Sturmeinsatz beendet sei – er hoffe, dass nicht noch weitere folgen würden. In der Verbandsgemeinde Leiningerland gibt es – bei 21 Gemeinden – 16 örtliche Wehren mit 400 Leuten und fast 50 Fahrzeugen. Dreiviertel der Wehren waren im Einsatz. Los ging’s Sonntagabend gegen 18 Uhr, die Feuerwehreinsatzzentrale in Obersülzen war seit dieser Zeit durchgehend besetzt.

Bäume umgefallen, Ziegel weggeweht

Die Hauptarbeit hatten die Ehrenamtler im Raum Altleiningen, Carlsberg, Hettenleidelheim, in Bockenheim und Kindenheim sowie in Dirmstein und Großkarlbach zu leisten. „Bäume und Ziegel in allen Varianten“, fasst Ittel zusammen. Will heißen: Die Wehrleute räumten umgeknickte Bäume weg, die Straßen blockierten, kümmerten sich um Obstbäume, die in Stromleitungen gefallen waren. Die Eistal-Strecke war am Montag zeitweise gesperrt, weil in Mertesheim Dachziegel auf der Straße lagen und die Gefahr bestand, dass weitere Ziegel auf Autos fallen. In Dirmstein musste die Ortsdurchfahrt gesperrt werden, weil die Ziegel vom Dach der Kita neben der Kirche auf die Straße fielen. Schon am Sonntag war die Strecke zwischen Wattenheim und Carlsberg für längere Zeit gesperrt, weil viele Bäume die Strecke blockierten. In Altleiningen, Carlsberg, Kirchheim, Kleinkarlbach und Hettenleidelheim sind Autos von umgefallenen Bäumen beschädigt worden.

Die Polizeiinspektion Grünstadt geht am Montagnachmittag von einem Mindestschaden im sechsstelligen Bereich aus, wie Polizeichef Sigfried Doll sagt. Bei den Beamten ging am frühen Sonntagabend um 19.25 Uhr die ersten Meldung über herabfallende Ziegel und zwei beschädigte Autos in Hettenleidelheim ein. Doll weiter: „In Obersülzen drohte ein Vordach abzubrechen, ein Baum fiel auf ein Hausdach in Carlsberg, weitere Bäume fielen in Grünstadt und Kirchheim auf Autos, in Carlsberg landete ein Baum in einer Stromleitung, in Asselheim flog ein Blechdach weg, Ziegel wurden in Dirmstein abgedeckt.“ In Obersülzen hatten dann am Montagmorgen Laub und Äste die Abwasserkanäle verstopft, wodurch die Fahrbahn der Grünstadter Straße überflutet wurde.

Grünstadt kommt glimpflich davon

Während sich „Sabine“ im Leiningerland austobte, kam Grünstadt glimpflich davon: Die Nacht und die Morgenstunden waren vergleichsweise ruhig, wie Wehrleiter Jens Michel berichtet. Im Dahlienweg und in der Königsberger Straße sei jeweils ein Baum auf ein Auto gefallen, die Feuerwehr räumte die Bäume weg. In Asselheim wurde das Flachdach eines Mehrfamilienhauses im Battenbühl abgedeckt. Die Grünstadter halfen den Kollegen der Verbandsgemeinde mit ihrer Drehleiter.

Kein Telefon in Kerzenheim

Größere Katastrophen blieben in der Verbandsgemeinde Eisenberg zwar aus, die Freiwillige Feuerwehr hatte dennoch alle Hände voll zu tun. „Wir sind seit Sonntagabend zu mehr als 30 Einsätzen ausgerückt, hatten zeitweise 50 Mann im Einsatz“, berichtet Michael Partsch, der stellvertretende Wehrführer der Eisenberger Feuerwehr. So sei beispielsweise die Landesstraße zwischen Enkenbach-Alsenborn und Ramsen zwölf Stunden lang gesperrt gewesen. „Äste, Windbruch – da konnte man beim besten Willen niemanden durchfahren lassen“, so Partsch. Der drängendste Einsatz: In Rosenthal drohte ein Baum auf ein Haus zu stürzen, er konnte aber letztlich abgesichert werden. Der Baum werde entfernt, sobald es die Wetterbedingungen zulassen, so Partsch.

Ebenfalls in Rosenthal ist ein Baum in eine Stromleitung gekippt, was zu einem zwischenzeitlichen Stromausfall in Rosenthal, Kerzenheim und auch Ramsen geführt habe. Der Schaden sei aber von den Pfalzwerken im Laufe des Montags behoben worden. Bei Redaktionsschluss noch nicht behoben war der Schaden, den ein umgestürzter Baum an einer Telefonleitung in Rosenthal verursacht hat. Der Kerzenheimer Ortsteil sei bis auf Weiteres ohne Telefon, so Ortsbürgermeisterin Andrea Schmitt (CDU). Vom Dach des Bürgermeisteramts fielen auch einige Ziegel herunter.

Schule in Eisenberg fällt auch heute aus

Aufgrund des Sturms fällt an der Pestalozzischule Eisenberg auch am heutigen Dienstag noch der Unterricht aus. Eine Betreuung von 8 bis 16 Uhr ist laut Schule eingerichtet.

An der Integrierten Gesamtschule Grünstadt (IGS) fand der Unterricht am Montag statt, allerdings war nur etwa die Hälfte der Schüler anwesend. Dies sagte Eleni Thimiani, die Organisationsleiterin der IGS. Bereits am Sonntag habe man auf der Schul-Homepage und auf Facebook mitgeteilt, dass die Entscheidung über die Zumutbarkeit des Schulwegs bei den Eltern liege. „Erfreulich viele“ Schüler von außerhalb hätten trotz des Sturms den Weg in die IGS gefunden, sagte Thimiani. Nicht gefahren seien die Schulbusse aus Richtung Altleiningen und Hettenleidelheim, während der Busbetrieb aus Richtung Dirmstein und Kirchheim regulär vonstatten gegangen sei.

Bestätigen konnte dies Sandra Hanauer, die Rektorin der Grundschule Kirchheim-Kleinkarlbach: „Die Schulbusse sind am Montagmorgen alle gefahren.“ Auch seien nur wenige der insgesamt 142 Schüler aufgrund des Sturms nicht zum Unterricht erschienen. „Die Krankheitsausfälle waren größer“, teilte Hanauer mit. Sie persönlich hätte eine Schließung der Schule für überzogen gehalten, die Eltern durften entscheiden, ob sie den Schulweg für ihre Kinder trotz Sturms als zumutbar erachteten.

Nur wenige Abmeldungen aufgrund des Sturms gab es offensichtlich auch am Leininger-Gymnasium. Bei etwa 1000 Schülern habe es am Montag maximal 15 Prozent wetterbedingte Abmeldungen gegeben, teilte Schulleiterin Cornelia Diehl auf Anfrage mit. „Die Lehrkräfte sind alle da, es findet regulärer Unterricht statt“, so Diehl.

Geschlossen waren am Montag hingegen die Grünstadter Dekan-Ernst-Schule sowie die Hans-Zulliger-Schule. Darüber informierten die beiden Schulen auf ihren jeweiligen Internetseiten.

Eine abgeknickte Erle zwischen Rodenbach und Kerzenheim.
Eine abgeknickte Erle zwischen Rodenbach und Kerzenheim.
In der Grünstadter Ringgasse hat der Sturm eine Glasscheibe zum Klirren gebracht.
In der Grünstadter Ringgasse hat der Sturm eine Glasscheibe zum Klirren gebracht.
Im Dahlienweg in Grünstadt war ein Baum auf ein parkendes Auto gestürzt.
Im Dahlienweg in Grünstadt war ein Baum auf ein parkendes Auto gestürzt.
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