Grünstadt Leininger Nachlese:

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griffen sie am Dienstag zum Spaten, liebe Leserinnen und Leser. Neun Männer stachen wohlgeformte Kuchen aus einem kleinen Hügel aus roter Erde, um den ersehnten Baubeginn der Westumgehung Kirchheims zu symbolisieren und wohl auch zu demonstrieren. Warum eigentlich nur Männer? Ein Spaten blieb ungenutzt. Wäre es da nicht ein Leichtes gewesen, stellvertretend für die Aktivisten für die Umgehung aus dem Ort, eine Aktivistin hinzu zu bitten? Nun, wir wissen nicht, weshalb der letzte Spaten ungenutzt und die Männer unter sich blieb(en). Aber wir wissen, dass es keine Kirchheimer Erde war, in die die Spaten mehr oder weniger geschickt gestoßen wurden. Solch eine rote Erde gibt es bei uns nicht, stellte Paul Rogenwieser fest, der stellvertretend für die Winzer zum Spaten griff. Des Rätsels Lösung: Die Pirmasenser Baufirma, die die Brücke über die Bahn bauen wird, hatte die schöne lockere rote Erde von einer anderen Baustelle (an der B 10 in der Westpfalz) mitgebracht. Vielleicht wäre es schwieriger gewesen, die Spaten in die schwere Kirchheimer Erde zu stechen. Dies aber hätte symbolisiert, wie schwer sich die Kirchheimer damit taten, eine mehrheitsfähige Trasse zu finden. Doch zurück zu Paul Rogenwieser. Er wohnt in der engen Weinstraße Nord und weiß daher, wovon die Rede ist, wenn über die Belastung der Anlieger geredet wird. Und deshalb sieht er die Umgehung mit einem lachenden und einem weinenden Auge: weil die Kirchheimer Winzer Weinbergsflächen verlieren, während die Anlieger Lebensqualität gewinnen. Bundesumweltamt kritisiert, dass es immer mehr und immer bulligere Autos auf unseren Straßen gibt und damit auch der Ausstoß von Schadstoffen steigt, hielt Norbert Barthle, Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, beim Spatenstich für die Kirchheimer Umgehung ein flammendes Plädoyer für die Unterhaltung, den Bau und Ausbau des Straßennetzes. Jetzt schon werden 70 Prozent des Güterverkehrs und mehr als 80 Prozent des Personenverkehrs über die Straße abgewickelt – Tendenz steigend, informierte er. Und was schließen wir daraus? Richtig: Wir müssen noch mehr Geld in Asphalt und Beton verwandeln. Barthles Credo: „Mobilität schafft Beschäftigung, Wohlstand und persönliche Freiheit.“ Hat er das vom ADAC abgekupfert? „Freie Fahrt für freie Bürger“, postulierte der Automobilclub in den 1970er Jahren. Und das ohne Rücksicht auf die Umwelt. Nix dazugelernt? Nun, Barthles Ausführungen eröffnen zwar keine rosige Perspektive für die große Welt, aber wenigstens für das kleine Bockenheim. Denn obwohl es Autobahnen in Nord-Süd-Richtung gibt, sollte seiner Meinung auch die B 271 als Nord-Süd-Achse zwischen Deidesheim und Alzey durchgehend als Umgehung ausgebaut werden. An diese Aussage sollte die Gemeinde Bockenheim das Verkehrsministerium in Berlin ganz ganz schnell erinnern. Denn die B 271 geht auch durch Bockenheim. Und dort ist es mindestens so eng wie in Kirchheim.

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