Grünstadt Leininger Land: Hoffen auf den Regen

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Im Leiningerland ist es derzeit zu trocken und zu kalt – zumindest aus Sicht der Landwirte. Bauern und Winzer schauen nun mit Sorge auf ihre Pflanzen und den drohenden Ertragsverlust. Zuversichtlich stimmen jedoch die aktuellen Prognosen. Denn wenn es bald regnet, könnte noch viel gerettet werden. Ein Stimmungsbild.

Hartmut Risser

steht gerade an seinem Marktstand vor dem Mainzer Dom, als ihn die RHEINPFALZ auf dem Handy erreicht. „Ich schaue schon etwas neidisch auf meine Mainzer Kollegen“, sagt der Kerzenheimer Biobauer und lacht. Der Grund: Die rheinhessischen Landwirte konnten sich in letzter Zeit wenigstens über etwas Niederschlag freuen. Risser dagegen hat mit der Trockenheit zu kämpfen. Er baut auf seinen Äckern hauptsächlich Getreide an – Weizen, Roggen, Dinkel, aber auch Sommergerste. „Die Pflanzen sind eigentlich gerade in der Schussphase“, erklärt er. Sie wollten wachsen und bräuchten deswegen ausreichend Wasser. Aber das ist derzeit Mangelware. Zehn bis 20 Prozent des Ertrags seien wegen der ungewöhnlichen Trockenheit bereits verloren, schätzt der Landwirt. Die Natur hat dem Getreide für solche Phasen aber immerhin einen Notfallplan mitgegeben. „Die Ähren reduzieren die Anzahl ihrer Körner“, erklärt Risser. Sollte es bald regnen, „aber auch nur dann“, seien diese Körner gut ausgebildet. Und weil zumindest die Sommergerste recht widerständig sei, bleibt der Kerzenheimer vorerst zuversichtlich. Aufgrund der Trockenheit hätten die Zuckerrübenpflanzen zum Teil gar nicht zu keimen begonnen, sagt Johannes Eckhard, Vorsitzender des Ortsvereins Quirnheim, Ebertsheim, Rodenbach und Mertesheim im Bauern- und Winzerverband Rheinland-Pfalz Süd (zur Sache). Bei einzelnen Schlägen stünden erst zehn Prozent der Menge, die stehen sollte. „Die Pflanzen werden mit Verzug wachsen.“ Die Braugerste habe einigermaßen gut gekeimt, wegen der Trockenheit habe sie allerdings Schwierigkeiten, Seitentriebe auszubilden. Beim Winterweizen sei die Situation ähnlich. Nicht nur auf Feuchtigkeit, sondern vor allem auch auf Sonne und Wärme hofft Alexander Seiler, einer der Geschäftsführer von Erdbeer Funck in Eisenberg, der Spargel und Erdbeeren anbaut. Ab Temperaturen von zwölf Grad beginne der Spargel zu wachsen. Wichtig seien die Temperaturen, die der Spargel im Erdhügel auf einer Höhe von 40 Zentimetern abbekomme. Dafür brauche man jetzt vor allem die Sonne, sagt Seiler. Denn der Ertrag wackelt. Nach einem guten Erntestart am 18. März sei das Wachstum der langen gelben Stangen ab Ostern wegen der kalten Temperaturen eingeschlafen: „Im Vergleich zum Vorjahr haben wir bisher nur ein Drittel der Menge geerntet“, berichtet der Geschäftsführer. Auch bei den Erdbeeren musste das Unternehmen Einbußen hinnehmen. Etwa die Hälfte der Erdbeerblüten und Beeren sei trotz der Vlies-Abdeckung erfroren. Schuld daran waren zwei bis drei Nachtfröste, bei denen es einmal bis zu minus sieben Grad kalt gewesen sei. „Derzeit ernten wir in den Tunneln und Folienhäusern und hoffen einfach darauf, dass es wärmer wird.“ Die Winzer im Leiningerland haben die kurze Kälteperiode dagegen bisher mit einem blauen Auge überstanden – vor allem im Vergleich zu anderen Regionen. Das sagt Gerhard Siebert, der Vorsitzende der Bauern- und Winzergemeinschaft Grünstadt-Sausenheim. Die Kühle habe zwar das Wachstum der Reben verzögert. Siebert vertraut aber auf die Prognosen, die bald höhere Temperaturen versprechen: „Minusgrade haben wir ja jetzt zum Glück nicht mehr.“ Noch sieht der Sausenheimer die Situation deshalb gelassen: „Kälteperioden Anfang Mai gibt es eben immer wieder.“

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