KIRCHHEIM
Landfrauen-Vorstand sucht Nachfolgerinnen
Schon seit vielen Jahren befürchtet Teamleiterin Barbara Jahn das Aus für die Kirchheimer Landfrauen. Die Sorgen sind nicht ganz unbegründet, wie ein Blick in die Mitgliederstatistik zeigt. Zur Jahrtausendwende gehörten dem Verein noch etwa 100 Frauen an, 2007 waren es 72, 2010 genau 61, drei Jahre später 58 und 2021 waren es 47. „Aktuell sind wir nur noch 35“, sagt Jahn. Das Gros sei zwischen 70 und 95 Jahre alt. Es kämen keine jungen Leute nach. Die Angebote der Landfrauen, vor allem die kulinarischen, würden sehr gut angenommen. „Doch es bleibt nie jemand im Verein hängen.“
Man habe jährlich rund ein Dutzend Veranstaltungen im Dorf unterstützt: den St-Martins-Umzug organisiert, sich an der Kerwe und am Erlebnistag Deutsche Weinstraße beteiligt. 2005 umrahmten die Landfrauen die Feier für die Deutsche Weinkönigin Sylvia Benzinger und 2014 die Weinprobe zu Ehren der 64. Weingräfin des Leiningerlandes, Johanna Kolb. Immer wieder wurde auch für den guten Zweck gespendet, unter anderem ans Kinderhospiz, ans Frauenhaus, an die Lebenshilfe und die Jugendfeuerwehr.
Trotz toller Veranstaltungen keine Eintritte
Viel Zuspruch erfuhren die Themenabende, bei denen internationale Spezialitäten serviert wurden, etwa aus Spanien, Italien oder dem Bosporus. „Nicht alle, die wollten, haben einen Platz gefunden“, sagt Teamkollegin Adele Graff. Dennoch: Zu Vereinseintritten haben solche Erfolge nicht geführt. Und es gab Veranstaltungen, die nicht liefen. So stieß „Kunst & Genuss“ in Kooperation mit der Volkshochschule weder 2011 noch 2014 auf große Resonanz. 2018 habe man Werbeflyer mit dem Titel „Kennt Ihr die Landfrauen?“ verteilt und sich dann für Gespräche bereitgehalten, erzählt Graff. Vorbeigeschaut habe niemand. Ebenfalls keiner gekommen sei zu den Vorstandssitzungen, „die wir sechs Monate lang öffentlich abgehalten haben“, so die 67-Jährige.
Die gleichaltrige Teamleiterin meint: „Corona hat uns den Rest gegeben.“ Sie bedauert, dass Fasching und Heringsessen, Muttertags- und Weihnachtsfeier, Kreativ- und Kinderkochkurse sowie vieles andere nicht stattfinden konnte. „Ausfallen musste auch unsere regelmäßige Plauderstunde für die Senioren“, erläutert Jahn, die 1996 zu den Landfrauen stieß. Seit 2000 ist sie im Vorstand, zunächst als Kassenwartin und Schriftführerin. 2009 übernahm sie kommissarisch das Amt der Vorsitzenden, nachdem Karola Hilgert gesundheitsbedingt ausscheiden musste. 2010 ließ sich Jahn zur Teamleiterin wählen. Jetzt will sie sich zurückziehen. Da sich trotz aller Bemühungen keine Nachfolgerin findet, zerbricht das ganze Führungsgremium. Für die Neuwahlen am 26. April stehen keine Kandidatinnen bereit.
Aufgaben auf viele Schultern verteilen
Rose Reber, seit 1998 Vorsitzende des Landfrauen-Kreisverbandes Vorderpfalz, kennt diesen Domino-Effekt: „Wenn der Kopf nicht mehr will, wollen die anderen auch nicht mehr.“ Die Kunst sei das Delegieren von Aufgaben, sodass jedes Vorstandsmitglied nur für einen kleinen Teilbereich verantwortlich zeichnet: „Da hat man eine Person für die Organisation der Kerwe, eine für die Leitung von Kreativkursen und eine, die sich nur um die Pflege der Homepage kümmert.“ Wichtig sei zudem ein abwechslungsreiches und innovatives Programm, vielleicht mit Sushi-Abend oder Familienausflug mit Kartoffellagerfeuer. Dieses sollte auf modernem Weg, etwa über Soziale Medien, bekanntgemacht werden. Auch müsse man mit den Terminen flexibel sein. „Wenn ein Angebot immer dienstagabends ist, eine Interessierte aber dann grundsätzlich ihren Yoga-Kurs hat, wird man sie nicht gewinnen können“, so Reber. Fehler könne man auch bei der Aufnahme von Mitgliedern machen. Wenn sich niemand der Neuen annehme und ihr helfe, den Weg in die Gemeinschaft zu finden, wird sie nicht mehr wiederkommen.
„Wir sind ein großer Weiterbildungsträger, stärken die dörfliche Gemeinschaft, bauen Brücken zwischen den Generationen und Kulturen“, schaltet sie einen Werbeblock dazwischen. „Bundesweit haben wir rund 450.000 Mitglieder, das ist mehr als die großen Volksparteien, und wir sind uns dieser Stärke, dem Gewicht unserer Stimme, nicht bewusst“, sagt Reber. In ihrem Kreisverband zählt sie aktuell 3521 Landfrauen, darunter auch schätzungsweise 50 Männer. Seit neun Jahren nimmt die Anzahl der Ortsvereine ab: von 44 in 2013 auf jetzt 38. „Kirchheim wäre der siebte Ortsverein, der aufgibt“, bedauert sie. Allerdings gibt es auch einen Hoffnungsschimmer: „Haßloch hat sich 2016 aufgelöst und wurde 2018 neu gegründet mit einem etwas jüngeren Leitungsteam.“
GENERALVERSAMMLUNG
Die Kirchheimer Landfrauen treffen sich am Dienstag, 26. April, ab 18 Uhr, im Seitengebäude des Friederich-Diffiné-Hauses zur Generalversammlung mit Vorstandsneuwahl.