Leiningerland
Ladesäulen-Hopping durchs Leiningerland
Da steht einem schon der Angstschweiß auf der Stirn, wenn das E-Mobil mitten in der Nacht plötzlich nur noch fünf Kilometer Reichweite auf dem Display anzeigt, man aber noch etwa zwölf vor sich hat. Vor Kurzem hat es micha derart kalt erwischt, sodass ich genötigt war, eine Ladestation quasi vor der Haustür anzusteuern. Da ich nicht lange in der Kälte stehen wollte, sollte es eine mit Schnellladefunktion sein. Mein Wagen schlug dafür den Maxi-Autohof in Kirchheim vor.
Dort musste ich die Stromstation jedoch erst einmal suchen. Auf der gut beleuchteten Tankstelle fand ich sie nicht, sondern vielmehr im Halbdunkel – fernab von möglichen Kaffee-Quellen (die nach Corona hoffentlich wieder geöffnet haben) und nah dran an einer lauten Horde junger Auto-Tuner auf dem großen Parkplatz nebenan.
Ladesäulen nicht so leicht zu finden
Gemütlich war das nicht gerade. „Und wenn jetzt das Laden nicht funktioniert?“, schoss es mir durch den Kopf. Diese Sorgenfalten hatten sich allerdings umsonst gebildet. Es war ganz einfach, wieder ein bisschen Energie in den Akku zu pumpen: Ladekarte an die Säule halten, den für das Auto passenden Stecker auswählen und einstöpseln. Zum Beenden das Ganze retour.
Ermutigt durch die gute Erfahrung und neugierig, ob das andernorts im Leiningerland auch klappt, habe ich mich ein paar Tage später auf eine Tour von E-Tankstelle zu E-Tankstelle begeben. Aber wo sind sie bloß? Da es keine generelle Meldepflicht für Ladesäulen gibt, wird in den Apps oft nur eine Auswahl der tatsächlich vorhandenen angezeigt. Eine gute Übersicht findet sich in der EV-App von Goingelectric. In der freien Wissensdatenbank sind derzeit bundesweit 22.719 Ladestationen aufgeführt.
Große Handelsketten sind an Bord
Andere Anbieter liefern abweichende Zahlen, Statista zum Beispiel hat auf seiner Webseite 21.579 und Chargemap 21.775 Säulen registriert. Im Leiningerland gibt es – abgesehen von den Tesla-Stationen, etwa bei den Weingütern Mussler in Bissersheim und Hartmetz-Kling in Kleinkarlbach – aktuell rund ein Dutzend Stromtankstellen. Das Netz ist aber im Aufbau.
Auch die großen Handelsketten installieren immer mehr Ladesäulen auf den Parkplätzen ihrer Supermärkte. Von den bundesweit mehr als 670 Kaufland-Filialen sind beispielsweise mehr als 120 damit ausgestattet. Globus hat bereits an 40 seiner 47 Warenhäuser E-Tankstellen aufgestellt. „Wir planen noch im Laufe des Geschäftsjahrs alle Niederlassungen mit Ladestationen zu versehen“, teilt Guido Koch, Energiemanager des Unternehmens, auf Anfrage mit. An etlichen Standorten betreibt Globus auch eigene Photovoltaik-Anlagen.
Einige Gemeinden bieten kostenloses Aufladen
Die Ortsgemeinde Carlsberg will in diesem Jahr über die Pfalzwerke eine Stromtankstelle auf dem Leißlinger Platz errichten lassen. Sie soll kostenlos nutzbar sein. Auch vor der Wattenheimer Festhalle gibt es die Kilowattstunden gratis – als ich dort ankam, waren beide Parkplätze für E-Autos belegt. Leider informiert die EV-App nämlich nicht darüber, ob eine Ladesäule gerade frei oder besetzt ist. Andere Programme bieten diesen nützlichen Service, zeigen jedoch – wie schon gesagt – viele E-Säulen nicht an.
Für null Euro den Akku wieder voll machen kann man auch an den anderen Stationen der Kommunale Eisenberger Energiepartner (Keep) in Hettenleidelheim am Schulwiesengraben und in der Gaswerkstraße sowie in Obrigheim am Rosengarten. Wenn ein passender Ladepunkt frei ist, wird das selbst mitgebrachte Kabel einfach eingestöpselt und der Strom fließt.
Am besten eigenes Ladekabel dahei haben
Übrigens: Selbst an kostenpflichtigen Ladesäulen muss mitunter ein eigenes Kabel erwendet werden, etwa bei den E-Tankstellen der Stadtwerke Grünstadt in der Max-Planck-Straße und auf dem Luitpoldplatz. Meist sind an den Ladestationen aber Kabel mit verschiedenen Steckern befestigt, wie etwa in Kirchheim am Bahnhof oder in Grünstadt bei Firma Scheller. Beim BMW-Händler ist es ebenso wie auf der Raststätte Pfalz an der A6 möglich, das E-Mobil innerhalb kürzester Zeit vollzutanken.
Ich habe überrascht und erleichtert festgestellt, dass die Bedienung überall kinderleicht ist. Einfach per Smartphone authentifizieren und los geht’s. Nicht testen konnte ich die Station an der Verbandsgemeindeverwaltung in der Industriestraße: Dort stand ein VW schon mehr als drei Stunden, wie das Display der Säule verriet. Dass die Stromtankstelle vor Elektro-Krück außer Betrieb ist, wird über die EV-App angezeigt, sodass man sich den Weg dorthin sparen kann.
Zum Glück gibt es ja noch die heimische Wallbox. Für deren Anschaffung kann man momentan über eine KFW-Förderung bis zu 900 Euro Zuschuss bekommen.
Trend im Leiningerland geht nach oben
Dass es beim Kauf eines E-Mobils gegenwärtig – und noch bis 2025 – bis zu 9000 Euro Umweltbonus gibt, zeigt Wirkung, das lässt ein Blick auf die Zahlen der neu zugelassenen batteriebetriebenen Fahrzeuge vermuten. In der Bundesrepublik waren es 2154 im Jahr 2011, 2956 in 2012, dann 6051 (2013), 8522 (2014), 12.363 (2015), 11.410 (2016), 25.056 (2017), 36.062 (2018), 63.281 (2019) und 194.163 in 2020. Somit haben reine E-Mobile laut Kraftfahrtbundesamt mittlerweile einen Anteil von 6,7 Prozent auf den deutschen Straßen erreicht.
Auch der Landkreis Bad Dürkheim liegt im Trend. Zum Stichtag, dem 1. Januar 2019, waren 177 E-Autos angemeldet (davon 29 in Grünstadt und 51 in der Verbandsgemeinde Leiningerland). Ein Jahr später waren es 279 Fahrzeuge (35,79) und jetzt sind es 642 (96, 154).
Verwaltungen haben elektrische Dienstfahrzeuge
Von den sechs Dienstfahrzeugen der Stadtverwaltung Grünstadt fahren zwei Stück rein elektrisch. Den Mitarbeitern der Verbandsgemeinde Leiningerland steht ein Fuhrpark aus neun Autos zur Verfügung, davon sind vier E-Mobile. Die Verbandsgemeinde-Werke verfügen bislang über einen Stromer, die Stadtwerke Grünstadt, die schon 2011 ihr erstes E-Mobil anschafften, haben zwei Elektro-Autos.
Anmerkung: Bei diesen Zahlen sind nur reine E-Autos berücksichtigt, keine Hybrid- oder Erdgas- Fahrzeuge.