Grünstadt Kulturgut erhalten und weitergeben

Ehrungen beim Chor Liederkranz 1907 Bissersheim, vorn, von links: Bernd Jantzen (40 Jahre), Gunter Pfaffmann (50), Marianne Müll
Ehrungen beim Chor Liederkranz 1907 Bissersheim, vorn, von links: Bernd Jantzen (40 Jahre), Gunter Pfaffmann (50), Marianne Müller (40), Heide Ohlinger (40), Hedi Wendel (40) und Edwin Ohlinger (60).

Bei seinem alljährlichen Liederabend hat der Bissersheimer Chor Liederkranz 1907 am Samstagabend im Sängerheim sechs langjährige Mitglieder geehrt. Das die Würdigung umrahmende Programm, das mit drei Gastchören gestaltet wurde, war sehr unterhaltsam und abwechslungsreich. Klassisches von Heinrich Pfeil und Mozart war ebenso zu vernehmen wie alte Volksweisen, Gospel und moderne Popsongs.

Dabei machten alle Beteiligten ihre Sache gut, hatten die Lieder ausgezeichnet einstudiert. Die Sänger und Dirigenten waren engagiert dabei, es brauchte auch nicht jeder ein Notenblatt. Der Auftakt oblag den 24 aktiven Hausherren und -damen, die unter Leitung von Uli Kneisel zunächst den Titel „Nkosi Sikelel’ i Afrika“ zu Gehör brachten. Das Besondere an diesem einst geistlichen Lied ist, dass es Grundlage der Nationalhymnen von zwei Staaten ist: Südafrika und Tansania. Als Kontrast folgte „Da unten im Tale“ von Johannes Brahms und schließlich „Ein Jäger aus Kurpfalz“. Allerdings wurden davon nur die Strophen eins, zwei und fünf gesungen. Moderator Marius Pollmer erläuterte, weshalb: „In den ausgelassenen Passagen wird ausgeführt, was man im Wald so machen kann. Der Jäger ist der Kurfürst Karl Theodor (1724 bis 1799), ein Charmeur, der schon viele Kinder hatte, bevor er heiratete.“ Zum Abschluss des Konzertes erfreuten die Bissersheimer das Publikum in der gut gefüllten Halle unter anderem mit dem Gospel „Lord, Reign In Me“ von Brenton Brown. Eher besinnlich war das, was der Gemischte Chor des MGV Offstein mit seinem Dirigenten Frank Aiglstorfer vortrug. „Still ruht der See“, ein Schlaflied, das gut in die Jahreszeit passt, „Leise erklingen die Glocken der Liebe“ und das etwas flottere, religiöse Stück „Da berühren sich Himmel und Erde“. Später offerierte diese Singgemeinschaft unter anderem noch einen temperamentvollen Tango („Tanze mit mir in den Morgen“). Beispielsweise das Gotteslob „10.000 Reasons“ von Matt Redman und das Christmas Spiritual „I Sing Holy“ interpretierte die Formation SingApur des MGV Offstein. Mit rund 30 Akteuren auf der Bühne stellte sie die größte (und vom Altersdurchschnitt her wohl auch die jüngste) Gruppe an dem Abend. „Aber es fehlen einige. Eigentlich sind wir deutlich mehr als 50 Sänger“, erläuterte Aiglstorfer, der hier ebenfalls den Taktstock schwang. Interessant war es, zwei Versionen des Maffay-Hits „Ich wollte nie erwachsen sein“ im Vergleich zu erleben – von SingApur und von Sing and Swing aus Laumersheim, bei dem Karla Kronenberger für den verhinderten Chorleiter Alwin Dinges dirigierte. Letztere ließ einzelne Stimmlagen jeweils separat verschiedene Passagen singen, was wunderbar klang. Bei der Variante der Offsteiner wurde auf das Intro verzichtet und die Dynamik war stark betont, sodass es sich anhörte, als würde der Lautstärkenregler immer wieder auf- und zugedreht. Diesen Effekt nutzte Aiglstorfer auch in anderen Liedern. Die Laumersheimer hatten auch „Weit weit weg“ des österreichischen Liedermachers Hubert von Goisern, die afrikanische Hymne „Siyahamba – We Are Marching In The Light Of God“ und „Hallelujah“ im Gepäck. Beim Refrain des Leonard-Cohen-Stücks sangen auch einige Besucher mit. Beim Bissersheimer Liederabend sind nach Auskunft der Vorsitzenden Stefanie Wehrfritz jedes Jahr wechselnde Singgemeinschaften dabei. „Ich finde es interessant, das Liedgut der anderen kennenzulernen“, meinte sie. Winfried Bierhenkel, Vorsitzender des Kreischorverbandes Nordpfalz, begrüßt solche Veranstaltungen. Zur RHEINPFALZ sagte er: „Es ist gut, wenn sich die Chöre gegenseitig einladen und sich so klassisches Liedgut mit Pop und Swing mischt.“ Bei der Ehrung lobte er die jahrzehntelangen Bemühungen, Kulturgut zu erhalten und weiterzugeben, dabei auch viel (Proben-)Arbeit nicht zu scheuen. Besonders gewürdigt wurde Ehrenvorsitzender Edwin Ohlinger, der seit 60 Jahren dabei ist, und das „nach wie vor mit Leib und Seele“, wie Wehrfritz es formulierte. Mit 15 Jahren ist Ohlinger dem Chor beigetreten, war immer sehr engagiert, hat auch 18 Jahre lang dem Verein vorgestanden „und das Chorleben entscheidend geprägt“. EHRUNGEN Für 60 Jahre wurde Edwin Ohlinger gewürdigt, für 50 Jahre Gunter Pfaffmann. Seit 40 Jahren dabei sind Bernd Jantzen, Marianne Müller, Heide Ohlinger und Hedi Wendel.

x