Kirchheim RHEINPFALZ Plus Artikel Kreuzungsbahnhof: Können bald die Bagger anrollen?

Seit einigen Jahrzehnten ist der Bahnhof Kirchheim nur ein eingleisiger Haltepunkt. Dieser soll demnächst in einen Kreuzungsbahn
Seit einigen Jahrzehnten ist der Bahnhof Kirchheim nur ein eingleisiger Haltepunkt. Dieser soll demnächst in einen Kreuzungsbahnhof umgebaut werden.

Eine endlose Geschichte scheint sich dem Ende zu nähern: Seit mehr als zehn Jahren wird über einen Kreuzungsbahnhof in Kirchheim diskutiert, am 24. November 2014 hätte er in Betrieb gehen sollen. Viel Staub wurde um das Projekt aufgewirbelt, aber noch kein Stein bewegt. Jetzt ist der Spatenstich in Sicht.

Es bewegt sich etwas an dem 1873 eröffneten Bahnhof in Kirchheim. Vor einigen Jahrzehnten wurde er zu einem eingleisigen Haltepunkt rückgebaut; jetzt soll wieder ein zweiter Schienenstrang gelegt werden: Auf südlicher Seite sind ein 350 Meter langes Überholgleis und ein neuer Bahnsteig vorgesehen, damit Züge aus entgegengesetzten Richtungen wie früher aneinander vorbeifahren – sich also kreuzen – können.

Eine Maßnahme, die einen großen Effekt hätte. Denn dann ließen sich in der Hauptverkehrszeit zusätzliche Züge einsetzen und es könnte endlich der „Rheinland-Pfalz-Takt 2015“ verwirklicht werden. Demnach soll die Bahn, etwa zwischen Grünstadt und Frankenthal alle 30 Minuten fahren. Aktuell ist es nicht möglich, dass in beiden Richtungen halbstündlich Züge verkehren, weil sie sich auf dem eingleisigen Abschnitt zwischen Grünstadt und Freinsheim begegnen würden. Ziel ist eine durchgängige Verbindung von Monsheim bis Frankenthal, sodass man die Metropolregion Rhein-Neckar mit nur einmaligem Umsteigen erreichen kann.

Arbeiten sollen im kommenden Jahr beginnen

Mit dem Bau des Kreuzungsbahnhofs „scheint es tatsächlich bald loszugehen“, sagt Ortsbürgermeister Kay Kronemayer (FWG). Das Planfeststellungsverfahren zu dem Projekt, mit dem sich der Gemeinderat schon 2010 auseinandergesetzt hat, sei abgeschlossen. Viel konkreter als der Ortschef wird auch ein Sprecher der DB Netz AG nicht. Auf Nachfrage teilt er mit: „Die Arbeiten sollen voraussichtlich im kommenden Jahr beginnen.“ Damit könnte bei einer Bauzeit von zehn Monaten spätestens 2023 das Ziel eines sehr steinigen Wegs erreicht sein, auf dem viele Gremien, Behörden und ein Gericht beschäftigt wurden.

Als der Kirchheimer Rat im Mai 2011 den Planungsauftrag an das Ingenieurbüro MIP in Neustadt vergeben hatte, war noch von 470.000 bis 530.000 Euro Gesamtkosten die Rede. Zehn Monate später hatte sich der veranschlagte Preis mit 5,8 Millionen Euro mehr als verzehnfacht, da für den Kreuzungsbahnhof doch deutlich mehr umzubauen und neu zu errichten war, als ursprünglich gedacht. Der Baubeginn wurde auf den 3. Februar 2014 terminiert, die Einweihung sollte am 24. November desselben Jahres stattfinden.

Dass bis heute kein Bagger angerückt ist, hat viele Ursachen. Zu ersten Verzögerungen kam es, weil der Rat zweimal seine Zustimmung zu dem Vorhaben verweigerte. Zum einen, weil von der Ortsgemeinde plötzlich eine Kostenbeteiligung in unbekannter Höhe gefordert wurde, zum anderen weil Unterlagen Fehler enthielten. Der Februar 2014 verstrich dann ohne Spatenstich.

Zwei Monate später informierte die Bahn darüber, dass es bei der EU-weiten Ausschreibung „Unwägbarkeiten“ gegeben habe und die Inbetriebnahme des Kreuzungsbahnhofs auf Dezember 2015 verschoben werde. Im Klartext: Ein Baulärmgutachten zeigte, dass die Grenzwerte nach den bisherigen Plänen nicht eingehalten werden. Insofern mussten die Planunterlagen geändert und bis 4. Februar 2015 erneut ausgelegt werden. Zahlreiche Einwendungen wurden eingereicht. Inzwischen sollte das Projekt mit 7,6 Millionen Euro zu Buche schlagen.

Derweil war das ganze Dorf, durch dessen Weinstraße sich damals noch täglich 15.000 bis 19.000 Fahrzeuge quälten, in Aufruhr. Denn im Sommer 2014 hatte die Bahn erklärt, dass die Schranken bei der Begegnung zweier Züge für jeweils bis zu fünf Minuten geschlossen werden müssten. Die Kirchheimer befürchteten endlose Staus und blockierte Winzerhöfe, Rettungswagen kämen nicht schnell genug zu ihren Einsatzorten. 2016 hatte sich schließlich der Petitionsausschuss des Bundestages mit der Forderung von Bürgern und der Ortsgemeinde zu befassen, dass der Bahnhof erst umgestaltet wird, wenn die seit August 2015 in Bau befindliche Westumgehung „B 271 neu“ eröffnet ist. Die negative Antwort aus Berlin war bald darauf zu verschmerzen, weil die DB Netz AG selbst für weitere Verzögerungen sorgte, indem sie den Bund verklagte. Die Bauherrin war mit Auflagen im Planfeststellungsbeschluss vom 29. August 2017 nicht einverstanden. Beispielsweise sollte nur in den Schulferien und außerhalb der Freiluftsaison gebaut werden, was die Umsetzung des Projektes laut Bahn „in nicht hinnehmbarer Weise“ erschwerte. Das Oberverwaltungsgericht in Koblenz gab der Klägerin in seinem Urteil vom 10. Oktober 2018 Recht.

Öffentlicher Nahverkehr soll gestärkt werden

Das Eisenbahn-Bundesamt musste daraufhin einen neuen Planfeststellungsbeschluss erarbeiten. In dem 96-seitigen Papier vom 15. Dezember 2020 ist nach Auskunft des Bahnsprechers jetzt unter anderem geregelt, dass „nicht lärmintensive Arbeiten doch auch nachts erfolgen dürfen“. So ist genau angegeben, wie laut es maximal zwischen 20 und 7 Uhr sein darf – als Zumutbarkeitsgrenze werden 60 Dezibel genannt. Bei Arbeiten in „besonders geschützten Zeiten“, auch an Sonn- und Feiertagen, seien Ausnahmegenehmigungen zu beantragen. Die Investitionssumme für den Kreuzungsbahnhof gibt der Sprecher mit rund zehn Millionen Euro an.

Bürgermeister Kronemayer sieht den Vorteil in dem Projekt vor allem darin, dass durch das zweite Gleis der öffentliche Nahverkehr gestärkt wird. „Auch ist gut, dass wir endlich den Umbau der Verladestraße in Angriff nehmen und dort Parkplätze einrichten können“, sagt er. Insofern gehe es mit der Umgestaltung der Ortsmitte ein Stück weiter. Allerdings ist der FWG-Mann auch skeptisch: „Es gibt noch einige offene Punkte, etwa wie sich die verlängerten Schließzeiten der Schranken auswirken und wie stark die zusätzliche Lärmbelastung für die Anwohner sein wird.“ Antworten brächten erst Erfahrungswerte, Simulationen reichten da nicht aus.

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