Grünstadt Kleiner Pflanze Kraft verliehen

Auch die Sopranistin Felicity Förster war zum Abschluss des Liedersommers Kirchheim zu hören.
Auch die Sopranistin Felicity Förster war zum Abschluss des Liedersommers Kirchheim zu hören.

Ein großartiges Abschlusskonzert ihres Meisterkurses bei Professor Olaf Bär haben die jungen Sängerinnen und Sänger geboten, die während des Kirchheimer Liedersommers an ihrer Präsentationstechnik für Kunstlieder gearbeitet hatten. Am Freitagabend lauschten 60 Zuhörer in der protestantischen Kirche in Kirchheim den Vorträgen, die erwarten lassen, dass mancher der Interpreten in Zukunft auf sich aufmerksam machen wird.

Drei Sopranistinnen und zwei Baritone gestalteten den Abschluss des von Barbara Baun organisierten Liedersommers, der bereits im Laufe der Woche während der öffentlichen Proben und während eines überaus interessanten Werkstattkonzerts eine Lanze für das Kunstlied in althergebrachter, aber auch sehr moderner Form gebrochen hatte (wir berichteten). Einige der Zuhörer am Freitag hatten die Probenarbeit von Olaf Bär in der Grundschule beobachtet, sie konnten am besten beurteilen, welche teils enormen Fortschritte die jungen Sänger gemacht haben. Für andere war es ein großartiges Konzert aufstrebender junger Interpreten. Mit „Jemand“ (Myrthen op. 25) eröffnete Georgia Capello, begleitet von Chanmi Lee, das Konzert. Die Sopranistin glänzte mit einer ausbaufähigen Stimme, gestaltete gefällig zwei weitere Lieder von Felix Mendelssohn (Neue Liebe op. 19, Nr. 4 und Anderes Maienlied op. 8, Nr. 8). Manches wirkte verhalten, die Interpretation zurückhaltender als bei den übrigen Sängern. Dennoch belegte schon dieser Einstieg die große Klasse, die alle Teilnehmer des Meisterkurses schon vor dieser Woche voller Intensivproben erreicht und jetzt vervollkommnet hatten. Aus dem Programm stach Robin Grunwalds Vortrag von „The Roadside Fire“ (Songs of Travel Nr. 3) von Ralph Vaughan Williams heraus, eines von zwei englischen Kunstliedern. Der junge Bariton wagte sich als einziger zudem an das Werk eines Zeitgenossen, das Lied „Wir ziehen treulich auf die Wacht“ von Aribert Reimann (geb. 1936). Reimann lehrte an der Hochschule der Künste in Berlin und gilt als einer der bedeutendsten Komponisten der Gegenwart. Entsprechend modern klang auch das gewählte Lied, das teils auf Sprechgesang zurückgreift. Grunwald wirkte nicht durch Volumen und Kraft, sondern durch seinen gewählt zurückhaltenden Vortrag, was ihm viel Applaus des Publikums brachte. Zu diesem trug maßgeblich auch Mayu Yamauchi am Flügel bei, die wohl die einfühlsamste Begleiterin des Abends war. Die jungen Pianistin entlockte dem Instrument sanfte Klänge, bestach durch einen gefühlvollen, bedachten Anschlag – sehr beeindruckend. Deutlich kraftvoller, dafür aber mächtiger spielte Anna Anstett, was wiederum Sängerin Felicity Förster sehr entgegenkam. Die junge Sopranistin glänzte mit Stimme und Bühnenpräsenz gleichermaßen bei Liedern von Hans Pfitzner (Im Herbst op. 9 Nr. 3, Hast du von den Fischerkindern op.7 Nr. 1) und Erich Korngold (For The Rain It Raineth Every Day, Songs of a Clown Nr. 5). Förster weiß, wie sie ihr Publikum für sich einnimmt, sie verleiht dem Kunstlied eine gewisse Arienhaftigkeit, für manchen Zuhörer vielleicht etwas zu heftig, insgesamt aber sehr gefällig, auch hier großer Applaus. Wirklich großartig sang Hae Yeon Lee, die von Chanmi Lee begleitet wurde, „Kornblumen“ von Richard Strauss. Großes Volumen feinfühlig eingesetzt, bestechend in der Aussprache, ein makelloser Vortrag. Auch beim „Elfenlied“ von Hugo Wolf und Edgar Griegs „Ein Traum“ (op. 48) konnte die Sopranistin restlos überzeugen. Den fulminanten Schlusspunkt des Abends setzte Buyan Li mit Schuberts „Ganymed“ sowie der „Fußreise“ und „Seemanns Abschied“ von Hugo Wolf. Noch in den Proben zurückhaltend agierend, hat sich Li, der von Yeon Seo Ra großartig begleitet wurde, als Liedgestalter hervorgetan. Wie kaum ein anderer Akteur des Abends wusste er zu überzeugen durch perfekte Artikulation, bestechende Dynamik, Ausdruck und enormen Gestaltungswillen. Vom Publikum gab’s langanhaltenden Applaus. Was alle Sänger geschafft haben, ist, „der kleinen Pflanze Kunstlied Kraft zu verleihen“, wie es Olaf Bär in seinem Schlusswort zusammenfasste.

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