Kirchheim
Kirchheimer Liedersommer: Interessante Einblicke in den Meisterkurs
Mittagszeit in der St. Andreas Kirche in Kirchheim: Die Sopranistin Karera Fujita und Sena Uto haben ihre Plätze im Chorraum eingenommen. Die Anspannung bei den beiden jungen Frauen ist zu spüren. Gleich müssen sie erstmals das „Lied der Suleika“ (der Text stammt übrigens von Goethe) vortragen, eine Komposition großer Ausdruckskraft und Dichte, die Robert Schumann geschaffen hat.
Soweit das Anforderungsprofil: Fujita und Uto liefern ihre vorab natürlich geprobt Version ab – für den Laien ist das schon ein Hörerlebnis, doch da geht noch was. Es dauert nicht lange, bis die Dozentinnen Sibylla Rubens, die auch als Privatdozentin für zahlreiche internationale Sänger tätig ist und unter anderem die Oratorienklasse am Leopold-Mozart-Zentrum der Universität in Augsburg leitete, eingreift. Ihre Kritik ist an der Gestaltung der Ritardandi aufgehängt. Rubens vermisst eine klare Richtung, sie vermittelt Fujito, dass sie die Betonung auf andere Worte legen muss, die Ritardandi (drei an der Zahl) grundlegend anders gestalten soll. Rubens singt vor, zeigt worauf es ankommt, denn erstaunlich gut artikuliert die japanische Meisterschülerin auch bereits vorher schon. Beachtlich: Rubens zeigt Fujito, wie sie durch die eigene Gestik ihren Vortrag verbessert. Erstaunlich: Wie schnell die Ratschläge der Dozentin wirken. Innerhalb von wenigen Minuten bekommt der gesamte Gesang einen feineren Klang, wird noch deutlicher für den Zuhörer, alles wird durchsichtiger, schimmernder, brillanter. Die junge Japanerin macht sich eifrig Notizen, verändert ihre Haltung. Sie singt freier auf, gestaltet das Schumannlied immer besser.
„Du musst voranschreiten“
Zeitgleich nimmt Barbara Baun die Korrekturen bei der Pianistin vor. „Du musst hier voranschreiten, sie ist ja mit dem Gesang schon da“, lautet einer der Sätze, die sie an Uto richtet. Nicken bei der Pianistin, die vorspielt und wiederholt bis die Dozentin zufrieden nickt.
Die Vorgänge wiederholen sich auf beiden Seiten. Immer wieder greifen Rubens und Baun ein, korrigieren, ergänzen, erklären, warum gerade die Musik von Schumann auf besondere Weise zu interpretieren ist und welche Effekte der Komponist durch seine Artikulation erreichen wollte. So ist eine Besonderheit, dass Schumann in seinen Liedern nur selten den ersten Schlag in einem Takt betont, sondern in den Takten andere Schwerpunkt setzt, oft in der Taktmitte durch ein kurzes Betonen oder durch Veränderung der Dynamik eben solche Effekt erreichen will.
Wie sie das umsetzen können, das vermitteln die beiden Dozentin den Meisterschülerinnen intensiv. Und am Ende steht auch der Applaus der beiden für ihre Schülerinnen. Fujito ist anzumerken, dass sie alles Vermittelte wie ein Schwamm aufgesaugt hat.
Es bleibt Zeit für Schumanns „Volksliedchen“. Ganz kurz kehrt bei der Sopranistin die Anspannung der ersten Minuten wieder zurück, dann besinnt sie sich auf das eben Umgesetze und wendet es auch auf das zweite Schumann-Lied an. Ziel des Meisterkurses erreicht – befreites Aufatmen.
Termin
Heute findet um 19.30 Uhr das Werkstattkonzert in der protestantischen Kirche in Kirchheim mit dem Titel „Aurora borealis – Nordlicht-Zauber“ statt. An der Uraufführungen und anderen zauberhaften Liedern wirken Schüler des Leininger-Gymnasiums Grünstadt sowie die Studierende und AbsolventInnen der Musikhochschule Mannheim mit. Eintritt: 15 Euro, Schüler/Studenten 8 Euro.