Grünstadt
Kirchheim: Weiterhin offen, wann der Kreuzungsbahnhof gebaut wird
Vor fünf Jahren hätte der Kreuzungsbahnhof in Kirchheim eigentlich in Betrieb gehen sollen. Es gibt ihn immer noch nicht. Getan hat sich allerdings trotzdem was: Der Bau hat viele Gremien, Behörden und zuletzt ein Gericht beschäftigt.
Am bisher eingleisigen Zug-Haltepunkt in Kirchheim sollen auf südlicher Seite ein 350 Meter langer zweiter Schienenstrang und ein neuer Bahnsteig entstehen. Damit können Züge aus entgegengesetzten Richtungen aneinander vorbeifahren, sich also kreuzen. Der Direktor des Zweckverbands Schienenpersonennahverkehr Rheinland-Pfalz Süd, Michael Heilmann bedauert, dass sich der Bau so stark verzögert. Er sagt: „Der Kreuzungsbahnhof hat für uns weiterhin hohe Priorität.“ „Diese Infrastrukturmaßnahme ist Voraussetzung für die Einführung eines 30-Minuten-Taktes zwischen Grünstadt und Frankenthal. Mit einem Umstieg auf die S6 in Frankenthal-Süd würde man dann auch Ludwigshafen und Mannheim alle halbe Stunde erreichen“, erklärt er. Darüber hinaus könne die Linie Monsheim – Grünstadt umsteigefrei nach Frankenthal verbunden werden. In der Hauptverkehrszeit könne man zusätzliche Züge einsetzen, um die Verbindungszeiten zu verkürzen.
Geplantes Einweihungsdatum: November 2014
Ein Vertreter der Deutschen Bahn hatte bei einer Ratssitzung im Kirchheim Anfang März 2012 davon gesprochen, dass der Kreuzungsbahnhof am 24. November 2014 eingeweiht werden soll. Dass nach wie vor kein Stein bewegt und keine Weiche installiert wurde und das Vorhaben inzwischen um einiges teurer werden dürfte als die zuletzt geschätzten knapp acht Millionen Euro, hat mehrere Ursachen. Die ersten Irritationen traten bereits bei besagter Sitzung auf. Denn dem Rat, der sich schon seit Dezember 2010 mit der Wiederherstellung des vor Jahrzehnten rückgebauten Kreuzungsbahnhofs befasst hatte, wurde mitgeteilt, dass die Ortsgemeinde sich an den Kosten zu beteiligen habe: ein Drittel der Aufwendungen für die Ampel und für die Anpassung der Bürgersteige an den Übergängen auf Weinstraße und Kleinkarlbacher/Bissersheimer Straße. Da die Höhe des plötzlich geforderten Eigenanteils nicht definiert war, vertagte der Rat die Zustimmung zu dem Bauprojekt. Ein weiteres Mal musste ein Beschluss zu diesem Thema verschoben werden, weil die Unterlagen mehrere Fehler enthielten.
Im April 2014 kündigte die Bahn dann eine Verschiebung der Inbetriebnahme auf Dezember 2015 an, weil es bei der EU-weiten Ausschreibung „Unwägbarkeiten“ gegeben habe. Der damalige Ortsbürgermeister Robert Brunner (CDU) wusste von Einwänden gegen das Vorhaben. Die nächsten Probleme entstanden im Sommer 2014, als die Bahn informierte, dass es bei der Begegnung zweier Züge unerlässlich sei, die Schranken für jeweils bis zu fünf Minuten zuzumachen. Das Dorf, durch das sich zu dem Zeitpunkt noch täglich mindestens 15.000 Fahrzeuge quälten, ging auf die Barrikaden. So lange Schließzeiten würden zu endlosen Staus führen, Rettungswege und Winzer würden blockiert. Schließlich wurde die Forderung bis in den Petitionsausschuss nach Berlin getragen, dass der Bahnhof erst umgestaltet wird, wenn die Westumgehung „B 271 neu“ eröffnet ist. Aus der Bundeshauptstadt kam keine Unterstützung: Nach einer „Bedenkzeit“ von neun Monaten wurde mitgeteilt, dass die beiden Bauprojekte nichts miteinander zu tun hätten.
Das Eisenbahn-Bundesamt muss noch mal ran
Der Bauherr, die DB Netz AG, verklagte den Bund vor dem Oberverwaltungsgericht in Koblenz, weil sie mit Auflagen im Planfeststellungsbeschluss vom 29. August 2017 nicht einverstanden war. Diese Nebenbestimmungen betreffen unter anderem den Bauablauf und den Lärmschutz. So wird verlangt, dass die Bahn nur in den Schulferien und außerhalb der Freiluftsaison baut, um Anwohner und Gaststätten in dem Bereich zu schonen. Diese Forderungen sind laut einer Bahnsprecherin unverhältnismäßig „und erschweren die sachgerechte Umsetzung des Projektes in nicht hinnehmbarer Weise“. Das sah das Gericht genauso und gab der Klägerin vor Kurzem Recht. Deswegen muss das Eisenbahn-Bundesamt seinen Planfeststellungsbeschluss jetzt überarbeiten.
Bürgermeister Kay Kronemayer (FWG) steht dem Projekt ambivalent gegenüber. Einerseits ist es ihm gar nicht so unrecht, wenn der Kreuzungsbahnhof noch auf sich warten lässt. Er sagt: „Die dank der Umgehungsstraße deutlich verbesserte Verkehrssituation ändert nichts daran, dass die Rettungsdienste die Straße nicht queren können, wenn die Schranken geschlossen sind.“ Auch werde die Lärmbelastung für die Anwohner steigen. Andererseits ermögliche das zweite Gleis, das Zugangebot zu erhöhen, wodurch der öffentliche Nahverkehr gestärkt werde, was sehr zu begrüßen sei. Zudem hängt vom Kreuzungsbahnhof der Ausbau der Verladestraße ab. Dort will die Ortsgemeinde ausreichend Parkmöglichkeiten schaffen. „Insofern“, so Kronemayer, „ist die Verzögerung in Bezug auf die Dorfgestaltung ein Ärgernis“.