Grünstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Kirchheim: Mit Krach gegen gefräßige Stare

Ansgar Galler, Vorsitzender der Bauern- und Winzerschaft Kirchheim, mit einem akustischen Signalgerät. Foto: Benndorf
Ansgar Galler, Vorsitzender der Bauern- und Winzerschaft Kirchheim, mit einem akustischen Signalgerät.

Seit einer knappen Woche knallt es wieder in den Weinbergen. ebenfalls zu hören sind aufgeregte Vogelschreie in verschiedenen Varianten. Die lauten Geräusche, die von Geräten erzeugt werden, sollen hungrige Stare abwehren. „Wir machen das nicht, um die Anwohner zu ärgern, sondern um die Trauben zu schützen“, sagt Ansgar Galler, seit Januar der Nachfolger von Volker Benzinger als Vorsitzender der Bauern- und Winzerschaft Kirchheim.

„Stare, die sich zu riesigen Schwärmen formieren, richten enorme Schäden an“, erklärt der 45-Jährige. Manche Bürger hätten kein Verständnis für die Starenabwehr und beschwerten sich regelmäßig bei der Ortsgemeinde. Der Küfermeister wünscht sich ein stärkeres Miteinander. Er selbst ärgere sich beispielsweise über die Hinterlassenschaften von Hunden, die oft mitsamt den Kotbeuteln aus Plastik zwischen den Rebzeilen liegen. Und über Wanderer, die demonstrativ so durch die Wingerte liefen, dass er mit den landwirtschaftlichen Fahrzeugen nicht vorbeikomme.

Zurück zu den Staren: Diese fielen vor allem in den Morgen- und Abendstunden in die Weinberge ein und könnten diese komplett kahlfressen, sodass nur noch die Rippen stehen bleiben. Bevorzugt werden rote Trauben. Durch die Lärm machenden Apparate würden die Vögel verscheucht. Auf der Kirchheimer Rebfläche von insgesamt rund 220 Hektar seien knapp 30 Geräte im Einsatz. „Sie werden gemäß den gesetzlichen Vorschriften in einer Entfernung von mindestens 800 Metern von der nächsten Wohnbebauung aufgestellt“, so Galler.

In Kirchheim und Obrigheim gibt es Weinbergshüter

Rund ein Dutzend der Geräte ahme in erheblicher Lautstärke Schüsse nach – nach dem Zufallsprinzip oder über Funk per Fernbedienung ausgelöst. Die Steuerung dieser mit Gasflaschen verbundenen Knallapparate übernähmen Weinbergshüter. Laut dem Leitenden Beamten der Verbandsgemeinde Leiningerland, Jürgen Esser, beschäftigen Kirchheim und Obrigheim solche Mitarbeiter.

Weil nach Expertenmeinung eine Mischung der Schussapparate mit Batterie betriebenen Automaten, die Vogelschreie imitieren, besonders effektiv ist, hat die Ortsgemeinde Kirchheim vor drei, vier Jahren zusätzlich etwa 15 solcher akustischen Geräte angeschafft. Ob das wirklich besonders viel bringt, müsse sich nach längerer Beobachtung zeigen, sagt Galler. Eine weitere Methode der Starenabwehr werde andernorts getestet: Attrappen von Raubvögeln, die an zehn Meter langen Stangen über den Weinbergen im Wind flattern. Die Weinbergshut wird durch eine jährliche Abgabe der Winzer in Höhe von 30 Euro pro Hektar finanziert.

Die Apparate kosten bis zu 700 Euro

„Die Apparate kosten zwischen 500 und 700 Euro pro Stück“, informiert Esser. Hinzu kämen Aufwendungen für das Aufstellen, für Wartungen und Reparaturen. Wie viele Anlagen es im Bereich der VG gibt, kann er nicht sagen, weil die zuständigen Kollegen in Urlaub sind. Auch weiß Esser nichts über das Ausmaß von Vandalismusschäden. Galler sagt, dass die Zerstörungswut allgemein zugenommen habe: „Es werden Schläuche durchgeschnitten, Gasflaschen gestohlen oder gleich die ganzen Geräte.“

Den Winzern bleibe jedoch nichts anderes übrig, als diese Apparate einzusetzen. Sie werden – abhängig vom Wetter – bis maximal Anfang Oktober aktiv sein. „Ernteausfälle durch Stare können wir im Gegensatz zu Schäden durch Hagel, Frost oder Sturm nicht versichern“, erläutert Galler. Durch den Klimawandel hätten er und seine Berufskollegen an vielen Fronten zu kämpfen. So habe es in diesem Sommer Hagelschlag gegeben, der vor allem den Trauben in der Lage Steinacker zugesetzt habe. Der Tornado, der Mitte Juli über das Leiningerland hinweggefegt ist, hat auch auf zehn Hektar Anbaufläche des Biobetriebs Galler Spuren hinterlassen. „Wir mussten 250 Weinbergspfähle wieder aufrichten“, erzählt der 45-Jährige.

Außerdem sei er von der anhaltenden Trockenheit betroffen, die vor allem den jungen Reben zusetzt, denen das Wasser speichernde Altholz und Wurzelwerk fehlt. Mit Blick auf die sich verändernden Witterungsverhältnisse hat der Ökowinzer seit 2012 auf mehr als 50 Prozent seiner Fläche neue Sorten angepflanzt. Darunter sind solche, die weniger anfällig für den echten und den falschen Mehltau sind, wie Muscaris, Sauvignac und die rote Neuzüchtung Satin Noir. Überlegungen, gemeinsam in der 15 Mitglieder starken Bauern- und Winzerschaft Beregnungsanlagen anzuschaffen, stehe entgegen, dass die Ressource Wasser zunehmend knapp wird.

Warnschild an einer Rebzeile in Kirchheim.  Foto: Benndorf
Warnschild an einer Rebzeile in Kirchheim.
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