Grünstadt und Leiningerland
Kirchheim: Konzertwinter-Saison endet mit musikalischen Kostbarkeiten
In den vergangenen Jahren hat sich Wörner, der weltweit über beste Beziehungen zu den Spezialisten für historische Aufführungspraxis verfügt und dem es immer wieder gelingt, diese an die Weinstraße zu rufen, dem Kantatenschaffen des einst in Darmstadt wirkenden, bislang kaum beachteten Bach-Zeitgenossen Christoph Graupner (1683-1760) gewidmet. Mittlerweile wurden auch mehrere CDs mit dieser ungemein farbig instrumentierten Musik veröffentlicht.
Jetzt ist Wörner dabei, ein neues, ebenfalls unbekanntes Feld zu erschließen: die eigentlich nur Musikhistorikern bekannte Düben-Sammlung. Benannt wurde diese nach der ursprünglich aus Sachsen stammenden Musikerdynastie, die im 17. Jahrhundert über drei Generationen hinweg den Königen von Schweden als Hofkapellmeister diente, wobei man den Bezug zur Pfalz nicht übersehen darf, kamen doch die Könige Carl X. bis Carl XII. aus dem Wittelsbacher Haus Pfalz-Zweibrücken.
Ein Dutzend Stücke, ausgesucht aus 2300 Werken
Aus dem immensen Fundus von über 2300 Werken in unterschiedlicher Besetzung, von den Mitgliedern der Familie Düben über einen Zeitraum von 80 Jahren zusammengetragen, wurde am Wochenende in Kirchheim ein Dutzend Kompositionen von vorwiegend unbekannten Meistern des späten 17. Jahrhunderts vorgestellt. Reine Instrumentalwerke mit tänzerischen Einlagen – oft vom Vierer- zum Dreiertakt wechselnd – sowie Vertonungen meist lateinischer Texte für Bass und Instrumente: Einführung in eine den meisten Konzertbesuchern kaum bekannte, faszinierende Klangwelt, die trotz bewegter Teile eine unglaubliche Ruhe ausstrahlt.
Dafür verantwortlich waren in erster Linie die samtenen Töne der beiden Gambistinnen Frauke Hess und Juliane Laake, unterstützt von einer ebenfalls sonoren Generalbassgruppe mit Matthias Müller (Violone), Julian Behr (Laute), Adrian Rovatkay (Dulzian – ein Vorläufer des heutigen Fagotts) sowie Jörg-Andreas Bötticher, der von der überaus dezent eingesetzten Truhenorgel als aufmerksamer und subtiler Impulsgeber das Geschehen koordinierte. Bewusst im Kontrast dazu – und dies ganz im Sinne der Komponisten des späten 17. Jahrhunderts – die beiden hell timbrierten Barockviolinen von Katharina Heutjer und Johannes Frisch, die in den beiden Solo-Sonaten mit Generalbass-Begleitung Stuttgarter Hofmusicus Johann Michael Nicolai (1629-1685) ihre Fingerfertigkeit unter Beweis stellten.
Weder brav noch glatt gebügelt
Vom Stuttgarter Hofkapellmeister Samuel Capricornus (1628-1665) erklangen zwei lateinische Solo-Motetten für Bass und Instrumentalensemble, in denen Dominik Wörner bereits die gesamte Palette seiner enormen Gestaltungsmöglichkeiten zum Ausdruck bringen konnte, wohl wissend, dass geistliche Musik nicht brav und glatt gebügelt, sondern dem auszudrückenden Wort entsprechend dynamisch zu interpretieren ist, was in dem abschließenden Werk „Laetatus sum“ („Ich freute mich“) von Carlo Pallavicino (1630-1688), zeitweise in Dresden wirkend, seinen absoluten Höhepunkt fand.
Am Ende applaudierte das Publikum im Stehen – und das ungewöhnlich lange. Ein untrügliches Zeichen, dass das ungewohnte Programm beim Publikum voll angekommen war.
Erfolgreicher Abschluss
Es war damit auch der Abschluss einer Konzertwinter-Saison, mit der Wörner ungemein zufrieden sein konnte. In der Regel waren die Konzerte gut besucht, die Zuschauermarke „100 plus“ wurde stets geknackt. „Es geht aber ja nicht nur um die Quantität, sondern auch um die Qualität des Gebotenen. Ich denke, wir konnten das Niveau da weiter steigern“, so Wörner stolz. Auch das Kirchheimer Fairplay – es gibt keinen festgelegten Eintrittspreis, sondern Zuhörer spenden, was sie für richtig halten, habe sich in diesem Jahr wieder bewährt. „Wir fahren mit diesem Sonderweg sehr erfolgreich“, so Wörner, der jetzt schon wieder in der Vorbereitung auf die kommende Saison steckt. Wörner: „Sie wird etwas Besonderes, es ist ja eine Jubiläumssaison. Wir stecken auch schon in Gesprächen und machen uns natürlich Gedanken. Verraten kann ich zum jetzigen Zeitpunkt allerdings noch nichts.“