Grünstadt Kindenheim: Paar finden ausgesetzte Nagetiere

Katrin Bessai aus Kindenheim mit den Degus: Sie hat die Nager beim Spaziergang gefunden und behalten.
Katrin Bessai aus Kindenheim mit den Degus: Sie hat die Nager beim Spaziergang gefunden und behalten.

Katrin Bessai und Dennis Betzel haben nicht schlecht gestaunt: Ihr Hund hatte bei einem Spaziergang in Kindenheim fünf Tiere gefunden. Mittlerweile wissen sie, dass es sich um Degus handelt. Die Frage ist: Was macht man, wenn man Tiere findet?

Was ist das? Bei einem Spaziergang in Kindenheim findet die Hündin von Katrin Bessai und Dennis Betzel unter einem Baum fünf zusammengekauerte „Wollknäuel“. Katrin Bessai sagt: „Wir waren ganz überrascht und wussten zuerst nicht, um welche Tiere es sich handelt.“ Das Internet hatte die Lösung: Jemand hatte junge Degus auf dem landwirtschaftlichen Weg ausgesetzt. Die aus Chile stammenden Nagetiere sind in Deutschland als Haustiere bekannt. Degus können bis zu 15 Zentimeter groß werden und ernähren sich von Heu und Kräutern.

Tiere wären erfroren

Die 34-jährige Kindenheimerin ist noch immer entsetzt darüber, dass wohl jemand die putzigen Tiere entsorgen wollte und sagt: „Wenn wir sie nicht gefunden hätten, dann wären sie in der Kälte erfroren. Das ist unmenschlich. Die vorherigen Besitzer hätten sie auch in einem Tierheim abgeben können.“ Nachdem das Paar die fünf Degus in einen Karton gesetzt hatte, ging es für die Nager erst einmal zur Routineuntersuchung zum Tierarzt. „Wir wollten sichergehen, dass es den Tieren gut geht“, so Bessai. Alle Nager, vier Männchen und ein Weibchen, sind fit. Das Weibchen haben die beiden einer Familie gegeben, die selbst schon Degu-Weibchen hat. „Das Problem ist, dass die Tiere recht schnell paarungsreif sind, deshalb haben wir sie getrennt. Wir behalten jetzt alle männlichen Tiere.“

Gehören nun zur Familie

Die vier Nagetiere genießen nun in einem großen Käfig, der mit einer Wärmelampe ausgestattet ist, ihr neues Leben. Hündin Sally ist vom Familienzuwachs angetan. Interessiert beobachtet sie die Degus, die Bessai und Betzel nach derZeichentrickserie „Die Chipmunks“ benannt haben: Alvin, Theodore, Simon und dazu kommt ein Olaf. Sie haben sich gut eingelebt, so dass Bessai die Tiere sogar auf den Arm nehmen kann. „Wir sind froh, dass sich alle Tiere von der Kälte erholt haben“, sagt sie. Die neuen Familienmitglieder möchte sie nicht mehr missen.

Wohin mit gefundenen Tieren?

Die Geschichte der heimatlosen Degus aus Kindenheim ist gut ausgegangen – doch was macht man, wenn man keine Lust oder keinen Platz hat, um ausgesetzte Tiere zu behalten? Man meldet sich bei den Fundbüros der Stadt- oder Verbandsgemeindeverwaltungen. Die Mitarbeiter dort vermitteln die Tiere weiter. Sowohl die Stadt Grünstadt als auch die Verbandsgemeinden Hettenleidelheim und Grünstadt-Land haben einen Vertrag mit dem „Tierschutzverein Worms Stadt und Land“ abgeschlossen, der ein Tierheim unterhält. Die Kommunen zahlen jedes Jahr 50 Cent pro Einwohner an den Verein. Mit dieser Summe – in Grünstadt mehr als 6000 Euro – seien alle Ausgaben abgegolten, sagt der Grünstadter Ordnungsamtsleiter Jürgen Bracht. Dazu gehörten auch die ärztliche Behandlung und der Aufenthalt im Heim. 15 bis 20 Tiere würden pro Jahr im Fundbüro gemeldet, die Stadt hat einen Vertrag mit der Tierrettung Rhein-Neckar, die die Tiere nach Worms bringt, ein Transport schlägt mit etwa 70 Euro zu Buche. Katzen und Hunde stehen auf der Liste ganz oben. Aber auch Schlangen und Schildkröten wurden schon gefunden. Ein Vorteil, der aus Sicht Brachts für das Wormser Tierheim spricht: „Dort kann man rund um die Uhr Tiere abgeben.“

Tierhilfe übernimmt Transport

Auch die Tiere, die in den Verbandsgemeinden Grünstadt-Land und Hettenleidelheim gefunden werden, werden nach Worms gebracht, wie Karl-Peter Grimm, Ordnungsamtschef von Grünstadt-Land, berichtet. Zu den Exoten unter den herrenlosen Tieren gehört hier ein Leguan, der vor Jahren in der Schule in Bockenheim ein neues Zuhause suchte. Die Anzahl der Tiere, die weitervermittelt wird, bewegt sich in normalen Jahren im einstelligen Bereich, wenn’s viele verwilderte Katzen gibt, auch Mal im zweistelligen, sagt Grimm. Bei ausgebüxten Hunden würden die Besitzer oft gefunden. Den Transport übernehmen die Tierhilfe Rhein-Neckar (außerhalb der Dienstzeiten) und der Vollzugsbeamte der Verbandsgemeinde.

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