Grünstadt
Karl Unverzagt: Der Alleskönner-Künstler
Karl Unverzagt, 1915 in Grünstadt geboren, war ein überaus vielseitiger Künstler, konnte alles, machte vieles. Er war Grafiker, Maler, Bildhauer, Designer, Kupferstecher, Teppichknüpfer und noch mehr. Ein solides handwerkliches Fundament bildete die Basis: Nach der Volksschule absolviert er eine Malerlehre in Grünstadt, setzt die Ausbildung an der Meisterschule in Kaiserslautern fort, studiert Kunst in Karlsruhe und München.
Der 22-Jährige erhält 1937 die Einberufung zum Militär, die für ihn zum bitteren Kriegsdienst wird. Ab 1941 ist er an der Ostfront als Artillerie-Offizier im Einsatz, wird mit Pinsel und Stift zu einem wichtigen Chronisten dieses Krieges und der Menschen, die ihm begegneten. Aus jener Zeit sind rund 250 Bilder erhalten, die über Kameraden und Fronturlaube in die Heimat kamen. 1944 wird Unverzagt verwundet und gerät in russische Gefangenschaft. Sein rechter Arm ist so schwer verletzt, dass er künftig mit links arbeiten muss. Im Frühjahr 1947 kehrt er aus der Gefangenschaft heim, bringt im Verband seines verletzten Armes noch 40 Zeichnungen mit.
Pfalzpreis und Bundesverdienstkreuz
Sein künstlerisches Schaffen wird bald anerkannt: 1953 erhält Unverzagt den Pfalzpreis für Grafik und 1961 den Grafikpreis des Deutschen Evangelischen Kirchentags. Von 1961 bis 1967 ist er als Industrieberater tätig, unter anderem für die Grünstadter Steingutfabrik. Ab 1968 arbeitet er als freier Künstler mit eigener Werkstatt, hat künstlerischen und wirtschaftlichen Erfolg als Gestalter großformatiger Wandbilder. Von 1968 bis 1985 entstehen 100 solcher Kunst-am-Bau-Objekte.
Mit dem Bundesverdienstkreuz wird der Grünstadter 1976 ausgezeichnet, zehn Jahre später mit dem Verdienstorden des Landes Rheinland-Pfalz. Er ist Berater für den Aufbau der grafischen Sammlung der Pfalzgalerie, im Vorstand der Arbeitsgemeinschaft Pfälzer Künstler, Dozent an zwei Hochschulen in Kaiserslautern. In Grünstadt unterrichtet Unverzagt am Gymnasium, ist als Kunsterzieher an der Ikita der Lebenshilfe tätig. 1985 ernennt ihn die Stadt zum Ehrenbürger. Würdigt ihn als „unbequemen Streiter“ für den Erhalt alter Bausubstanz, obwohl mehr als einmal nicht seinem Rat gefolgt wird.
Zu seinem 90. Geburtstag gibt es eine letzte große Ausstellung: Ein Überblick über sein Schaffen wird 2005 auf dem Hambacher Schloss gezeigt. Bis zu seinem Tod am 19. Dezember 2007 arbeitet Unverzagt unermüdlich, zehn oder mehr Stunden täglich.us
