Neuoffstein
Kampagnenstart: 800 Lkw rollen pro Tag zum Werk
Als Grund für den erwarteten Mehrertrag werden die vielen Niederschläge in diesem Sommer, vor allem im Juni und Juli, genannt. Die hätten ein gutes Massewachstum ermöglicht. Auch Stefan Mondel, als Regionalleiter bei der Südzucker AG zuständig für die Niederlassungen in Ochsenfurt/Zeil, Wabern und Zeitz sowie Offstein, sieht „witterungsbedingt im Vergleich zum fünfjährigen Mittel einen überdurchschnittlichen Ertrag“.
Was das in Zahlen ausgedrückt heißt, teilt der Rübenverband mit: „Sollten sich die derzeit geschätzten 85 Tonnen pro Hektar bewahrheiten, läge man damit knapp zehn Tonnen über dem fünfjährigen Mittel und ganze 19 Tonnen über dem Vorjahresertrag.“
Vergilbung bereitet große Sorgen
Etwa 800, mit Rüben voll beladene Lkw werden pro Tag das Neuoffsteiner Werk erreichen. So süß wie in der Vergangenheit werden sie jedoch nicht sein. Aufgrund der meist geringen Sonnenscheindauer in diesem Jahr, habe sich der Zuckergehalt eher unterdurchschnittlich entwickelt, so der Verband. „Ein großes Fragezeichen stellt allerdings noch die weitere Entwicklung der Pilz- und Vergilbungskrankheiten dar. In den letzten Wochen breiten sich diese immer stärker aus - deutlich erkennbar an einer Braun- und/oder Gelbverfärbung der Zuckerrübenblätter“, informiert die Interessenvertretung der Landwirte. Mondel bestätigt: „Aktuell sehen wir auch häufig Symptome der Vergilbungskrankheit und fortschreitenden Pilzbefall.“
Große Sorgen macht der Zuckerbranche vor allem die Vergilbung, weil dahinter die gefährliche SBR-Krankheit (SBR steht für Syndrome Basse Richesse) vermutet wird. Durch verstopfte Leitungsbahnen in den Blättern und Verfärbungen können die Pflanzen weniger Fotosynthese betreiben. Das führe zu einem „dramatischen Rückgang“ des Zuckerertrags, so der Verband.
Es laufen Studien zur Bekämpfung der Krankheit
Die Infektionen der Rüben durch die von Schilf-Glasflügel-Zikaden verbreiteten Bakterien haben in den vergangenen Jahren den Landwirten in Frankreich Einkommensverluste von bis zu 50 Prozent beschert. Auch in der Bundesrepublik breitet sich die Seuche aus. Professor Michael Rostás von der Georg-August-Universität Göttingen berichtet, dass hatte sich die befallene Fläche hierzulande 2020 mit 20.000 Hektar gegenüber dem Vorjahr drastisch erhöht habe. Es liefen Studien hinsichtlich der genetischen Toleranz der Rüben. „Die direkte Bekämpfung des Bakteriums ist nicht möglich“, sagt Rostás. Der Zuckerrübenanbauer-Verband informiert, dass er gemeinsam mit zahlreichen Partnern aus Praxis, Industrie und Wissenschaft an nachhaltigen Lösungen im Pflanzenschutz arbeite.
Im Südzucker-Werk in Neuoffstein hat wurde vor allem in „zwei geförderte Projekte investiert, durch die sich die Energieeffizienz im Bereich der Produktion erheblich steigern lässt und in Lärmschutz“, sagt Mondel. Die Kampagne werde planmäßig am 15. Januar enden.