Grünstadt „Jeder macht einen Brotwitz“
Zu den Science-Fiction-Tagen, die erneut parallel zum Kindertag des Wirtschaftsforums Innenstadt (WFI) im und am Weinstraßencenter stattfinden, ist es den Organisatoren gelungen, Tommy Krappweis nach Grünstadt zu holen. Der Komiker, Autor, Regisseur und Produzent wird seinen neuen Film „Mara und der Feuerbringer“ vorführen und ein paar Worte dazu sagen. Auch steht er für eine Autogrammstunde bei der Buchhandlung Frank bereit. Wir fragten den 43-Jährigen unter anderem, ob es ihn frustriert, dass seine Erfindung „Bernd, das Brot“ bekannter ist als sein Name.
Ich war noch nie in Grünstadt und hoffe, dass ich mehr zu sehen bekomme als das Innere des Weinstraßencenters. Die Einladung zu den SciFi-Days kam, nachdem ich auf Europas größter Fantasy-Messe „Role Play Convention“ in Köln meinen Film mit überraschend großem Erfolg vorgeführt und den RPC Fantasy Award gewonnen hatte. Die Organisatoren sprachen mich an, ich sagte erfreut zu und hier bin ich nun. Der erfolgreiche Film ist erst im April in die Lichtspielhäuser gekommen. Ursprünglich sollte er schon im Oktober 2014 starten. Was war der Grund für die Verzögerung? Zum einen lief im Oktober 2014 ebenfalls ein Film mit Christoph Maria Herbst an, was für die Promotion eher ungeschickt gewesen wäre. Zum anderen steigen die Kosten, wenn man etwas schnell fertig machen muss, wohingegen es das Budget schont, wenn man mehr Zeit hat. Eingespartes Geld konnten wir in die Qualität der Visual Effects stecken. Und das sieht man jetzt auch auf der Leinwand. Ein Film kann nie so ausführlich/detailreich sein wie die Romanvorlage. Ist es Ihnen leicht gefallen, die eine oder andere Passage aus Ihrem Buch einfach auszuklammern? Ehrlich gesagt, das war für mich kein wirkliches Problem. Ich weiß sehr genau, dass ein Film anderen Gesetzen folgt und wollte vorrangig einen guten Film drehen, der für sich selbst steht. Obwohl ich alle Dialoge neu geschrieben habe, wurde mir interessanterweise mehrfach attestiert, dass dies eine sehr gelungene Buchverfilmung, nah an der Quelle, sei. Das liegt daran, dass sich die Story wie auch die Figuren immer 100-prozentig treu bleiben und sich so der Geist des Originals eins zu eins erhält. Mit Ihrem Namen werden vermutlich weniger Leute etwas anfangen können als mit der Bezeichnung „der Erfinder von Bernd, das Brot“. Frustriert Sie das? Ganz im Gegenteil. Ich musste allerdings lernen zu akzeptieren, dass jeder Mensch erst einmal einen Brotwitz macht, bevor ein sinnstiftendes Gespräch möglich ist. Leider denken die wenigsten daran, dass Miterfinder Norman Cöster und ich im Lauf des letzten Jahrzehnts nicht nur jeden Brotwitz gehört, sondern alle auch schon selbst gerissen haben. Wie kommt man überhaupt darauf, ein depressives Kastenweißbrot mit zu kurzen Armen zu kreieren? Indem man etwas Ungewöhnliches, Originelles schaffen möchte. Das ist für uns das höchste Gut. Als Inspiration diente der Brotkorb in einem italienischen Restaurant und Normans Gesichtsausdruck, als er sagte: „Brot is’ lustig.“ Leicht mürrisch soll auch Mara sein. Packen Sie Ihre Figuren voll mit schlechter Laune und Eigenschaften, die Sie nicht zeigen dürfen, weil Sie immer lustig sein müssen? Nein, das nicht. Allerdings bin ich der festen Überzeugung, dass es bereits mehr als genug fröhliche, bunte, lustig-aufgedrehte Kinderhelden gibt. Und auch das Kind, das damals in der Sanostol-Werbung missmutig durch die Pfützen lief, hat ein Recht auf Identifikationsfiguren. Zudem sind die mürrischen Charaktere oftmals die witzigsten. Man denke an I-Aah aus „Winnie the Pooh“ oder „Marvin“ aus „Per Anhalter durch die Galaxis“. Ich selbst bespaße sehr gerne Publikum, bin aber auch glücklich, wenn ich mei Ruah hab, mei boarische. Wie schafft man es, fortwährend etwas zu schreiben und zu spielen, worüber andere lachen können? Indem man es gerne macht. Dann geht das von ganz allein. Bereits als Grundschüler standen Sie mit Humorigem auf der Bühne, haben ein Theaterstück geschrieben und einen Film gedreht. Woher kam Ihr Interesse für die Schauspielerei? Das war eher aus der Not geboren, denn rückblickend war ich wohl eher am Schreiben und Inszenieren interessiert. Das wurde vom gesamten Umfeld – inklusive mir selbst – dann gedeutet als „Interesse an der Schauspielerei“. Ich bin aber sehr zufrieden, wenn ich selbst gar nichts spielen muss und das stattdessen von Leuten erledigen lasse, die das besser können. Sie schreiben/produzieren viel für die Jugend. Haben Sie privat auch eine große Kinderschar? Genau eine einzige Tochter hab ich. Sie ist jetzt fast sieben Jahre alt. Ich glaube, die Floskel vom „inneren Kind, das man sich bewahren“ solle, greift zu kurz. Es geht meiner Meinung nach eher darum, dass man sich die Freude bewahrt. Je freudloser man ist, desto „erwachsener“ wirkt man. Daran habe ich kein Interesse. Ganz im Gegenteil. INFO Die Science-Fiction-Tage finden statt am Samstag, 27. Juni, 9 bis 18 Uhr, und Sonntag, 28. Juni, 10 bis 18 Uhr. Am Samstag, dem WFI-Kindertag, zeigt Tommy Krappweis „Mara und der Feuerbringer“ um 10.40, 12.40 und um 14.40 Uhr. Kinosaal ist der über die Außentreppe am Weinstraßencenter, Turnstraße 7, erreichbare Konferenzraum. Jeder Besucher mit Eintrittskarte kann die Regie-Vorführungen kostenlos anschauen. Von 11.15 bis 12 Uhr signiert Krappweis seine Werke am Buchladen Frank, Bahnhofstraße 3. (abf)