Grünstadt „Jeden ärgert’s, aber nix passiert“

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Ein vertrautes Bild am S-Bahnhof Ludwigshafen-Mitte: Kaputte Rolltreppen und Aufzüge, die über Wochen stillstehen. Für den Ortsvorsteher von Ludwigshafen-Mitte, Christoph Heller (CDU), und Hans-Joachim Weinmann, Behindertenbeauftragter der Stadt, ein unerträglicher Zustand. Die Deutsche Bahn macht randalierende Jugendliche für die Ausfälle verantwortlich.

„Jeder sieht’s, jeden ärgert’s, nix passiert“ – Ortsvorsteher Heller ist sauer. Seit rund sechs Jahren befasse sich der Ortsbeirat mit dem Problem, etliche Male habe sich das Gremium an den Kundenservice der Bahn gewandt – ohne nennenswerte Veränderungen. „Es ist schon fast ein Witz, dass ein Weltbetrieb wie die Bahn solche Sachen nicht beheben kann.“ Das liegt laut Heller schlichtweg an fehlendem Interesse am Standort. „In Frankfurt wäre so etwas unvorstellbar“, ereifert er sich. Dabei werde der S-Bahnhof täglich von 40.000 Reisenden genutzt und sei damit alles andere als ein Provinzhaltepunkt. Fallen dann gleichzeitig Rolltreppen und Lifte aus, ist das für Reisende, die auf einen Rollator oder Rollstuhl angewiesen sind, ein echtes Problem. Dass Jugendliche nachts nach dem Besuch einer der drei benachbarten Diskotheken die Rolltreppen absichtlich lahmlegten, indem sie – wie von der Bahn dargestellt – mehrfach den Nothalte-Knopf drückten, bestreitet Heller nicht. Der Stadt seien jedoch die Hände gebunden: „Das ist Grund und Boden der Bahn, da hat der Ordnungsdienst keine Befugnis, und die Polizei darf nur zur Verhinderung einer Straftat eingreifen“, erläutert er die fehlenden Handlungsoptionen und fordert: Die Bahn müsse zu den problematischen Zeiten einfach mehr Sicherheitspersonal einsetzen. Auch dem städtischen Behindertenbeauftragten Weinmann sind die ständig defekten Rolltreppen und Aufzüge ein Dorn im Auge. Nachdem er davon hörte, dass ein Rollstuhlfahrer wegen des kaputten Fahrstuhls genötigt war, nach Mannheim weiterzufahren, hat er sich im Mai an die Bahn gewandt. Auf eine Reaktion wartet er seitdem vergeblich. Kundenservice sehe anders aus. Die Deutsche Bahn teilt auf Anfrage mit, dass man von Klagen seitens der Stadtverwaltung nichts wisse, Beschwerden aber absolut ernst nehme. Derweil bestätigte eine Bahnsprecherin die häufigen Ausfälle der Rolltreppen und Aufzüge am S-Bahnhof-Mitte. „Wir haben dort ein kleines Problem, reparieren die Anlagen aber so schnell es geht.“ Dass die Reparaturen oft länger dauerten, liege daran, dass es sehr zeitaufwendig sei, die Ersatzteile zu beschaffen. „Jede Rolltreppe ist in ihrer Bauweise unterschiedlich und verlangt speziell angefertigte Ersatzteile“, wirbt die Sprecherin um Verständnis. Nachts an den Wochenenden mehr Sicherheitspersonal einzusetzen sei aus wirtschaftlichen Gründen „nicht machbar“. Was aber machen Gehbehinderte, wenn sie vor einem defekten Aufzug und einer stillstehenden Rolltreppe stehen und kein Personal da ist, das helfen kann? „Wir bieten für mobilitätseingeschränkte Reisende einen Mobilitätsservice an“, informiert die Bahn-Sprecherin. Menschen mit Handicap könnten bei Voranmeldung auch bei Bahnhöfen ohne Servicepersonal von Mitarbeitern am Gleis abgeholt und beim Umstieg begleitet werden. Heller und Weinmann reicht das nicht. Sie wollen weiter Druck machen. „Weder ich noch der Ortsbeirat werden damit aufhören, uns bei der Bahn zu beschweren“, kündigt Heller an.

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