Grünstadt Ist der Ruf erst ruiniert...

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Es gab ja bekanntlich einmal Zeiten , da blühten in Griechenland die schönen Künste und die Literatur, während man im Rest Europas wahrscheinlich das Wort „Grexit“ noch nicht mal hätte schreiben können. Aus dieser Zeit stammt die älteste, öffentliche Diskriminierung einer Spezies, die sich bis heute nicht mehr von diesem antiken Schmähgesang erholen konnte. Im Stück „Die Wespen“ des Dichters Aristophanes steht der Wespenstachel nämlich für den Schreibgriffel eines korrupten Richters, mit dem dieser seine Urteile festhält. Nun ist nicht überliefert, ob Aristophanes eine Naschkatze war, dem die schwarz-gelben Insekten den Dattelgenuss vergällten oder ob er gar als einer der ersten Allergiker gelten muss. Fest steht jedoch: Dass sowohl die staatliche Bürokratie als auch die Wespen ganz schön schmerzhafte Plagegeister sein können, würden wohl auch heute noch die meisten Bürger unterschreiben. Wie so oft, wenn es um Diskriminierung und Vorurteile geht, beruhen diese meist auf hartnäckigen Fehlinformationen. Man darf hier also ruhig mal eine Lanze für diese kleinen Lebewesen brechen, deren Auftauchen bisweilen ganze Gartenfeste zur panischen Auflösung zwingt. Wespen sind nämlich nützliche Zeitgenossen, mit denen auch der Mensch in friedlicher Koexistenz einen Sommer verbringen kann. Vigdis und Martin Ferlemann aus Bobenheim am Berg sind jedenfalls ganz begeistert von der beeindruckenden Hinterlassenschaft, die ihnen ein Wespenvolk am Rollladenkasten ihres Hauses vermacht hat. Die Insekten sind schließlich wahre Meister der Baukunst. „Sieht aus wie ein Kreuzfahrtschiff – oder wie Raumschiff Enterprise“, meint Martin Ferlemann staunend über das architektonische Kleinkunstwerk, das die beiden nun einer Schule als Anschauungsobjekt weitergeben wollen. Zuerst wollten die Ferlemanns das Nest natürlich entfernen lassen. Sieht man nun ihre Begeisterung über dieses kleine Wunder der Natur – sie hätten es wohl bereut. Den Sommer über sei sie schließlich nur ein einziges Mal gestochen worden, sagt Vigdis Ferlemann. Man sieht also: Mit ein wenig Rücksichtnahme und Toleranz lassen sich selbst jahrtausendealte Abneigungen ohne große Anstrengung überwinden.

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