Grünstadt Interview: Feuerwehrleute übernehmen Ersthelfer-Job
«CARLSBERG.»Die Freiwillige Feuerwehr Carlsberg plant fürs Wochenende einen Tag der offenen Tür. Seit Mitte der 1970er Jahre findet dieses Fest immer an zwei Tagen statt und hat mittlerweile Volksfestcharakter. Helmut Dell hat Wehrführer Alfred Raffel auch über die Arbeit der Feuerwehr hinter den Kulissen befragt.
Wir haben uns auf Wehrleiter-Ebene schon mehrfach ausgetauscht und auch die Ausrücke-Ordnung bei Schadensfällen neu gegliedert. Die Ausrücke-Gemeinschaft der Feuerwehren Carlsberg und Altleiningen deckt nun zusammen mit der Wehr Kirchheim-Kleinkarlbach das gesamte Leiningertal ab. Besonders tagsüber ist das eine absolut sinnvolle Lösung, denn viele Wehrleute arbeiten nicht am Wohnort. Deshalb ist es sinnvoll, mehrere Wehren schon bei der Erst-Alarmierung zusammenzuziehen. Seit gut zwei Jahren kümmert sich die Carlsberger Feuerwehr auch um Menschen, die in gesundheitlich lebensbedrohenden Situationen sind. Wie sind die Erfahrungen? Mit dem Rettungsdienst und dem Feuerwehrarzt Achim Raabe haben wir 14 Mann als First Responder, Helfer vor Ort, ausgebildet. Aufgrund der geografischen Lage von Carlsberg dauert es manchmal relativ lange, bis ein Notarzt oder Rettungswagen vor Ort ist. Je nach Meldung des Notrufes alarmiert die Rettungsleitstelle Ludwigshafen zusammen mit dem Notarzt auch die Helfer vor Ort, die dann mit einem Feuerwehrfahrzeug zu den Menschen eilen, die in Lebensgefahr sind. 2016 wurden wir 16 Mal alarmiert, in diesem Jahr waren es bisher auch 16 Notlagen, bei denen wir als Ersthelfer vor Ort waren. Wie steht es um den Nachwuchs in der Wehr? Zurzeit haben wir 27 aktive Feuerwehrleute. Ein Großteil resultiert aus unserer Jugendarbeit. Seit 1975 haben wir eine Jugendfeuerwehr, die von Heinrich Gensheimer gegründet wurde. In all den Jahren hatten wir immer zwischen sechs und 20 Kinder bei uns. Zurzeit sind es 18 Jungen und Mädchen aus der gesamten Verbandsgemeinde Hettenleidelheim. Die Kinder nehmen wir ab dem sechsten Lebensjahr auf, zunächst in die Bambini-Feuerwehr, bevor sie dann zur Jugendfeuerwehr kommen. Natürlich haben sie Feuerwehrkleidung an, wenn sie bei uns sind. In fast jedem Jahr gewinnen wir so nach und nach unser Personal für den Feuerwehrdienst. Was macht die Jugendfeuerwehr? Natürlich steht die Arbeit der Feuerwehr im Mittelpunkt. Wir versuchen, diese kindgerecht zu vermitteln. Ein viel wichtigerer Aspekt ist, dass die Kinder von klein auf lernen, mit anderen respektvoll umzugehen, sich gegenseitig zu akzeptieren und gemeinsam an einem Ziel zu arbeiten. Der Stolz und das Wir-Gefühl stellen sich dann automatisch ein. Wir unternehmen Zeltlager, Spielabende, gehen gemeinsam schwimmen und vermitteln, wie man als Team einen Brand löscht. Warum gibt es den Förderverein? Um eine Wehr einsatzfähig zu halten, ist – neben den Feuerwehrleuten – auch ein nicht unerheblicher technischer Aufwand notwendig. Als Träger der Feuerwehren steht natürlich die Verbandsgemeinde an vorderster Front in der Pflicht. Dennoch gibt es technische Dinge, die beschafft werden sollen, bei denen das der offizielle finanzielle Rahmen nicht hergibt. Dann springt unser Förderverein ein. Wir haben rund 100 Mitglieder und sind das ganze Jahr dabei, Spenden einzusammeln. Seit Gründung des Vereins wurden die Anschaffungen mit rund 100.000 Euro durch den Förderverein unterstützt. Darauf ist der Förderverein, der auch Ausrichter unseres Feuerwehrfestes am Wochenende ist, sehr stolz.