Fussball
Interview: Fans dürfen die Bindung nicht verlieren
Herr Haber, wie wichtig war für Sie die Kritik der Fans an der geplanten Super League?
Die Super League war von Anfang an eine schlechte Idee. Die Werte des Fußballs – wie Leistung zeigen, nach Erfolg streben und hart arbeiten – wurden mit Füßen getreten. Ich fand es klasse, dass die großen deutschen Vereine die Super League von vornherein abgelehnt haben. Das gibt mir Hoffnung, dass die Grundwerte des Fußballs in unserem Verband nicht verlorengegangen sind.
Hätten Sie sich in Ihrer damaligen Zeit als Profifußballer vorstellen können, dass Geld irgendwann mal so eine wichtige Rolle spielt?
Nein, das hätte ich nicht gedacht. Ich bin vielleicht noch ein wenig nostalgisch, aber ich glaube schon, dass es im Fußball noch dieselben Werten gibt wie zu meiner aktiven Zeit. Das zeigen auch die Reaktionen der Fans und der deutschen Vereine.
Was ist für Sie der Grund dieser Entwicklung?
Das System im Allgemeinen hat sich verändert. Es gibt eine enorme Schnelllebigkeit, auch der Leistungsdruck ist größer geworden. Zu meiner aktiven Zeit gab es nicht mal die Champions League, sondern nur den Pokal der Landesmeister. Die Entwicklung im Fußball ist so, das muss man vielleicht auch einfach akzeptieren. Dabei sollte man aber die Fans und deren Werte nicht vergessen.
Wie groß ist die Macht dieser Fans im Fußball?
Gerade wenn man wie ich bei Traditionsvereinen gearbeitet hat, weiß man, wie bedeutsam die Stimmen der Fans sind. Ich finde deren Reaktion auf die Super League richtig und enorm wichtig. Es zeigt, dass die Fans nach wie vor einen hohen Stellenwert haben.
Sollten Fans Ihrer Meinung nach immer mitbestimmen dürfen?
Unabhängig von einer möglichen Super League oder dem Verhindern von Montagsspielen wollen Fans im Fußball tendenziell immer mehr mitreden und mitbestimmen. Aber das hat auch seine Grenzen. Es ist dennoch wichtig, dass die Meinung der Fans gehört wird und sie bei gewissen Maßnahmen mitentscheiden dürfen. Fans dürfen ihre Bindung und Emotionalität zum Verein nicht verlieren.
Wie wichtig ist diese Bindung und Emotionalität auch für das Verhältnis zwischen dem Amateur- und dem Profifußball?
Die Bindung zur Basis ist enorm wichtig. Die Profivereine müssen sich solidarisch verhalten und den Amateurvereinen zeigen, dass sie den Wert des Fußballspiels nicht vergessen haben. Der Profifußball hat sich in den vergangenen Jahren durch Missstände und Misstöne schon weit genug von der Basis entfernt. Deshalb sollten sich die Profivereine dringend klarmachen, dass es im Grunde um den Wettbewerb und die Emotion des Fußballs geht und nicht nur um das Geld, das mit dem Sport gemacht wird.
Haben Sie Angst, dass der Fußball dadurch seine Strahlkraft verliert?
Die Begeisterung für den Fußball und sein Einfluss sind nach wie vor riesig in Deutschland. Die Fans leben Emotionen. Das wird auch so bleiben, aber man sollte dies nicht als selbstverständlich ansehen und nicht versuchen, diese Stellung auszunutzen.
Sie arbeiten in einem Nachwuchsleistungszentrum. Wie werden die jungen Spieler durch diese Entwicklungen im Fußball geprägt?
Die jungen Spieler sind mit einer Generation von Profifußballern aufgewachsen, bei denen sich sehr viel um Status und Geld dreht. Das hat sie stark geprägt. Das Anspruchsdenken von Nachwuchsspielern ist sehr hoch. Sie wollen sofort in den Profifußball rein, ohne manchmal die richtige Basis dazu zu haben. Das macht es natürlich auch schwieriger, junge Spieler zu entwickeln.
Wie helfen Sie den jungen Spielern bei Ihrer Entwicklung?
Ich versuche, den Jungs in Gesprächen von meiner Erfahrung viel weiterzugeben und begleite sie auf ihrem Weg. Die Grundwerte und Grundprinzipien, die man braucht, um Profifußballer zu werden, sind auch heute noch dieselben wie damals.