Grünstadt
Ingrid Minuth gibt die Leitung der VHS Kirchheim-Bissersheim auf
„Die Volkshochschule war meine Leidenschaft“, sagt Ingrid Minuth. Knapp 30 Jahre lang hat sie die ehrenamtliche Leitung der VHS Kirchheim-Bissersheim sowie zeitweise Burgenländchen und Dirmstein innegehabt. Zum 31. Dezember hört sie auf eigenen Wunsch auf.
KIRCHHEIM. Themen für neue Kurse überlegen, Angebote von Dozenten bewerten, Termine festlegen, Werbung machen, Anmeldungen entgegennehmen, Teilnehmerlisten erstellen… – es war eine Menge Arbeit, die Ingrid Minuth als Volkshochschul-Leiterin zu bewältigen hatte. Drei Jahrzehnte hat sie die Aufgaben unentgeltlich mit viel Freude erledigt. Jetzt freut sich die gebürtige Stuttgarterin auf ihre neue gewonnene Freiheit.
„Endlich kann ich mal spontan wegfahren und meinen Hobbys intensiver nachgehen“, sagt die 72-Jährige, die gern tanzt, wandert und Schmuck anfertigt. Bis sie dem Abschied von der VHS etwas Positives abgewinnen konnte, hat es eine Weile gedauert. „Mein Mann wollte schon seit Jahren, dass ich aufhöre. Ich habe mich zu diesem Schritt aber lange durchringen müssen“, räumt Minuth ein.
Drei Volkshochschulen geleitet
Zu ihrem Ehrenamt gekommen ist die ehemalige Siemens-Sekretärin in ihrer Familienpause. „Auf einer Wanderung, die die VHS angeboten hatte, hörte ich, dass der damalige Leiter der Volkshochschule Kirchheim-Bissersheim Unterstützung bräuchte“, erinnert sie sich. Am 1. März 1989 übernahm sie dort den Telefondienst. Im Juni 1990 wurde die zweifache Mutter zur Leiterin der VHS ernannt. Ein halbes Jahr später kam die VHS Burgenländchen dazu und 1996 auch noch die Außenstelle Dirmstein.
„Das war ein tolles, selbstständiges Arbeiten, bei dem ich hervorragend unterstützt wurde von den jeweiligen Ortsgemeinden und der Verbandsgemeinde“, resümiert sie. Bis zu 120 Kurse hatte sie pro Jahr zu organisieren, was zu Semesterbeginn in einen Vollzeitjob ausartete. „In der ersten Zeit haben mein Mann Dietrich und ich noch die Teilnehmergebühren in bar kassiert und Quittungen ausgestellt.“ Das sei zu einer Herausforderung geworden, wenn mehrere Seminare gleichzeitig an verschiedenen Orten starteten. Erst ab Mitte der Neunziger setzten sich Überweisungen durch.
Große Nachfrage nach EDV-Kurse
Ein absoluter Renner waren die EDV-Seminare, die Minuth 1994 in ihr Programm aufnahm. „Da haben wir noch den Binärcode behandelt.“ Der Unterricht fand im Untergeschoss der Grundschule An der Pforte statt. „Anfangs habe ich selbst an den Kursen teilgenommen, denn als Sekretärin hatte ich nur eine elektrische Schreibmaschine“, sagt sie schmunzelnd. 2001 wurde begonnen, kreisweit für die Computer-Schulungen zu werben, was einen enormen Zulauf brachte. Die Kurse wurden ins Kirchheimer Friederich-Diffiné-Haus verlegt. Dort entstand dann 2004 das EDV-Bildungszentrum der Kreisvolkshochschule, nachdem das Haus Becker in Bad Dürkheim aufgelöst worden war.
„Wir hatten an fünf Tagen pro Woche morgens, mittags und abends volle Kurse, teilweise sogar samstags.“ Unter den Teilnehmern waren auch viele Kinder und Jugendliche. Besonders erfolgreich waren die Internetkurse für Senioren, die „Silver Surfer“. „Heute kriegen wir mit Mühe und Not sechs Leute für ein Excel-Seminar zusammen“, beschreibt Minuth die Veränderung und prophezeit auch Smartphone-Schulungen das baldige Aus.
Mancher Kurs ist auf dem Land ein Flop
Das kennt die 72-Jährige noch von den Mikrowellen: „Als die neu auf den Markt kamen, haben wir gezeigt, wie man damit backen und kochen kann. Das Interesse ist dann abrupt eingebrochen, als es zu jedem Gerät ein Rezeptbüchlein gab.“ Vor 30 Jahren ein Flop waren Frauen-Seminare. „Jetzt würde so etwas vermutlich besser angenommen.“ Fachvorträge von Krankenkassen, Ärzten und Rechtsanwälten sind schnell wieder aus dem Programm verschwunden. „So etwas läuft nur in einer Stadt. Bei der Auswahl der Kurse muss man die Gegebenheiten auf dem Land beachten“, erklärt sie.
Stark der jeweiligen Mode unterworfen seien Kreativ-Angebote. Was dagegen immer auf große Resonanz stößt, sind Sport-Kurse in allen Variationen, ob Pilates, Wirbelsäulen-Gymnastik oder Zumba. „Da sind stets so 14 bis 18 Teilnehmer, darunter viele Stammkunden.“ Minuth schmunzelt. „Einmal“, erzählt sie, „als alle bei einem Yoga-Kurs in der Kita Löwenzahn vertieft waren, stürmten plötzlich Polizei und Feuerwehr herein, auch der Bürgermeister kam.“ Der Grund: Die Brandmeldeanlage hatte Alarm geschlagen.
Zur Person
Ingrid Minuth erblickte im Oktober 1947 in Stuttgart das Licht der Welt. Aufgewachsen ist sie in Mannheim. Im Juli 1979 verlegte sie ihren Wohnsitz nach Kirchheim. Die Mutter zweier Söhne, die aktuell drei Enkelkinder hat, nahm am 1. März 1989 die ehrenamtliche Tätigkeit bei der Volkshochschule Kirchheim-Bissersheim auf, deren Leiterin sie am 25. Juni 1990 wurde. 1991 übernahm sie auch die VHS Burgenländchen und 1996 die VHS Dirmstein. Die beiden zuletzt genannten Außenstellen der Kreisvolkshochschule Bad Dürkheim gab sie 2005 wieder auf, nachdem ihr EDV-Bildungszentrum in Kirchheim sehr groß geworden war. 2002 erhielt Minuth die Ehrennadel des Landes Rheinland-Pfalz. Als Leiterin der VHS Kirchheim-Bissersheim scheidet sie zum 31. Dezember aus.